Allgemeine Berichte | 02.05.2018

Bei Festakt in Rhein-Mosel-Halle wurde Dr. Joachim Hofmann-Göttig entlassen und David Langner ernannt

Schwarzer Schängeldeckel zum Abschied

Einen schwarzen Schängeldeckel schenkten die Fraktionsvorsitzenden des Stadtrats dem Ehepaar Dr. Christiane Herzog und Prof Dr. Joachim Hofmann-Göttig.HEP

Koblenz. Ein schwarzer Kanaldeckel war das ungewöhnliche Abschiedsgeschenk für den scheidenden Koblenzer Oberbürgermeister Dr. Joachim Hofmann-Göttig. Vor etwa 1.000 Gästen gingen bei dem Festakt in der Rhein-Moselhalle die Vorsitzenden der Koblenzer Stadtratsfraktionen auf die Bühne und überreichten dem zu dieser Zeit noch amtierenden Oberbürgermeister Dr. Joachim Hofmann-Göttig und seiner Gattin Dr. Christiane Herzog den gusseisernen Schängeldeckel, der in der Altstadt überall präsent ist.

Das Geschenk, es war vorher mit dem Ehepaar abgesprochen, soll vor deren Wohnhaus an die acht Jahre erinnern, während denen Dr. Joachim Hofmann-Göttig die Stadt Koblenz ein gutes Stück vorangebracht hat. Und zur Krönung der Geschenkübergabe stimmte Manfred Gniffke das Schängellied an und forderte zum Mitsingen auf.

Der Festakt begann mit einer öffentlichen Stadtratssitzung, die letzte, die Oberbürgermeister Dr. Joachim Hofmann-Göttig eröffnete und leitete. Sie hatte nur zwei Tagesordnungspunkte: Ernennung und Vereidigung von Staatssekretär David Langner als Oberbürgermeister und Verabschiedung und Entlassung von Oberbürgermeister Dr. Joachim Hofmann-Göttig. In der Ratssitzung wurde David Langner von OB Dr. Joachim Hofmann-Göttig als neuer Oberbürgermeister ernannt und vereidigt.

Zuvor hatte das Sinfonie-Orchester der Musikschule Koblenz unter Leitung von Dorothea Buchwald mit passenden Klängen eingestimmt und Bürgermeisterin Marie-Theres Hammes-Rosenstein einige Gäste begrüßt. Das waren unter anderem Minister, Staatssekretäre, Präsidenten, Kommunalpolitiker sowie Bundes- und Landtagsabgeordnete. Die Bürgermeisterin attestierte dem scheidenden Stadtchef, dass Koblenz sich unter seiner Regie gewaltig verwandelt habe.

Die letzte Amtshandlung

Und dann kam die letzte Amtshandlung von Oberbürgermeister Dr. Joachim Hofmann-Göttig. Er ernannte den 42-jährigen Staatssekretär im Sozialministerium David Langner zum Oberbürgermeister von Koblenz, überreichte die Urkunde und vereidigte ihn. SPD-Fraktions-Vorsitzende Marion Lipinski-Naumann erklärte: „Die Koblenzer haben die Geschicke unserer Stadt in die Hände eines jungen Mannes gelegt. Er ist ein geduldiger Zuhörer, spricht leise aber bestimmt und hat einen starken Anker hinter sich: seine Familie. Sein Vorgänger übergibt ihm ein gut bestelltes Feld.“

In seiner Antrittsrede nannte David Langner Dinge, die er als Oberbürgermeister angehen will: „Koblenz braucht eine Verkehrswende, die Stadt müssen wir mehr aus der Sicht des Fußgängers sehen, wir müssen das Radwegenetz ausbauen, die Fahrpreise für unsere Busse müssen günstiger und die Frequenz enger werden, die Bahnverbindung mit dem Umland müssen wir weiter verbessern und so gute und günstige Alternativen zum Auto anbieten. Wir müssen investieren in bezahlbaren und sozialen Wohnungsbau, Kitaplätze sowie Tagesplätze an Schulen weiter ausbauen.“ Langner meint, dass in Koblenz eine ausreichende Vernetzung fehle. So will er auch den Dialog mit den Hochschulen und die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und der Region verstärken.

