Jugendliche auf der Suche nach dem eigenen Weg
„Schwarz oder weiß? – Du musst dich entscheiden!“
Schüler des Bendorfer Gymnasiums präsentierten das Musical „Schach 2.0“
Bendorf. Die Musical-AG des Wilhelm-Remy-Gymnasiums unter der Leitung von Daniel Brengmann, Dagmar Articus und Stefan Brügel präsentierte am Ende des Schuljahres in zwei Vorstellungen am Mittwoch und Donnerstag im ausverkauften Saal der evangelischen Gemeinde Bendorf das Ergebnis intensiver Probenarbeit: „Schach 2.0“, ein Musical von Andreas Schmittberger, frei nach „Leonce und Lena“, dem Lustspiel von Georg Büchner. „Schwarz oder weiß? – Du musst dich entscheiden!“, heißt es in diesem Musical, das von zwei Königreichen sowie Krieg und Frieden handelt. Aufständische Bauern, eine streng herrschende Königin mit ihrem leicht überfordert wirkenden König sowie zwei junge Menschen, die sich nicht von den Plänen ihrer Eltern in die Enge treiben lassen, sondern ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Songs verschiedenster Musikstile sowie kreative und auf die Musik abgestimmte Schattenspiele untermalten diese Handlung.
Über 30 Darsteller aus den Klassenstufen fünf bis sieben wirkten in dem Stück mit, daneben eine stufenübergreifende Band, welche die Lieder instrumental begleitete. Dazu hatten mehrere Bühnenbildner im Vorfeld in detaillierter Kleinarbeit passende Bühnenbilder und Schattenspiele entworfen, die in den jeweiligen Szenen eingesetzt wurden.
Schmittberger lässt in seinem Musical Ideen aus dem 19. Jahrhundert in Zeitgeist-Motive der Jetztzeit übergehen: der digitale Überwachungsstaat, die Abstinenz des Männlichen, leere Konsumhaltung, Gleichgültigkeit in der Partnerschaft… Hier prallen die Fronten mit manchmal surrealem Esprit und einer großen Portion Humor aufeinander. Krieg oder Frieden zwischen zwei Königreichen, schwarz oder weiß beim Schach, dem königlichen Spiel: Diese Konstellationen kennen wir, am Ende kann in der Regel nur eine Seite gewinnen.
In der Aufführung der Musical-AG des Bendorfer WRG wurde deutlich, dass Schach vor allem ein Strategiespiel ist. Und ähnlich wie auf dem Schachbrett geht es auch schon mal bei der Lenkung eines Staates zu. Beim Musical von Andreas Schmittberger gibt es gleich zwei Staaten, den der Weißen und den der Schwarzen. Die weiße Königin (Leonie Thelen, Antonia Lochbaum) hat das Heft fest in der Hand, denn ihr Mann, der weiße König (Nils Frisch, Henri Lewin) ist ein wankelmütiger Charakter und bringt einfach nichts auf die Reihe.
Weil sie die aufständischen Bauern nerven und zu allem Überfluss noch die gegnerischen schwarzen Figuren in kriegerischer Absicht an der Grenze zu ihrem Königreich stehen, hat sich die gefühlskalte Königin zur Konfliktlösung einen gekonnten Schachzug ausgedacht: Damit der Frieden gewahrt bleibt, soll ihre Tochter Prinzessin Luna (Rebeka Lüttke, Emma Hüsam) den Prinzen der Schwarzen Zero (Felix Hüsam, Jan-Luca Theiß) heiraten. Auch Prinz Zero wird von seinem Vater vor vollendete Tatsachen gestellt, die beiden gelangweilten Jugendlichen sträuben sich aber vehement dagegen, die Ehe mit dem anderen jeweils völlig unbekannten Partner einzugehen. So kommt es, dass die beiden unabhängig voneinander aus den Palästen flüchten, die Prinzessin wird dabei von ihrer Amme (Jana Bax, Marie Simon) begleitet. Prinz Zero nimmt auf der Flucht seinen treuen, aber arbeitsscheuen Diener Valerio (Linus Stritzke, Noah Welter) mit, der als stets leicht betrunkener Genussmensch seinen idealistisch verträumten Herrn immer wieder in die Wirklichkeit zurückholt.
Die weißen Türme (Jana Urban, Lina Haeßer, Annika Spoo, Emilia Kublik, Gianivel Brustolon, Dalila Smajic, Julia Bomm, Anna Simon, Juliane Claaßen, Rosalie Thießem, Esra Agüzüm, Hanna Boden, Angelina Berger und Lara Vomfell) sollen die Flüchtigen wieder einfangen. Die Diener, Pferde und Läufer (Sophia Kahn, Letizia Schmidt, Anna-Marie Gallinger, Nicole Kelbler, Nele Elmers und Hanna Boden) sind derweil um das Wohl der Könige besorgt. Aber wie das Leben so spielt, lernen sich Luna und Zero unabhängig von ihren Eltern auf ihrer Flucht zufällig kennen und lieben. Damit findet das Stück sein wohlverdientes Happy End. Das Publikum belohnte die hervorragende Arbeit der Lehrkräfte und ihrer Schützlinge mit reichlich Szenenapplaus sowie anhaltendem Beifall am Schluss.
Daniel Brengmann leitete die musikalische Begleitung, am Klavier saßen Vanessa Kasto und Jonas Reif, die Gitarre wurde von Jonas Brochhausen gespielt und am E-Bass konnte sich Benjamin Sawatzki verwirklichen, während Noah Böckling di Drum Sets bediente. Kevin Schneider (Trompete), Marie Stark (Violine), Katharina Held (Querflöte) und Laura Brink-Kuhnen (Percussion) ergänzten das Ensemble. Für Bühnenbild und Schattenspiel zeichneten verantwortlich: Sophie Ganzert, Selina Zengin, Vanessa Harder, Rahel Becker, Ismael Boukhers, Mirjam Heckendorf und Rhea-Maria Fischer. Die Technik bedienten Jonas Westphal, Leon Kirschbaum und Maximilian Gleim.
König Nils Frisch mit den Dienern Sophia Kahn und Letizia Scchmidt.
Daniel Brengmann, Leiter der Musical AG.
Nils Frisch als König..
Musikalische Einführung in das Musical.
Der stellvertretende Schulleiter Johannes Arnold verfolgt aufmerksam die Aufführung.
Felix Hüsam und Linus Stritzke als Zero und Valerio bei der Generalprobe.
Rebeka Lüttke als Prinzessin Luna.
Leonie Thelen und Nils Frisch als Königin und König mit ihren Dienern.
Das Schulorchester unter Leitung von Daniel Brengmann.