Katholischen Forums Koblenz hatte eingeladen
Sehnsucht nach einer heiligen, heilenden Zeit
Professor Dr. Stephan Wahle referierte zu Weihnachten in Glaube, Kultur und Gesellschaft
Koblenz. „Hatte Weihnachten nicht immer schon eine weit über das Religiöse hinausgehende Bedeutung?“ Das fragte Professor Dr. Stephan Wahle die rund 50 Besucher, die auf Einladung des Katholischen Forums Koblenz ins Bischöfliche Cusanus Gymnasium gekommen waren. Er nahm sie mit auf eine Reise von der Entstehung des Festes im 4. Jahrhundert bis heute.
Erst ab der Biedermeierzeit habe sich Weihnachten zum „Familienfest“ gewandelt. Haus und Familie wurden immer stärker der Mittelpunkt, das Wohnzimmer entwickelte sich zur „Privatkathedrale“.
Heute bedeute Weihnachten ein „globales Fest“, das unabhängig von Glaube und Religion weltweit gefeiert werde. Weihnachtsmärkte und auch Weihnachtsbäume hätten dazu beigetragen, dass „Gefühlsräume“ entstanden seien. Der Weihnachtsbaum stehe für all das, was die Gesamtgesellschaft an Weihnachten ausmache: die Sehnsucht nach Gefühl, Glück, Geborgenheit. Diese Sehnsucht finde ihren Höhepunkt am Heiligen Abend zu Hause oder sogar auch einmal in einem anderen „Sehnsuchtsraum“ wie einem Weihnachtsgottesdienst. „Dort, wo Gott Mensch wird, kann auch der Mensch Mensch werden“, resümierte Wahle. Glaube sei als Antwort auf eine sich nimmer verzehrende Sehnsucht zu verstehen, sodass Weihnachten nicht unbedingt am zweiten Weihnachtstag enden müsse, sondern als Idee „nachwirken“ könne.
