Allgemeine Berichte | 02.11.2021

Erfolgreicher Fluthilfe Charity Ride an der Rheinbacher Stadthalle

Sechsstellige Spendensumme für den Verein „Leben mit Autismus“ erradelt

Der ehemalige Radrennprofi Christian Knees hatte die Benefiz Veranstaltung ins Leben gerufen, die auf eine große Resonanz traf – 200 Radfahrer gemeinsam auf der Strecke

Zahlreiche Spenden zugunsten des Vereins „Leben mit Autismus e.V.“ kamen zusammen, so dass sich der Verein am Ende über eine sechsstellige Spendensumme freuen konnte.Foto: JOST

Rheinbach. Radweltmeister, Olympia-Medaillengewinner, Etappensieger der Tour de France, der Vuelta de Espana und des Giro d’Italia, Ironman-Sieger und jede Menge Radsport- und Triathlon-Legenden gaben sich ein Stelldichein bei einer Benefiz-Veranstaltung der sportlichen Art. Der ehemalige Radrennprofi und Tour de France-Edelhelfer Christian Knees aus Rheinbach hatte einen „Fluthilfe Charity Ride“ zugunsten des Vereins „Leben mit Autismus e.V.“ ins Leben gerufen, der auf eine große Resonanz traf und dem schwer von der Flut getroffenen Verein Spenden in sechsstelliger Höhe einbrachte.

„Gemeinsam sind wir stark - und gemeinsam fahren wir eine Runde Rad für den guten Zweck!“ Unter diesem Motto starteten 200 Hobby-Radfahrer in einheitlichen Outfits vor der Rheinbacher Stadthalle, um gemeinsam mit den Radsport- und Triathlon-Stars eine Strecke von 75 Kilometern mit immerhin 500 Höhenmetern in Angriff zu nehmen. Neben Knees waren die weithin bekannten Radprofis André Greipel, Marcel Sieberg, Phil Bauhaus, Nikias Arndt und Torsten Weber sowie die Triathleten Till Schramm und Jan Stratmann, die vielfache Radweltmeisterin Hanka Kupfernagel, Extremsportler Pierre Bischoff, Radsportkommentator Karsten Migels und Schauspieler Thomas Held mit am Start.

Im Peloton gemeinsam unterwegs

Der sportliche Wettkampf stand dabei jedoch überhaupt nicht im Vordergrund, vielmehr ging es in erster Linie um den Zusammenhalt unter Sportlern und zugleich um ein Zeichen der Solidarität mit den Flutopfern. Die Strecke wurde komplett im Peloton absolviert, so dass die ganze Gruppe wieder geschlossen am Nachmittag vor der Stadthalle ankam. Überwiegend auf Wirtschaftswegen waren die Radler, von denen jeder mindestens 150 Euro „Startgeld“ an den Verein „Leben mit Autismus e.V.“ gespendet hatte, von Rheinbach über Euskirchen, den Zülpicher See und die Steinbachtalsperre wieder zurück zur Rheinbacher Stadthalle gefahren.

Doch bevor es so richtig losging, wurden gleich ein halbes Dutzend dicker Spendenschecks an den Vereinsvorsitzenden Peter Schumacher überreicht. Vollkommen sprachlos war er über die unglaubliche Summe von 100.000 Euro, die die Globus-Gruppe überreichte. Aus dem Erlös einiger weitere Benefiz-Veranstaltungen kam noch einmal über 20.000 Euro zusammen, der „Fluthilfe Charity Ride“ selbst brachte noch einmal über 30.000 Euro ein, und die Versteigerung einiger Radsport-Devotionalien vor Ort spielten dank der großartigen Auktionatorin Nadja Knees weitere 2700 Euro in die Kassen. Mit einem derartigen Erfolg hatte Schumacher nicht im geringsten gerechnet.

