Rommersdorf-Festspiele bieten mit Theater, Kabarett und Musik ein vielfältiges Angebot
„Saturday Night Feeling“ im Englischen Garten
Die Burgfestspiele Bad Vilbel begeisterten mit dem Musical „Saturday Night Fever“
Neuwied. 16 gut aussehende Schauspieler im Style der 1970er Jahre, bunte Farben auf der Bühne, Musik von den Bee Gees und Club-Atmosphäre mit Discokugel. Das Auge mochte sich nicht sattsehen. „Saturday Night Fever“ war bei den Rommersdorf-Festspielen angesagt. Seit Jahrzehnten durchfeiern junge Leute tanzend die Nächte in Diskotheken. Alkohol und Drogen spielen dabei oft eine (unrühmliche) Rolle. Ganz besonders 1977, als die Discowelle in den USA ihren Lauf nahm. In „Saturday Night Fever“ erzählten die Burgfestspielspiele Bad Vilbel die Geschichte von Tony Manero (Sascha Luder) und seinen Freunden, für die das Feiern und Frauen die einzigen Lichtblicke im Leben sind. In der Wirtschaftskrise ist die Arbeitslosigkeit hoch, das Benzin knapp und im Iran toben Unruhen. Nicht alle Mitglieder von Tonys Gang „The Faces“ überleben das Musical. Das „Stayin‘ Alive“ der Bee Gees bewahrheitet sich für sie nicht. Ein Selbstmord, ein goldener Schuss und eine Vergewaltigung gingen im zweiten Teil unter die Haut.
Handlung geht unter die Haut
Wer anfänglich die Lust der jungen Leute teilte und sich behaglich fühlte, wachte nach der Pause aus allen Träumen auf und fand sich in einem Drama wieder. Reichtum und der amerikanische Traum sind für Tony Manero einfach nur „gequirlte Scheiße“. Authentisch ist der Jargon des Musicals in der neuen Version von Ryan McBryde. Die Sprache ist die der Straßen von Brooklyn: Derb, rüde und ganz direkt. Tony Manero will aus dem Alltag entkommen. Und vom Vater, der arbeitslos und gewalttätig ist. Dass Tony die Familie durch seinen Job im Farben-geschäft am Leben erhält, weder Lob
noch Achtung dafür erfährt und trotzdem das schwarze Schaf ist, kann der junge Mann nur schwer zu ertragen.
Samstagnachts, in der Diskothek „2001 Odyssey“, ist er hingegeben der Star. Keiner kann tanzen wir er. Hierin liegt Tonys Talent und große Chance. Er will die 500 Dollar im Tanzwettbewerb gewinnen und sich damit die Türe zu Auftritten in den angesagtesten Clubs von Manhattan öffnen. Er versteht, dass er dafür wie ein Profi arbeiten und Drogen und Alkohol abschwören muss. Und sich trennen von seiner untalentierten Tanzpartnerin, die dazu auch noch in ihn verliebt ist. Annette wird „professionell“ abserviert und zerbricht an den nicht erwiderten Gefühlen. Tony Manero entscheidet sich stattdessen für Stepania Mangano (Nathalie Parsa), die tanzen kann und in ihrem Partner nur einen guten Freund sieht. Freundschaft zwischen Mann und Frau kannte Tony Manero bis dahin nicht und stellt ihn auf eine harte Probe. Den Tanzwettbewerb entscheiden beide tatsächlich für sich, obwohl sie nicht die Besten waren. Doch statt Freude überkommt den Gewinner einfach nur Wut. Auf die Jury und das gesamte System. Er gibt den Siegerpokal an die Zweitplatzierten weiter. Die „Kanaken“ waren nämlich besser. Aber Kanaken, gemeint sind Migranten, dürfen eben nicht gewinnen. Das Amerika der unbegrenzten Möglichkeiten will ihnen keine Chance geben.
Professionelle Schauspieler und ein tolles Bühnenbild
„Saturday Night Fever“ hinterließ bei den vierhundert begeisterten Besuchern gemischte Gefühle. Die Burgfestspiele Bad Vilbel beeindruckten einmal mehr mit professionellen Schauspielern, einem tollen Bühnenbild, Sängern und Musik vom Orchester. In dieser Woche stehen bei den Rommersdorf-Festspielen „Drei Freunde, drei Tenöre“ (ausverkauft) und Johann von Bülow auf dem Programm.
Der Schauspieler ist ein entfernter Verwandter von Loriot und hält am Freitag (20.15. Uhr) eine Lesung. Grundlage sind die bekannten „Offenen Briefe“ von Loriot. Für die Kinder gibt es am Sonntag um 12 Uhr „Emil und die Detektive“. Dann werden die Burgfestspiele Bad-Vilbel sicherlich abermals begeistern: Dieses Mal mit einem Musical für Kinder. FF
Mit Tanz, Musik und Gesang begeisterte „Saturday Night Fever“ unter freiem Himmel im englischen Garten.
Dramatisches Finale: Nicht alle Mitglieder von Tonys Gang „The Faces“ überleben das Musical. Fotos: FF
