Allgemeine Berichte | 20.03.2017

Umweltnetzwerk Kirche Rhein-Mosel

Schimmel in Kirchen und Orgeln

Dr. Lothar Grün, Sachverständiger für Luftverunreinigungen und Schimmelpilze in Innenräumen, referierte zu dem aktuellen Thema Schimmel

Referent Dr. Grün, eco-LUFTQUALITÄT + RAUMKLIMA Messstelle, Beratungs- und Forschungsgesellschaft mbH.privat

Urmitz. Mehr als 30 Teilnehmer hatten sich in der Kirchengemeinde St. Georg in Urmitz eingefunden, um sich zu informieren und mit dem Fachmann zu diskutieren. Das große Interesse ist ein Indiz für die Aktualität des Themas. Ob aber das Problem von Schimmel in Kirchen und Orgeln heutzutage vermehrt auftritt, lässt sich nicht mit Untersuchungen und Statistiken belegen. Da entsprechende Erhebungen fehlen bzw. gerade erst angestoßen wurden. Allerdings ist eine Zunahme von Anfragen an den Spezialisten zu verzeichnen und eine stärkere Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. Um es vorwegzunehmen es gibt kein „Patentrezept“ gegen Schimmel, dafür ist die Zahl möglicher Faktoren, die Einfluss nehmen zu groß. Es sind also Einzelfallbetrachtungen nötig und Messungen in den Gebäuden, um mögliche Ursachen zu ermitteln und dann gezielt entgegenzuwirken. Entwarnung konnte der Experte im Hinblick auf die Belastung der Luft durch die Schimmelpilze in solchen Räumen geben. In der Regel stellen sie für eine gesunde Person, die sich ja nur eine begrenzte Zeit in einer Kirche aufhält keine Gefahr dar. Wie kommt es nun eigentlich zu einem Befall mit Schimmelpilzen. Die Sporen sind grundsätzlich immer in der Luft vorhanden. Treffen diese auf organische Substanzen - auch Staub ist ein geeigneter Nährboden - und herrscht eine relative Luftfeuchte von mehr als 70 Prozent, so braucht es nur noch eine ausreichend hohe Temperatur und es kommt zum Schimmelbefall. Je ungünstiger die Bedingungen für das Pilzwachstum umso länger braucht es, bis der Befall augenscheinlich wird. Interessant ist in dem Zusammenhang, dass der Schimmel oberflächlich wächst und nicht zur Zerstörung von Holz führt. Weiterhin findet er sich verstärkt auf horizontalen Flächen und selten an senkrechten. Das ist auf die Ablagerung von Staub auf den waagerechten Flächen zurückzuführen, der Feuchtigkeit bindet und damit die Bedingungen für den Pilz verbessert. Die erforderliche Feuchtigkeit kann aus baulichen Mängeln und dem Raumklima resultieren. Interessant in diesem Zusammenhang ist die Beobachtung, dass in viel besuchten Kirchen (Wallfahrtskirchen) Schimmel kein Problem ist, während in Kirchen, die nur selten genutzt werden, deutlich öfter ein Befall festzustellen ist. Eine Erklärung hierfür ist die Durchmischung der Luft durch die Besucher. Der Tipp, das durch Ventilatoren zu simulieren, greift leider nicht, da diese deutlich mehr Staub aufwirbeln, der ja zur Schimmelbildung beitragen kann. Dreh- und Angelpunkt scheint aber die Luftfeuchte zu sein. Diese wird von den verschiedenen Bau- und Ausstattungsmaterialien unterschiedlich stark aufgenommen und dann wieder verzögert abgegeben. Ein einmaliges Lüften bringt nur etwa 1/3 der eingetragenen Feuchtigkeit aus dem Gebäude, 2/3 sind zunächst an die Oberflächen gebunden und werden erst dann nach und nach wieder abgegeben. Es ist also sinnvoll, dann mehrmals zu lüften und natürlich nur dann wenn die Luftfeuchtigkeit innen höher ist als in der Außenluft. Messungen haben gezeigt, dass gerade in den Übergangszeiten Probleme mit der Luftfeuchte auftreten. Hier könnte eine Beheizung auf etwa 3° Celsius mehr als die Umgebungstemperatur und ein automatisiertes Lüften Abhilfe schaffen. Die Entlüftung sollte aber Feuchte gesteuert sein, damit nur dann gelüftet wird, wenn die absolute Luftfeuchte außen geringer ist als im Raum. Die anschließende, lebhafte Diskussion zeigte, dass sich viele der Besucher bereits mit dem Thema beschäftigt hatten und aus der Praxis berichten konnten. So wurde auch die These diskutiert, ob die in der Neuzeit eingebrachten Baumaterialien unter anderem auch Farben zu dem Problem beigetragen haben. Die in der Vergangenheit eingesetzten Kalkmörtel, Kalkputze und Kalkfarben bieten dem Schimmel per se keine geeigneten Bedingungen. Gips haltige Baustoffe hingegen bieten den Schimmelpilzen bessere Lebensbedingungen. Darüber hinaus haben diese Baustoffe und die modernen Farben abweichende Aufnahme- und Abgabe-Fähigkeiten in Bezug auf Luftfeuchte und können dadurch zur Schimmelbildung beitragen. Hier sollte also bei der Materialwahl stärker darauf geachtet werden, ob diese im Hinblick auf ihre Eigenschaften zueinander passen. Das Umweltnetzwerk Kirche Rhein-Mosel dankte dem Referenten für den interessanten Vortrag, der die Vielschichtigkeit des Problems beleuchtete und dazu beiträgt zu erkennen, dass es keine Universallösung gibt.

