Unsere Martinsgeschichte
Sankt Martin, der Reiseveranstalter und die Funken
von Gregor Schürer
Mal wieder 11. November, mal wieder Martinstag. Wir sitzen in der Küche am Tisch und warten auf unsere kleine Tochter, um zusammen das Mittagessen einzunehmen.
Die Süße kommt hocherfreut aus der Grundschule und wir legen los, ihre Mutter, gleichzeitig meine beste Ehefrau, hat Kürbissuppe gekocht, so was von lecker….
Wir löffeln und ich frage: „Was hast Du denn heute so erlebt?“ Töchterlein plappert: „Ich hab heute ganz viel vom Sankt Martin erfahren.“ Na da bin ich mal gespannt und schweige, was mir bekanntermaßen schwer fällt. Sie versteht meine stumme Aufforderung und fährt fort. „Also“ – ich liebe es, wenn sie ihre Sätze so beginnt – „also, unser heiliger Martin heißt eigentlich Martin von TUI.“ Meine Liebste verkneift sich das Lachen, ich bin begriffsstutziger und frage nach; „Martin von was?“ „Martin von TUI“ bleibt sie bei ihrer Meinung. „Mensch Papi, das kennst Du doch! Weißt du nicht mehr, als wir dieses Jahr in den Urlaub geflogen sind, standen ganz viele Flugzeuge auf der Landebahn, da stand groß TUI drauf. Die fliegen alle nach TUI, das liegt nämlich in Frankreich.“
Aha, jetzt ist auch bei mir der Groschen gefallen. „Nein mein Schätzchen“, kläre ich die Weitgereiste auf, „die Stadt in Frankreich, wo der Martin herkommt, heißt Tours. Das hat nichts mit dem Reiseveranstalter TUI zu tun, klingt aber so ähnlich.“
So leicht gibt unsere Jüngste nicht auf. Sie wendet sich ihrer Mutter zu und fragt: „Kann ich heute Abend zum Martinszug eigentlich mein Karnevalskostüm anziehen?“. Auf den ratlosen Gesichtsausdruck der Mama reagiert sie prompt: „Unsere Lehrerin hat uns heute erklärt, dass man den Martinsabend auch Funkentag nennt.“ Nun sei zu ihrer Ehrenrettung gesagt, dass sie aktives Mitglied des örtlichen Karnevalsvereins ist, da hat das Fünkchen natürlich befehlsgerecht gut aufgepasst.
Fast bin ich geneigt ein „Martin, alaaf“ zu rufen, überlege es mir dann aber anders und sage: „Du weißt ja, mein Kind, dass man ein Martinsfeuer abbrennt. Das Feuer bringt Licht in das Dunkle, ein Freudenfeuer, um die gute Tat von St. Martin zu feiern. Manche sagen auch, es sei ein reinigendes Feuer, in dem das vergangene Jahr und der vergangene Sommer verbrannt werden.Das soll daran erinnern, dass diese Zeit nun unwiederbringlich vorbei ist. Naja, und weil bei einem Feuer eben auch Funken fliegen, heißt der Martinsabend in manchen Gegenden Funkentag.“ Sie guckt ein bisschen traurig und sagt „Ach so…“.
Ich will sie aufmuntern: „Ganz spannend ist auch die Geschichte vom Feuersprung.“ Ihre Augen leuchten, also fahre ich fort: „Früher sind die Menschen über das Martinsfeuer gesprungen. Die Kraft des Lichtes sollte so gestärkt werden, dem Springer Glück bringen und die Felder am Segen teilhaben. Daran erinnert das Martinslied „Lasst uns froh und munter sein“.
Ich beuge mich zu ihr und flüstere: „Wollen wir heute Abend, wenn es keiner sieht, ganz am Rand, wo die Flammen nicht so hoch und es nicht so gefährlich ist, zusammen über das Feuer springen?“ Sie wispert zurück „Ja, das machen wir.“
Etwas lauter frage ich: „Wollen wir das Lied jetzt singen?“ Sie nickt. Los geht´s:
Lasst uns froh und munter sein
und heut von Herzen freu’n,
lustig, lustig, trallerallala,
heut ist Martinsabend da,
heut ist Martinsabend da.
Nehmt die Fackel in die Hand,
rasch das Kerzchen angebrannt,
lustig, lustig, trallerallala …
Springen wollen wir kreuz
und quer
übers liebe Kerzchen her“.
lustig, lustig, trallerallala …
SCHÜ
