Allgemeine Berichte | 09.12.2015

Fuhr kaputter Bus trotz Hinweisen noch mehrere Kilometer?

Schulbus in Flammen - fünf Kinder verletzt

„Mit Jacken und Taschentüchern vor Qualm geschützt“

Flammen stiegen aus dem Bus. Foto: willipedia.eu

Bad Ems. „Pkw-Brand in der Bad Emser Marktstraße“ - so lautete am Dienstagmorgen gegen 7.30 Uhr der knappe Alarm für die Bad Emser Feuerwehr. Beim Eintreffen des ersten Löschfahrzeugs zeigte sich aber, dass ein Schulbus im Bereich der hinteren Achse in Flammen stand. Schulkinder waren zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr an Bord des Busses. Rund 20 Schüler waren aber im Bus, als „die Kinder im hinteren Teil des Busses Rauch bemerkt und mich informiert haben“, so der Busfahrer gegenüber Blick-Aktuell an der Einsatzstelle, daraufhin habe er vor dem Haus der Friedenswarte in der Marktstraße angehalten, so der Fahrer weiter. Auch die Polizei ging aufgrund von Aussagen vor Ort davon aus, dass es keine Verletzten gäbe. Allerdings waren die Schüler beim Eintreffen der Polizei schon von einem anderen Bus des Unternehmens aufgenommen und weiter zur Schule, der Freiherr-vom-Stein-Grundschule in Bad Ems, befördert worden. Im Laufe des Dienstags stellte sich dann heraus, dass mindestens fünf Schüler durch Rauchgas verletzt wurden - eventuell sogar schon Kilometer vor der späteren Einsatzstelle. „Fünf Schüler mussten nach medizinischer Erstversorgung zur weiteren Beobachtung in nahegelegene Krankenhäuser verbracht werden. Nach bisherigem Stand der Ermittlungen sind alle Personen leicht verletzt. Der Linienbus, der auch zur Schülerbeförderung eingesetzt wird, war zum Unfallzeitpunkt mit circa 20 Personen besetzt. Der Grund des Brandes war vermutlich ein technischer Defekt, der im Rahmen der weiteren Untersuchungen noch genauer spezifiziert werden muss“, so die Pressemitteilung der Polizei am Dienstagnachmittag. Über den Unfallhergang und den eigentlichen Ort des Geschehens gibt es aber sehr unterschiedliche Darstellungen. Anwohner der Marktstraße berichten, sie hätten gegen 7.30 Uhr einen lauten Knall in der oberen Marktstraße gehört, kurze Zeit später habe der Bus dann brennend einige hundert Meter weiter gestanden. Das sagt auch der Fahrer der städtischen Kehrmaschine, der mit dem Feuerlöscher aus dem inzwischen stehenden Bus einen ersten Löschversuch am brennenden Reifen vornahm. Um die Schulkinder kümmerten sich Anwohner, das Busunternehmen schickte einen Ersatzbus. „Um die Uhrzeit sind viele Busse von uns in der Stadt unterwegs, da geht das schnell“, so der Busfahrer gegenüber Blick-Aktuell. Doch schon während das zweite Fahrzeug der Feuerwehr eintrifft, berichtet ein Handwerker, dass der Bus schon „stark qualmend“ durch Bad Ems gefahren sei. Ein weiterer Autofahrer erzählt, dass schon in der Parallelstraße Flammen am Hinterrad zu sehen gewesen seien, er sein Fahrzeug gewendet habe, um den Fahrer zu warnen, den dann brennenden Bus aber wenige Augenblicke später stehend in der Marktstraße entdeckt habe.