Weitere Aktionen warteten auf das Publikum

Rund um den Start- und Zielpunkt warteten weitere Aktionen auf das Publikum, das sich anhand einiger Vorträge über die Situation der Menschen informieren konnte, die mit einer Autismus-Spektrum-Störung leben. Sie unterstützten damit ebenfalls den Verein, der durch das Jahrhunderthochwasser am Rande der Existenz steht. Denn die Wassermassen der Starkregenkatastrophe hatten nicht nur das integrative Eiscafé in Odendorf komplett zerstört, sondern auch die Verwaltung und die Räume für die Freizeitangebote. Die integrative Begegnungsstätte gehörte zum Vereinsprojekt „Miteinander arbeiten“ in Odendorf, ebenso wie ein Copyshop sowie ein Werkstattprojekt mit Holzprodukten. Wobei bei allen Projekten nicht der Umsatz oder der Gewinn im Vordergrund standen, sondern die Begegnung zwischen Menschen mit und ohne Behinderung sowie das Abbauen von Schwellenängsten.

„Leider kann das gesamte Spiel- und Therapiematerial für die Kinder und Jugendlichen nicht mehr verwendet werden. Möbel, Musikinstrumente und Gartengeräte wurden durch die Wassermassen zerstört, unser Freizeitgelände überflutet“, blickte Schumacher kopfschüttelnd zurück. Angesichts der verheerenden Schäden sei es nicht möglich, in die Räume in Odendorf zurückzukehren. Stattdessen hat der Verein jedoch mittlerweile eine neue Bleibe am Rheinbacher Bahnhof gefunden. Die Räumlichkeiten werden derzeit hergerichtet, Ende November hofft Schumacher, dort die Vereinsarbeit wieder aufnehmen zu können. Bis dann ein neues Konzept für die künftige Arbeit des Vereins erarbeitet sei, sollen die Räumlichkeiten übergangsweise für Events und Veranstaltungen vermietet werden, bei denen die „Zuverdienstkräfte“ des Vereins den Service übernehmen.

Vereinsarbeit war noch nie so wichtig wie heute

Dabei sei die Vereinsarbeit noch nie so wichtig gewesen wie heute, weiß die leitende Therapeutin Angela Sichelschmidt. „Auch wenn wir aufgrund der schrecklichen Hochwasserkatastrophe vieles verloren haben, wird das unsere Motivation nicht mindern.“ Viele betroffene Menschen seien verzweifelt und müssten sich jetzt einer vollkommen neuen Lebenssituation mit schwierigen Herausforderungen stellen. „Gerade Menschen mit Autismus und anderen Behinderungsformen sind besonders vulnerabel und benötigen in dieser schweren Zeit unsere besondere Unterstützung und Zuwendung“. Die schnelle Wiederaufnahme vor allem der Freizeitangebote sei besonders wichtig, da aufgrund der Katastrophe viele Strukturen und Gewohnheiten, die den Betroffenen Halt und Sicherheit gegeben hätten, verloren gegangen seien. Fehlende Strukturen und plötzliche Veränderungen führten insbesondere bei Kindern und Jugendlichen mit Autismus sehr häufig zu Orientierungslosigkeit und Überforderung. Auch für deren Eltern bedeuten die Freizeitangebote in diesen schweren Tagen eine erhebliche Entlastung.

Zu den Freizeitangeboten des Vereins gehört auch die Band „Courage“, die unter der Leitung des Musikpädagogen Udo Seehausen zu Beginn der Veranstaltung ein umjubeltes Konzert in der Stadthalle gab. Es schlossen sich Vorträge und Informationen rund um das Thema „Traumabewältigung nach der Flut“ für alle Betroffenen mit und ohne Behinderung an sowie der Austausch über das Erlebte. Darüber hinaus lockte ein Unterhaltungsprogramm unter anderem mit Bogenschießen für Kinder und Jugendliche, und bei einer Tombola gab es schöne Preise zu gewinnen. Das Team des inklusiven Vereins-Cafés „Come in“ übernahm das Catering.

Wer dem Verein „Leben mit Autismus e.V.“ eine Spende zukommen lassen möchte, kann dies auf dem Spendenkonto bei der Raiffeisenbank Voreifel eG tun mit der IBAN DE35370696270342216013.

JOST

Zahlreiche Spenden zugunsten des Vereins „Leben mit Autismus e.V.“ kamen zusammen, so dass sich der Verein am Ende über eine sechsstellige Spendensumme freuen konnte.Foto: JOST

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