Allgemeine Berichte | 24.10.2018

Klimatour des Bündnisses Klimaschutz Mittelrhein

Schritte zur Klimaverantwortung – global und bei uns

Besuch des Rohstofftags der Wasserburg Vallendar und Exkursion zum Nabu-Beweidungsprojekt Bendorf

Kettig. Möglichst CO2frei, also weitgehend mit Rad, E-Mobil und Nahverkehr in unserer Region unterwegs sein und Initiativen und Projekten, die beispielhaft Verantwortung für Umwelt- und Klimaschutz übernehmen, kennenlernen und öffentlich machen, ist eines der Ziele der diesjährigen Klimatour der Bündnisses Klimaschutz Mittelrhein. Dem Bündnis gehören inzwischen 17 Gruppierungen aus dem ökosozialen und kirchlichen Bereich an. Nach dem erfolgreichen Auftakt an der Marktkirche Neuwied radelte die Aktivengruppe weiter durch die „alles andere als radfreundliche“ Innenstadt entlang des nahezu ausgetrockneten Rheines über Engers, Mülhofen, Bendorf zur Wasserburg in Vallendar und später nach Koblenz. „Die teils schlecht ausgebaute und kaum beschilderte Radroute war nicht ungefährlich und müsste durch die drei Städte dringend optimiert werden, wenn man die Verkehrswende ernst nimmt und auch hier die CO2-Belastung zugunsten des Klimas runterdrücken will“, fordert Mitorganisator Egbert Bialk vom Bund. Die positive Ökobilanz des Tages schätzt er so ein: „Rund 40 Kg CO2 haben wir mit unserer Muskelkraft gegenüber einem PKW heute schon eingespart.“

In Vallendar nahm die Gruppe an einer Podiumsdiskussion der Palottiner-Bildungsstätte Wasserburg zum Thema „Zoff um Stoff“ teil. Vertreter des Klimabündnis aus Frankfurt, von Brot für die Welt und des Entwicklungspolitischen Landesnetzwerkes Elan sowie zahlreiche kleine Initiativen zeigten hier auf, wie ausbeuterisch wir Wohlstandsländer bei unserem Rohstoffhunger mit Mensch und Natur in den Ländern des Südens umgehen. Die Folgen sind verheerende Schäden des Natur- und Klimahaushaltes sowie Hunger und Verelendung, Bürgerkriege, Menschenrechtsverletzungen und oft nackte Gewalt, etwa beim Kohleabbau in Kolumbien oder der Regenwaldrodung in Brasilien. Umweltaktivisten und indigene Völker leiden hier besonders. „Schuld sind wir und unsere Maßlosigkeit sowie ein durch und durch ungerechtes und wachstumsfixiertes Wirtschaftssystem, das die Konzerninteressen nicht zügelt. Schon Papst Franziskus hat darum scharf kritisiert, dass diese ‚Wirtschaft tötet‘“, so Helmut Gelhardt von der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung Engers-Mülhofen Kab. Die Kab ist auch im Klimabündnis Mittelrhein mit vielen Umweltverbänden vernetzt und hatte in der Wasserburg einen Infostand angeboten. Der Bund Koblenz war mit zwei Projekten präsent: Energiesparhelfer und Ökosoziale Beschaffung. Der Projektleiter und Fachpromotor für ökosoziale Beschaffung in der Region Koblenz Achim Trautmann verwies auf Chancen der Vernetzung der Gruppen und einer schrittweisen Veränderung unseres Wirtschaftens hier bei uns: „Wem gehört die Welt? Auch uns VerbraucherInnen und KonsumentInnen natürlich. Wir alle entscheiden täglich darüber, welche Produkte wir konsumieren und wie sie hergestellt werden.

Auch die öffentliche Hand kauft ein und muss den Markt nachhaltig verändern. Viele Kommunen sind bereits ‚Fairtrade‘-Städte oder entscheiden sich bewusst für einen ökologischen und sozialverantwortlichen Einkauf! Dies sind notwendige kleine Schritte, die auch beim Klimaschutz helfen.“

Dritte Station der Klimatour war ein Naturschutzprojekt auf einer ehemaligen Eisenverhüttungs-Halde in Bendorf. Die Altlast der zu Thyssen-Krupp gehörenden ehemaligen Concordiahütte in Bendorf ist hier dank der jahrelangen engagierten Ehrenamtsarbeit des Nabu zu einem Naturrefugium geworden. Organisiert von der in Bendorf ansässigen BI gegen das Akw Mülheim-Kärlich führte der örtliche Nabu-Vorsitzende Dr. Johannes Leonhard die Klimaschützer über das inzwischen naturschutzfachlich sehr wertvolle Deponiegelände. Sowohl naturnahe Wasserläufe und Schluchtenwälder als auch hochinteressante biodiverse Trockenrasen bieten hier nun nahe der Stadt einen wichtigen Lebensraum für seltene Flora und Fauna.

„Dieses Gebiet ist für viele Arten ein wichtiger Trittstein bis hinein in den unteren Westerwald“, erklärt Dr. Leonhard die besondere Bedeutung des Projektes. Damit die Flächen nicht verwalden und ihre biologische Vielfalt behalten, hat der Nabu dort Burenziegen und auch einen Esel als natürliche Rasenmäher „angestellt“, die tägliche und arbeitsintensive Versorgung brauchen. „Das Beweidungs-Projekt hat uns sehr beeindruckt. Die Tiere sind natürlich ein echtes Highlight“, so Achim Theisen von den NaturFreunden Kettig.

„Es ist aber bedauerlich, dass die staatlichen Stellen eine solch engagierte Natur- und Umweltschutzarbeit der Ehrenamtsverbände nicht stärker wertschätzen, auch finanziell.“ Nach den Stationen in Neuwied, Vallendar und Bendorf schließen sich am kommenden Wochenende der Besuch des 25-Jahr-Jubiläums von Ökostadt Koblenz am Freitag, 26. Oktober um 18 Uhr, im Dreikönigenhaus und die Teilnahme am Vortrag von Dr. Franz Alt in der Stadthalle Lahnstein mit eigenem Infostand ab 14:30 Uhr an.

Informationen und Spendenkoto zu unterstützungswürdigen Klima-Projekten und weiteren Veranstaltungen der Klimatour in Neuwied, Dernbach/WW und Koblenz siehe auf der Homepage des Klimabündnisses klimaschutz-nord.bund-rlp.de oder Tel. (02 61) 97 34 539. Für den erstem Dezember ist die Teilnahme an der nächsten Klima-Großdemo in Köln geplant.

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