Festgottesdienst und Empfang für Pfarrer i. R. Lothar Brucker
Seelsorger und Missionar aus Überzeugung
Waldorf. Am vergangenen Sonntag feierte der in Waldorf beheimatete Pfarrer i. R. Lothar Brucker sein Goldenes Priesterjubiläum. Dies gibt Anlass, auf ein erfülltes Wirken des beliebten Seelsorgers zurückzuschauen.
Der am Dreikönigstag, 6. Januar 1937, in Erfurt geborene Lothar Brucker kam bereits in jungen Jahren, nach dem Tod des Vaters im 2. Weltkrieg, gemeinsam mit seiner Schwester Inge und der Mutter Katharina in deren Heimatort Waldorf.
In Waldorf verbrachte er fortan seine Kindheit und Jugendzeit. Nach Abschluss der Schulausbildung absolvierte er zunächst erfolgreich eine Banklehre und war danach sechs Jahre als Bankkaufmann tätig. Bereits während dieser Zeit war er in der Jugendarbeit seines neuen Heimatortes aktiv. Am Abendgymnasium in Neuss holte er während seiner Berufstätigkeit das Abitur nach und studierte anschließend in Freiburg und Trier katholische Theologie. Auch während dieser Zeit verlor er nie den Kontakt zu der Jugend seines Heimatortes. Gerne erinnern sich damalige Jugendliche an Treffen und die gemeinsamen Fahrten, die Lothar Brucker organisierte.
Seelsorgerisches Wirken
Die Priesterweihe erfolgte am 13. Juli 1969 in der Liebfrauenkirche zu Trier durch Bischof Bernhard Stein. Im Anschluss war er zwei Jahre als Kaplan in Plaidt und anschließend als Regionaljugendseelsorger in Mayen tätig. Lothar Brucker war während dieser Zeit das Land Bolivien und seine Menschen ans Herz gewachsen. Er meldete sich freiwillig zu einem Solidaritätseinsatz des Bistums Trier in Bolivien, wo er von 1974 bis 1982 erstmalig für acht Jahre in der Pfarrei Muyupampa tätig war. Zu der Pfarrei gehören 16 Landgemeinden, die zum Teil nur mit einem Geländewagen oder gar nur mit einem Pferd erreichbar waren.
Nach seiner Rückkehr aus Bolivien war er acht Jahre lang als Pfarrer in den Pfarreien Kärlich und Kettig tätig, wo er besondere Kontakte zu der örtlichen Kolpingfamilie St. Mauritius Kärlich pflegte, deren Ehrenpräses er seit 1990 ist. Sein nächster Einsatz in Bolivien erfolgte von 1990 bis 1998 in Villa Serrano. In diese Zeit fiel als wichtigste Aufgabe der Ausbau des Bildungszentrums CEITHAR (Centro Educativo Integrado Tecnico Humanistico Acelerado Rural) an. Das durch seine Unterstützung ausgebaute Bildungszentrum und Internat für Jugendliche der bolivianischen Landbevölkerung rüstet die Schülerinnen und Schüler mit einer Grundbildung und handwerklichen Fertigkeiten aus, um ihnen ein selbstbestimmtes, abgesichertes Leben zu ermöglichen.
Aber nicht nur dem Schul- und Internatsbetrieb galt die Sorge von Pfarrer Brucker, sondern auch der Infrastruktur der damaligen weitläufigen Pfarrei (über 40 Dörfer). Seiner Initiative sei es zu verdanken, dass ein Staudamm gebaut wurde, der die Wasserversorgung des Ortes sichern sollte.
Nach seiner Rückkehr war er wieder als Ruhestandsgeistlicher in Löf, Hatzenport und Nörtershausen tätig. Eine schwere Erkrankung führe im Jahre 2003 zu seiner Versetzung in den Ruhestand.