Pressemitteilung

Umweltnetzwerk

Kirche Rhein-Mosel

Referent Dr. Grün, eco-LUFTQUALITÄT + RAUMKLIMA Messstelle, Beratungs- und Forschungsgesellschaft mbH.Foto: privat

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Bildergalerien
Ralf Schweiss
Dauerauftrag 2026
Heimat aktiv erleben
Projektingenieur
Heizöl/Diesel/Holzpallets
vermisste Brille
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0366#
Empfohlene Artikel
Die vulkanische Geschichte der Eifel lässt sich im Lava-Dome spielerisch entdecken. Foto: Dominik Ketz
255

Wer glaubt, Vulkane gäbe es nur auf Island oder in Italien, hat die Rechnung ohne die Eifel gemacht. Im Lava-Dome in Mendig wird schnell klar: Auch hier ging es einst verdammt heiß her! Das Deutsche Vulkanmuseum entführt seine Besucher auf 700 Quadratmetern und zwei Etagen in eine Welt voller Feuer, Lava und spannender Erdgeschichte. Klingt staubtrocken? Von wegen! 700 Quadratmetern und zwei Etagen in eine Welt voller Feuer, Lava und spannender Erdgeschichte.

Weiterlesen

In der ehemaligen Ahrweiler Synagoge diskutierten (von links) Nick Falkner, Ulrich van Bebber, Susanne Bell und Dr. Martin Wein.
258

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Wie hat die Flut den Zusammenhalt im Ahrtal verändert. Welche Konflikte bestehen noch? Wo trägt bürgerschaftliches Engagement weiterhin? Wo brauchen Menschen, Vereine und Kommunen mehr Unterstützung? Und was muss Politik aus dieser Katastrophe lernen, damit Warnketten funktionieren, Zuständigkeiten klar sind und der Staat im Krisenfall schneller handeln kann?

Weiterlesen

BLICK aktuell-Bilderrätsel: Folge 11
156

Jede Woche präsentieren wir Euch einen neuen Schnappschuss aus dem BLICK aktuell-Land. Die Bilder zeigen bekannte Orte, besondere Details oder überraschende Perspektiven aus der Region – doch nicht immer ist auf den ersten Blick erkennbar, was genau zu sehen ist.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Die niedergebrannte Zimmerei von außen.
1532

Firmenhalle einer Zimmerei in Brohltal-Ost brennt in der Nacht auf Samstag bis auf die Grundmauern ab

20.06.: 110 Feuerwehrleute und Helfer kämpfen gegen die Flammen

Niederzissen. Die Werkhalle der Zimmerei Reimund Müller im Industriegebiet Brohltal-Ost ist in der Nacht zum Samstag ein Raub der Flammen geworden. Der Feueralarm bei der Feuerwehr Brohltal ging um 22.50 Uhr ein. Beim Eintreffen der ersten Einsatzkräfte brannte die Fabrik bereits lichterloh. Feuerwehren aus Bad Neuenahr-Ahrweiler und auch Andernach wurden umgehend zur Verstärkung angefordert, sodass rund 110 Feuerwehrleute und Helfer in der Nacht gegen ein Ausbreiten des Großfeuers kämpften.

Weiterlesen