„Die Seilbahn steht als Symbol für verbindend, innovativ, modern und ökologisch, was auch für meine Amtszeit stehen soll. Liebe Koblenzer: Ich melde mich zum Dienst.“

Nachdem Django Reinhardt mit seinen vier Musikern mit zwei Songs beeindruckt hatte, ließ Ministerpräsidentin Malu Dreyer die Vita von Dr. Joachim Hofmann-Göttig Revue passieren. „Dr. Joachim Hofmann-Göttig war es immer ein Anliegen den Menschen konkret zu helfen. Demokratie braucht Menschen, die mitgestalten und die bereit sind, sich in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen. Deshalb danke ich ihm herzlich für sein Engagement“, betonte Malu Dreyer.

Das wichtigste Ereignis seiner Amtszeit war die Bundesgartenschau 2011

In den acht Jahren als Oberbürgermeister von Koblenz habe Dr. Hofmann-Göttig das Land und seine Wahlheimat Koblenz entscheidend gestaltet und geprägt. „Das wichtigste Ereignis seiner Amtszeit war die Bundesgartenschau 2011, mit 3,5 Millionen Besuchern die größte Veranstaltung, die jemals in Rheinland-Pfalz stattgefunden hat. Zu einem der größten Erfolge zählte der Erhalt der Seilbahn über den Rhein. Diese umweltfreundliche Verbindung ist heute noch eine der leistungsfähigsten Seilbahnen weltweit, da sie bis zu 7.600 Personen pro Stunde befördert.“

Über den neuen Oberbürgermeisters David Langner sagte  Malu Dreyer: „Es wird seine Aufgabe sein gut begonnene Vorhaben zu vollenden, aber auch die Zukunft mit Tatkraft zu gestalten. Dafür wünsche ich ihm Kraft und eine glückliche Hand.“

Die Rede zur Verabschiedung von OB Dr. Hofmann-Göttig hielt die CDU-Fraktionsvorsitzende Anna-Maria Schumann-Dreyer, die im Namen aller Ratsfraktionen sprach. Sie hob die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Oberbürgermeister über die Fraktionsgrenzen hinweg hervor. Sie bedauerte, dass die letzten Monate seiner Amtszeit überschattet waren von Diskussionen über die vorzeitige Versetzung in den einstweiligen Ruhestand als Kulturstaatssekretär: „Mir und den meisten im Stadtrat geht es nicht um Ihre Person, sondern um die Sache. Wir finden es nicht richtig, dass die Stadt allein die gesamten Pensionslasten zu tragen hat. Diese Affäre hat bei uns einen massiven Vertrauensverlust in die Landesregierung bewirkt. Es wäre aber falsch Ihre Leistungen zum Wohlergehen der Stadt an diesem Thema zu messen. Sie haben gemeinsam mit dem Stadtrat einiges für unsere Bürger hinbekommen.“ Hier hob die Rednerin die Nachhaltigkeit der Buga, die Neugestaltung des Zentralplatzes, die Seilbahn, Baubeginn der Nordtangente, Verschmelzung der KEVAG zur evm AG und die Klinikfusion hervor.

Schumann-Dreyer attestierte Dr. Hofmann-Göttig, dass er sehr gute Arbeit geleistet hat: „Und dafür möchten wir Ihnen ausdrücklich danken. Sie haben sich um Koblenz verdient gemacht, wofür Ihnen der gesamte Rat Respekt und Anerkennung ausspricht.“

„Die Zusammenarbeit im Stadtvorstand war immer sachorientiert und vertrauensvoll“, unterstrich Bürgermeisterin Marie-Theres Hammes-Rosenstein und weiter: „Ich habe bewundert, mit welchem Elan er an schwierige Dinge herangegangen ist. Und jetzt muss ich den OB mit Dank entlassen.“

Die Bürgermeisterin überreichte Oberbürgermeister Dr. Hofmann-Göttig die Entlassurkunde und das Geschenk vom Stadtvorstand: Ein Navigationsgerät fürs Fahrrad, damit Dr. Hofmann-Göttig sich bei seinem Urlaub in Holland nicht verfährt und auch weiß wo er zu Hause ist: in Koblenz.