Trotz seiner schweren Erkrankung kommt Lothar Brucker, was sein Engagement betrifft, nicht zur Ruhe. Seit dem Jahr 2000 vermittelt er deutsch-bolivianische Patenschaften, damit Kinder aus ärmlichen Verhältnissen in Bolivien bessere Bildungschancen erhalten. Während der Wintermonate hielt er sich seit seiner Versetzung in den Ruhestand regelmäßig in Bolivien auf, wo er die dortigen Priester bei ihrer Arbeit unterstützte und sich um die Partnerschaftsprojekte des Bistums Trier kümmerte. Als „Waldorfer Schwalbe“ informierte er während dieser Zeit seine Heimat über die Tätigkeit in Bolivien. Auch während des Aufenthaltes in seiner Heimat im Vinxtbachtal informiert er die Gläubigen über Bolivien und seine Menschen. Oft sind Priester und Jugendliche in seinem Haus in Waldorf in der Pilsgasse zu Gast. Seit ein paar Jahren kann er aus gesundheitlichen Gründen diese „Winterbesuche in Bolivien“ nicht mehr ausführen. Auch engagiert sich Lothar Brucker stark bei der Integration der Neubürger aus Eritrea und Syrien in seiner Heimatgemeinde Waldorf.
Bundesverdienstkreuz am Bande
Unvergesslich wird für den in Waldorf lebenden „Missionar“ Lothar Brucker die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande durch Bundespräsident Joachim Gauck sein. Die Verdienstmedaille erhielt er am 6. November 2014 in eine Feierstunde im Kultusministerium in Mainz durch den Kulturstaatssekretär Walter Schumacher. Mit dieser hohen Auszeichnung wurde das jahrzehntelange Engagement des Priesters im Rahmen der Solidaritätsstiftung Trier-Chuquisaca gewürdigt. In seiner damaligen Laudatio hob Staatssekretär Schumacher hervor: „Sie haben nicht nur über Nächstenliebe gepredigt, sondern den Grundsatz Ihres Glaubens mit Ihrem sozialen Wirken in die Tat umgesetzt und vorgelebt. Sie sind nicht nur Seelsorger, sondern vor allem auch ein Entwicklungshelfer, der stets selbst mit anpackt. Sie haben selbst mit den jungen Menschen zusammengearbeitet und ihnen beispielsweise gezeigt, wie man Bäume pflanzt. Darüber hinaus haben Sie sich aber auch um die Finanzierung der Projekte durch Ihre Kontakte zu Gemeinden, Vereinen und Freunden gekümmert“, lobte Schumacher das Engagement des Geehrten. „Sie haben die dringenden Bedürfnisse der Menschen vor Ort erkannt. Ihr Beitrag für die Gesellschaft war nachhaltig. „Sie haben es geschafft, dort wo Hoffnungslosigkeit war, Mut zu machen und den Menschen eine bessere Zukunft zu ermöglichen.“
Goldenes Priesterjubiläum
An seinem Jubeltag feierte der Jubilar gemeinsam mit Pfarrer Günter Marmann und dem eigens aus Hamburg angereisten Freund Benno Schator (Pfarrer i. R.) den Festgottesdienst in der Pfarrkirche St. Remaclus in Waldorf. Der Kirchenchor „Cäcilia“ Waldorf unter der Leitung von Andrea Érnst gestaltete mit seinen Liedbeiträgen den Gottesdienst mit, in dessen Verlauf Pfarrer Marmann Glück- und Segenswünsche überbrachte und dem Jubilar für dessen Wirken auch im Ruhestand seinen Dank aussprach. Auch die Pfarrgemeinderatsvorsitzende Anneliese Schmitt und Ortsbürgermeister Hans Dieter Felten überbrachten Dank- und Glückwünsche.
Beim anschließenden Empfang im Waldorfer Pfarrheim konnte Lothar Brucker viele Gäste begrüßen, unter ihnen auch viele aus dem Bereich seiner früheren Wirkungsstätten, die ihm zum Jubiläum gratulierten. Selbst aus Bolivien waren die beiden Ordensschwester Euphracia und Gladis gekommen. In seiner ihm eigenen, bescheidenen Art sah Lothar Brucker sein Wirken „als ein Geschenk Gottes, der mir dies alles ermöglichte.“ WER
