Allgemeine Berichte | 27.05.2019

Umweltverband Naturschutzinitiative zum Tag der Artenvielfalt

Schutzprogramme sind erforderlich

Die Feldlerche droht in der Feldflur des Westerwalds zu verschwinden

Eine Feldlerche ist kaum noch zu hören im Westerwald.

Quirnbach. Auch wenn Menschen bei einem Spaziergang durch Kulturlandschaften im Westerwald oft noch den Eindruck haben, dass hier noch vieles besser aussieht als in anderen Regionen, zeigen sich die negativen Auswirkungen einer immer mehr globalisierenden Wirtschaft auch hier deutlich. „Die Luft der Feldflur war früher noch in alle Richtungen erfüllt vom Gesang der Feldlerche, dem Vogel des Jahres 2019. Obwohl wir uns noch immer an einer recht reichhaltigen Natur erfreuen können, ist die Situation dennoch sehr ernst. Es besteht dringender Handlungsbedarf“, erklärte Diplom-Biologe Immo Vollmer, Naturschutzreferent des Umweltverbands Naturschutzinitiative. Andere Feldvögel wie Kiebitz, Rebhuhn und Wachtel sind bereits fast komplett aus dem Westerwald verschwunden.

Der kürzlich veröffentlichte Welt-Biodiversitätsbericht zeigt noch einmal deutlich auf, dass es wenige Hauptfaktoren sind, die für das dramatische Artensterben verantwortlich sind. Erfolg oder Misserfolg von Hilfsmaßnahmen werden auch zu einem Schlüssel für das Überleben der Menschheit.

Die wichtigsten Faktoren sind der Verlust der bisherigen Lebensräume und ihrer Vielfalt durch die Intensivierung der Nutzung zu Land und Wasser, die Entwertung der Nutzflächen durch Verarmung an Strukturen und Nährorganismen, die direkte Vernichtung von Organismen durch Pestizide, die Übernutzung natürlicher Vorkommen und die fortwährende Anreicherung der Umwelt mit Umweltgiften oder Nährstoffen (Stickstoff) aus Landwirtschaft und Verkehr.

„Klimatische Veränderungen spielen zwar auch eine Rolle, sind aber im Vergleich zu den direkten Lebensraumzerstörungen eher nachrangig und von teils auch ungesichertem Charakter. Naturschutz darf daher nicht auf Klimaschutz reduziert werden. Dieses kann den katastrophalen Artenschwund noch befeuern“, so Harry Neumann, Landesvorsitzender der Naturschutzinitiative. So steht der Lebensraumverlust oder die Lebensraumzerstörung über den Anbau von Energiepflanzen, Entwertung unberührter Waldgebiete durch Windkraft, der Aufstau von Gewässern oder hohe betriebsbedingte Tötungsraten an Windkraftanlagen und Wasserturbinen fast immer im Gegensatz zum Artenschutz. „Grüner Strom, bei dem Verbrauch ohne Reue möglich ist, gibt es nicht. Der einzig naturverträgliche Strom ist der, der nicht verbraucht wird“, so die Naturschützer von der NI.

Die Feldlerche als Charaktervogel der offenen Feldflur wurde hauptsächlich durch Verarmung an Nutzungsvielfalt und der Anzahl von Parzellen in Verbindung mit einer immer intensiver werdenden Landnutzung und dem Einsatz von Bioziden an den Rand des Aussterbens in der Region gebracht. Daneben hat auch im Westerwald Bebauung und Versiegelung dazu beigetragen, den besiedelbaren Raum für die Feldlerche und viele andere Arten einzuengen.

Auch im östlich von Altenkirchen gelegenen Gebiet des Ölferbachs, das der Biologe schon seit Langem kennt, sind aktuell nur noch drei bis vier Reviere in einem kleinen Teilgebiet besetzt. Der größte Teil der an den Talflanken und Höhenrücken durchaus ausgedehnten Ackerlandschaft ist stumm, da hier keine Feldlerche mehr singt. Häufige Bearbeitungsgänge, eine dichte Aussaat des früh hochwachsenden Wintergetreides oder Raps und Mais, der Verlust von Saumstrukturen oder Graswegen, die die früher noch zahlreicheren Parzellen verbanden, oder der Einsatz von Pestiziden haben dort den unermüdlichen Sänger vertrieben.

Eine dramatische Situation gibt es im Westerwaldkreis auch bei den Wiesenbrütern wie zum Beispiel Braunkehlchen und Wiesenpieper. Diese befinden sich flächendeckend mit einem Rückgang bis zu 85 Prozent in einem grandiosen Sinkflug, sogar in den europäischen Vogelschutzgebieten.

Ein sehr großer Hebel des Handelns oder auch Instrument des Scheiterns stellt die europäische Agrarförderung dar. Hier fordert die Naturschutzinitiative, die bestehende Agrarförderung der EU so umzubauen, dass diese öffentlichen Gelder ausschließlich für Maßnahmen verwendet werden, die dem Artenrückgang vor allem in der Kulturlandschaft entgegenwirken.

„Artenvielfalt ist kein Luxusproblem, sondern die Grundlage unseres langfristigen Überlebens, sozusagen unsere Lebensversicherung. Der Erhalt der biologischen Vielfalt und der Arten ist die größte Herausforderung für das Überleben der Menschheit“, betonte Harry Neumann.

Der Schwund an Arten und Lebensräumen kann auch in Euro und Dollar abgeschätzt werden. Geld, das in immer höherem Ausmaß dafür ausgegeben werden muss, die Schäden des menschlichen Handelns zu lindern, könnte durch ein ökologisches Handeln eingespart werden. Entsprechend sind öffentliche Gelder schon jetzt vorwiegend zur Sanierung von Umweltschäden anzusetzen.

„Als nächsten notwendigen Schritt brauchen wir eine europäische Agrarreform, die öffentliche Gelder verbindlich an öffentliche Leistungen knüpft. Alle Agrarsubventionen, die die biologische Vielfalt zerstören und den Artenschwund weiter beschleunigen, müssen abgeschafft werden. Dazu gehört auch ein flächendeckendes Verbot von Pestiziden wie die Insekten tötende Neonikotinoide sowie Totalherbizide wie das Mittel Glyphosat“, forderte Harry Neumann, Landesvorsitzender der NI.

Für das Ölferbachtal und die Feldfluren im gesamten Westerwald wünscht sich NI-Naturschutzreferent Vollmer jedenfalls ein Schutzprogramm zur Feldlerche. Durch ein Weniger an Intensität, dem Einschalten von Brachen oder zumindest dem Belass von kleinen unbewirtschafteten Flecken in einem größeren Feldkomplex (sogenannte „Feldlerchenfenster“) könnte der begabte Sänger noch erhalten werden, wenn das alle wollen. „Denn was wäre unsere offene Agrarlandschaft ohne diese Himmelsgesänge, die vielfach auch Dichtkunst und Musik inspirierte?“ so Vollmer.

Auch Braunkehlchen sind nur selten anzutreffen.Fotos: Harry Neumann

Auch Braunkehlchen sind nur selten anzutreffen.Fotos: Harry Neumann

Eine Feldlerche ist kaum noch zu hören im Westerwald.

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