Der scheidende Oberbürgermeister, trotz Entlassungsurkunde war er noch bis zum 1. Mai null Uhr im Amt, bedankte sich bei vielen Menschen. Zuerst bei Ehefrau Dr. Christiane Herzog, die in acht Amtsjahren die Homepage Hofmann-Göttig betreute und unter anderem durch den täglichen Terminplan für absolute Transparenz der Arbeit des Oberbürgermeisters gesorgt hatte. Er nannte aber auch seinen Fahrer, seine Sekretärinnen und den Leiter des OB-Büros.

Und er hatte noch eine Info zum Einstandortentscheid des Gemeinschaftsklinikums: Am Kemperhof werden 200 Millionen Euro in einen Neubau investiert von denen das Land 100 Millionen Euro tragen will.

Der Pensionist Dr. Hofmann-Göttig hält sich jetzt erst mal in Holland auf, wo er an einem Fotobuch arbeite: „Am 11.11. um 11.11 Uhr kreuze ich wieder auf. Denn David Langner hat ein Recht auf eigenes Spiel, ohne kontrolliert zu werden. Für mich gibt es nur eine Heimat, das ist Koblenz“, versicherte Dr. Hofmann-Göttig. Er erhielt von den Festaktteilnehmern lang anhaltende Standing Ovations.

Danach gab es einen Bürgerempfang im Atrium der Rhein-Mosel-Halle, bei dem die Pfaffendorfer Turmbläser spielten, zu denen David Langner eine besondere Beziehung hat. Schließlich besuchten David Langner und Dr. Joachim Hofmann-Göttig gemeinsam Feuerwehr, Polizei und DRK. Nichtöffentlich übergab der Ex-OB um 0 Uhr im Rathaus den Zentralschlüssel und die Bürgermeisterkette an den neuen Oberbürgermeister David Langner. HEP

David Langner hat allen Grund zum Strahlen, denn er wurde gerade von Dr. Hofmann-Göttig zum neuen Koblenzer Oberbürgermeister ernannt.

David Langner hat allen Grund zum Strahlen, denn er wurde gerade von Dr. Hofmann-Göttig zum neuen Koblenzer Oberbürgermeister ernannt.

Oberbürgermeister Dr. Joachim Hofmann-Göttig bei seiner letzten Amtshandlung. Er ernannte den 42-jährigen Staatssekretär im Sozialministerium David Langner zum Oberbürgermeister von Koblenz, überreichte die Urkunde und vereidigte ihn.

Oberbürgermeister Dr. Joachim Hofmann-Göttig bei seiner letzten Amtshandlung. Er ernannte den 42-jährigen Staatssekretär im Sozialministerium David Langner zum Oberbürgermeister von Koblenz, überreichte die Urkunde und vereidigte ihn.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer mit dem scheidenden und neuem OB.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer mit dem scheidenden und neuem OB.

Einen schwarzen Schängeldeckel schenkten die Fraktionsvorsitzenden des Stadtrats dem Ehepaar Dr. Christiane Herzog und Prof Dr. Joachim Hofmann-Göttig.Fotos: HEP

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Kommentare
02.05.201818:37 Uhr
juergen mueller

Ja,er hat seine Verdienste.Aber,und das sollte nicht unerwähnt bleiben.Die Politik redet immer von Demokratie,so auch Frau Dreyer.Sicher brauchen wir Menschen,die mitgestalten und die bereit sind,sich in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen,so wie die EHRENAMTLICHEN,die dies unentgeltlich und mit selbstlosem Einsatz praktizieren - ohne groß darüber zu reden. Vergessen hat Frau Dreyer (wohl bewusst),dass gerade in der Politik dieser Dienst seine absolute Grenze hat,wie das Beispiel Hofmann-Göttig aufzeigt,dem sein Amt dadurch versüßt wurde, dass ihm durch Herrn Beck als Ausgleich für sein niedrigeres OB-Gehalt ein Ruhestandsgeld als ehemaliger Staatssekretär ermöglicht wurde.Vergessen habe ich nicht, dass Hofmann-Göttig ausdrücklich darauf hingewiesen hat,dass er als künftiger OB weniger verdienen werde als in seiner Zeit als Staatssekretär.Das Ruhestandsgeld jedoch hat er wohlweislich nicht erwähnt.Wie in der internationalen Politik geht es auch im Kleinen nie um Demokratie.

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