Nachruf
Schorsch Nürnberg verstorben
Musikalisches Urgestein begeisterte lange beim Mayener Stein- und Burgfest
Mayen. Ein wahrer Ausnahmemusiker, ein Könner, eine Ikone der Musikalität ist am Freitag den 24. Juni, nach langer schwerer Krankheit, im Alter von 78 Jahren verstorben. Sicherlich ein Schock für alle, die ihn kannten, liebten und schätzten. Die Mayener Musikszene wird dadurch um einen „Ausnahmemusiker“ ärmer. Phänomenal sein immenser Bekanntheitsgrad in diesen unseren Landen. So waren es Hunderte Besucher, die jedesmal wieder mit dabei sein wollten, wenn ein besonderes Highlight der traditionellen Festivität, des Stein- und Burgfestes mit „live Musik“ der Mayener „Old Star Band“ rund um das Urgestein, den exzellenten Joe Cocker Imitator „Schorsch“ Nürnberg, im Festzelt auf dem Marktplatz über die Bühne ging. Man konnte es wohl einen tollen Auftakt nennen, diese musikalischen und gesanglichen Beiträge der Musiker, mit ihren bekannten „Ohrwürmern“, und Welthits wie „Yesterday“, oder „I feel good“, „Unchaine my Heart“, „The heat is on“, oder „Spinning Wheel“.. Schorsch Nürnberg und seine 15-köpfige Soulformation , präsentieren die Welthits der „Schwarzen Musik“ mit Titeln von Joe Cocker, Blues Brothers, Wilson Pickett, James Brown, Ray Charles, Tina Turmer, Amy Winehouse und anderen Interpreten in einer musikalischen Show der Extraklasse. Und Schorsch Nürnberg wußte ganz genau: „Die Fans wollten eben feiern, fröhlich sein und gemeinsam unter Freunden die „Seele baumeln lassen“. Wie sagte Schorsch einmal gegenüber Blick aktuell: „Man kann unsere Schau wohl ohne Übertreibung einen Höhepunkt zum Fest-Auftakt nennen, denn das, was meine Musiker, innerhalb der „Old Star Band“ präsentieren, das sind musikalische und gesangliche Glanzleistungen. Und dies nunmehr über viele Jahre lang bis zum Jahre 2017“. Bei Hans-Georg Nürnberg, dem 78 jährigen mit Nettewasser getauften, echten „Mayener Jung“, den seine Fans liebevoll „Schorsch“ nannten, konnte man mit Fug und Recht behaupten: „Musik war sein Leben“, Der gelernte Einzelhandelskaufmann war ein Vollblut-Musiker durch und durch. Er liebte nicht nur diese, seine Musik, nein er „lebte“ sie. Was hatte er, der „Allroundman“ nicht schon alles bewirkt. In all den Jahren stand er innerhalb vieler bekannter Formationen auf der Bühne des Stein- und Burgfestes, und sage und schreibe alleine 10 Jahren mit den Könnern der Old Star Band, die einst aus der „Little Beat Band“ entstand. „Ohne meine exzellenten Musiker, wahre Könner in ihrem Fach, hätte ich wahrscheinlich nicht so viel erreicht. Dazu die tollen Arrangements, die aus der Feder von Kurt Beul stammten und das Ganze komplettierten. Alle Bandmitglieder sind für mich wahrlich ein Glücksfall“, verriet „Schorsch“ einmal unserer Zeitung. Ein Glücksfall für Schorsch war aber auch seine Ehefrau Elvira, mit der er seit 1969, nunmehr 53 Jahre lang verheiratet war, die ihn wo sie nur konnte, unterstützte und ihm quasi in jeder Hinsicht, den „Rücken“ frei hielt. Und dies, ihre starke Liebe brachte sie ihrem Schorsch in vorbildlicher Weise nicht nur in gesunden, sondern vor allem in den Jahren seiner Krankheit entgegen. Und sie verriet uns: „Eigentlich mischte Schorsch schon 1963 beim Stein- und Burgfest Geschehen mit. Natürlich, wie konnte es anders sein, musikalisch“. Der Mann, dessen bewegtes Musikerleben, sozusagen seine „Karriere“ im zarten Alter von 5 Jahren begann, als er bei Winfried Rittershaus anfing das Spielen auf dem Saxophon zu erlernen. Zuletzt spielte er nicht nur eines, oder drei, sondern sage und schreibe 10 Instrumente. Darunter Klarinette, Trompete, Querflöte, Bass, Gitarre, Keyboard, oder Okulele. Und zur Trompete hatte Schorsch Nürnberg einst eine schöne Geschichte, die sicherlich auch in diesen Nachruf passt, parat. Als 14 Tage vor einem Auftritt mit der „Dixiland-Band“ in der Genovevaburg sein Trompeter ausfiel: „Was wollte ich machen. Für 180 DM kaufte er sich eine Trompete, hatte innerhalb von 14 Tagen das spielen drauf, und so war das Engagement gerettet“. Nun muss man wissen, das Nürnberg lange Zeit Mitglied der Hausband in der Bonner Beethovenhalle war. Dort standen diese Jungs gemeinsam im abwechselnden Musizieren gleichzeitig mit namhaften Orchestern, wie James Last, Willi Berking oder Max Greger auf der Bühne. Einmal, und da erinnerte sich „Schorsch“ noch genau daran, sollte er dort beim Bundespresseball gemeinsam mit seiner Band, den „Silhouets“ den Hit „Try a little tenderness“ spielen. Bandleiter Klaus Berger gab zu bedenken, dass da am Anfang die Trompete im Einsatz ist. Gott sei Dank hatte Nürnberg sein vor Jahren in Mayen gekauftes, in die Jahre gekommenes Instrument dabei. Als er dies aus einem abgewetzten Koffer auspackte, hörte man schon ein Schmunzeln aus Richtung der drei Weltbesten in Max Gregers Orchester sitzenden Trompeter. Doch Schorsch spielte, was das Zeug hielt. „Ich wusste genau, die hatten alle drei erstklassige, hochwertige Instrumente und ich meine 180 Marks-Trompete. Aber trotz allem, es gab einen Riesenapplaus der Gäste für Nürnberg, auch von Max“. Nun bei aller Musikalität hatte das Multitalent noch weitere Hobby´s. Nicht nur als Tennisspieler, nein er hat auch seinen dazu passenden Trainerschein. Dann das Reisen innerhalb Europäischer Länder, oder aber der heimatliebende Mann streift mit seiner Elvira durch die Eifelregion. Und ganz besonders stolz war er, der Musiklehrer, auf seine vielen Schülerinnen und Schüler in der eigenen Musikschule. „Viele davon haben eigene Bands gegründet. Und eine ganze Menge hatte es zu was gebracht“, freute sich Schorsch Nürnberg, einmal gegenüber „Blick aktuell“. Kein Wunder bei einem solchen Lehrmeister, der trotz vieler Angebote, „seinem“ Mayen bis zu seinem Tode treu blieb. Und ich bin mir sicher: Unser „Schorsch“ wird mit Bestimmtheit weiterhin, aus des Himmels Höhen, genau auf das Mayener Musikgeschehen herabschauen. Und vielleicht dort oben eine seiner „Joe Cocker Kostproben“ zum Besten geben“.Bernd Schmitz