Vorfall wird emotional diskutiert

Als die ersten Bilder des Unfalls online und in den sozialen Netzwerken auftauchen, wird der Vorfall sehr emotional diskutiert. Das Busunternehmen, aber auch die Schule, stehen im Visier der Eltern. Eine Mutter etwa fragt. „Wie kann es sein, dass ich das als betroffene Mutter über Facebook und nicht durch die Schulleitung erfahre?“. Andere diskutieren zurückliegende Vorfälle. Bereits im Mai 2012 geriet ein Bus der Firma auf dem Weg nach Dachsenhausen in Brand. Schüler hatten das Feuer im Motorraum bemerkt und den Fahrer informiert, die Feuerwehr verhinderte Schlimmeres. Im Februar 2014 geriet das Unternehmen mit (demselben Bus wie jetzt) in die Schlagzeilen, weil sich während der Fahrt eine automatische Tür geöffnet hatte. Ein sechsjähriges Mädchen stürzte während der Fahrt in einer Kurve hinaus, wurde zwischen Busreifen und Bordstein eingeklemmt und dabei schwer verletzt. Der Bus damals war kurz zuvor einer Inspektion unterzogen worden, bei dem keinerlei Mängel festgestellt worden sind. Allerdings häuften sich im aktuellen Fall im Laufe des Dienstags auch die Hinweise darauf, dass der Bus schon weit vor der späteren Unglücksstelle in der Marktstraße Probleme hatte - und dass wesentlich mehr Kinder betroffen waren. Gleich mehrere Kinder und Jugendliche berichteten ihren Eltern, dass der Bus bereits in Kemmenau, oder kurz danach im Steilstück nach Bad Ems gequalmt habe. Der eingesetzte Bus fährt morgens von Welschneudorf über Kemmenau nach Bad Ems und bringt dabei auch die Westerwälder Schüler der weiterführenden Schulen mit. In Bad Ems werden dann Grundschüler am Hauptbahnhof heraus gelassen, dann führt die Linie eine Runde durch die Stadt über die Römerstraße (am Rathaus steigen „die Größeren“ aus) , Bleichstraße und Marktstraße um schließlich weitere Grundschüler zur Freiherr-vom-Stein-Schule zu bringen. „Direkt hinter Kemmenau gab es ein komisches Geräusch. Dann bemerkten wir auch schnell stinkenden Qualm und informierten den Busfahrer. Der hat aber gesagt, dass sei normal, Bremsen würden manchmal stinken“, berichtet ein 14-jähriger Schüler des Gymnasiums, dessen Kleidung nach der Schule noch nach verbranntem Kunststoff riecht.

Bus war voll besetzt

Der Bus sei „wie immer voll besetzt“ gewesen, noch im kilometerlangen Steilstück nach Bad Ems, wollen die Kinder sich gegenseitig geholfen haben. „Wir haben die Kleineren zu uns nach vorne geholt. Mit Jacken und Taschentüchern haben wir uns die Nasen zu gehalten und Deo gegen den Gestank gesprüht“, berichtet der Jugendliche weiter. An zwei Haltestellen seien trotz des Qualms noch Kinder zugestiegen, so übereinstimmende Berichte, manche Kinder berichten ihren entsetzten Eltern, dass bereits beim Einsteigen in Kemmenau schon ein Geruch von „schmurgelndem Kunststoff“ zu bemerken gewesen sei. „Nicht auszudenken, was hätte passieren können, wenn im Steilstück nach Bad Ems die Bremsen versagt hätten“, malt eine Mutter ein düsteres Bild. Der Bad Emser Kreisverwaltung - zuständig für die Schülerbeförderung - liegen nach Auskunft des Pressesprechers mehrere solcher Hinweise vor. „Wir bedauern sehr, dass Kinder verletzt wurden“, sagt der Pressesprecher der Kreisverwaltung, Uwe Rindsfüßer, „wir sind aber auch froh, dass nicht noch mehr passiert ist. Die Hinweise werden ernst genommen, jetzt muss der Hergang aufgeklärt werden“. Auch bei der Bad Emser Polizei liegen zwischenzeitlich mehrere Anzeigen vor, so ein Beamter gegenüber Blick-Aktuell. WW - Willi Willig

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›› Video vom 08.12.2015 - Schulbus in Flammen

Flammen stiegen aus dem Bus. Foto: willipedia.eu
Die hintere Achse des Busses hatte in Flammen gestanden.

Die hintere Achse des Busses hatte in Flammen gestanden.

Flammen stiegen aus dem Bus. Foto: willipedia.eu

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