Allgemeine Berichte | 31.05.2021

Ein Beitrag zum Tag des offenen Denkmals in Rheinbreitbach und Umgebung

Sein und Schein in der Denkmalpflege

Rheinbreitbach. Wer kennt es nicht, wenn ein jahrelang leer stehendes altes heruntergekommenes Haus nach langer Zeit von einer jungen Familie oder einem engagierten Ehepaar gekauft wird und dann begonnen wird zu renovieren. Da kommen unter dicken Putzschichten und Ethernitplatten verborgen alte Fachwerkbalken wieder zum Vorschein, Stuckornamente werden wieder sichtbar gemacht und historische Fenster und Türen geben auf einmal dem heruntergekommenen Haus wieder seinen gepflegten und ursprünglichen Charakter zurück.

Vor der Renovierung hatten die Menschen dem alten Gemäuer keinerlei Beachtung geschenkt. Doch nach einigen Monaten stehen nun die Menschen staunend vor dem historischen Haus und beglückwünschen die neuen Eigentümer zu ihrer Errungenschaft. Manche von ihnen geben sogar offen zu, dass er gar nicht gewusst habe, dass unter den dicken Putzschichten ein solch historisches Juwel schlummere. Ein typisches Beispiel vieler historischer Gebäude nicht nur in Rheinbreitbach, die häufig mehr sind, als sie scheinen.

Doch wie kam es eigentlich dazu, dass viele Fachwerkhäuser in Rheinbreitbach verputzt oder mit Ethernitplatten zugenagelt wurden? Gibt es hier vielleicht schon eine längere Tradition, die schon seit geraumer Zeit anhält? Welche Gründe spielen hier eine fundamentale Rolle, dass manche Häuser mehr sind als sie scheinen oder umgekehrt mehr sein wollen als sie tatsächlich sind?

Um die Anfänge dieser Entwicklung zu verstehen, muss man auf die Entwicklung des Bürgertums schauen, die im Mittelalter ihre Anfänge nahm und sich im Laufe der frühen Neuzeit sowie in der Zeit der Industrialisierung verstärkte. Durch den zunehmenden Handel und die Vernetzung der Welt sowie dem technischen und gesellschaftlichen Fortschritt wuchs die Anzahl derer, die einen guten Verdienst hatten und diesen auch äußerlich in Form von Gebäuden nach außen tragen wollten. Zu Anfangs geschah dies noch, in dem die alten Fachwerkhäuser aus dem Mittelalter angebaut oder mit reichen Schnitzereien verziert wurden. Auch der Neubau von großen Fachwerkhäusern mit hohen Decken, großen Fenstern und Stuckverzierungen im Inneren stillten den Geltungsdrang des wohlhabenden Bürgertums. Doch mit der Zeit wuchsen stetig die Ansprüche der Bewohner, sodass neue, reicher verziertere und größere Gebäude gebaut wurden, die entweder aus Stein oder schon als verputztes Fachwerk geplant wurden sowie es in der Zeit des Barock durchaus üblich war. Es entstanden repräsentative Wohnsitze, die die Macht und den Wohlstand des aufstrebenden Bürgertums darstellte.

Ruf des Fachwerkhauses als „Arme Leute Haus“

Im Gegensatz hierzu verblieben die ärmeren und weniger wohlhabenden Menschen in den alten Fachwerkhäusern. Elend und Armut waren je nachdem in manchen Fachwerkvierteln zu Hause, sodass sich langsam der Ruf des Fachwerkhauses als „Arme Leute Haus“ durchsetzte. Wer dennoch durch Erbschaft oder Fleiß es in der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts zu etwas Geld gebracht hatte, sich jedoch keinen Neubau leisten konnte, veränderte das Fachwerk so, dass es einem modernen Bürgerhaus des 18. oderdes 19. Jahrhunderts ähnelte.

In Rheinbreitbach existierte z.B. bis in die 1970er Jahre ein Fachwerkhaus, dessen Vorderseite eine Bürgerliche Steinfassade mit Stuckornamentik hatte, jedoch deren Rück- und Seitenwände in offenem Fachwerk ausgeführt waren. Heute existiert in der Burgstraße ein solches Gebäude noch und darf als eines der letzten in Rheinbreitbach gelten. Doch auch die ärmeren Leute versuchten ihre Häuser dem jeweiligen Zeitgeist anzupassen, indem sie mit einfachsten Mitteln (z.B. Kalkfarbe) zu besonderen Anlässen die Fachwerkhäuser komplett weiß anstreichen, um einen bürgerlichen Hauscharakter zu imitieren.

Erst durch die Gründung des Kaiserreichs, die Romantik und der Erforschung und Bewahrung der eigenen Geschichte begann ein Umdenken bezüglich der Fachwerkhäuser und historischer Bauten. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und den verbundenen Leiden des NS Regimes wurde diese Entwicklung unterbrochen. Die Menschen waren fasziniert von der architektonischen Modernität der Besatzungsmächte (vor allem der Amerikaner) und wollten nach der entbehrungsreichen Zeit des Krieges alles Alte radikal hinter sich lassen. Somit begann in der Wirtschaftswunderzeit eine Abriss- und Umbauwelle. Fachwerkhäuser wurden in dem Glauben nur der Fortschritt und die Moderne seien richtig verputzt und mit Ethernitplatten versehen. Es herrschte der bis heute noch teilweise andauernde Glaubenssatz vor, dass modernes Wohnen in alten (Fachwerk-)Häusern nicht möglich sei. Die Menschen wollten aus den alten Fachwerkhäusern dem äußerlichen Anschein nach ein modernes Haus errichten. Häufig spielten hierbei finanzielle Aspekte eine Rolle. Die Besitzer der alten Häuser hatten kein Geld, um sich ein neues Haus auf der grünen Wiese zu bauen, sodass sie mit weniger Kapital den vorhandenen Besitz umbauten, um den Anschein eines modernen Neubaus zu erwecken. Heutzutage erkennen viele Hausbesitzer wieder den Wert der alten Immobilien. Sie erkennen die wirkliche Struktur und das wahre „Sein“ dieser umgebauten historischen Häuser und bauen mit viel Aufwand, Geld und Fingerspitzengefühl die alten Häuser wieder in ihren Ursprungszustand zurück. Da werden die alten Fensterstrukturen wieder hergestellt und Sprossenfenster eingebaut. Ethernitplatten werden abgerissen und das alte Fachwerkgebälk wieder instandgesetzt oder durch einen Zimmermann wieder komplett hergestellt. Dachgauben werden dem Hausstil entsprechend der Größe und Form her angepasst. Natürliche und nachhaltige Baumaterialien wie Lehm, Stroh, Hanf und Holz kommen wieder zum Einsatz.

Hierbei verzichten die neuen Hauseigentümer keinesfalls auf moderne Annehmlichkeiten. Neue Holzöfen, Fußbodenheizung, geschmackvolle Bäder und Küchen, offene lichtdurchflutete Fachwerkgefüge schaffen ein angenehmes und modernes Wohngefühl. Die neue Generation von Hauseigentümern schafft eine neue behutsame und respektvolle Verbindung zwischen alt und neu, die keinerlei moderner Scheinbilder bedarf, sondern den Ursprungscharakter der historischen Häuser (das ursprüngliche Sein) in den Mittelpunkt stellt.

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Lena: Diversität ist wichtig: Der Wolf reguliert Überpopulationen ( z.B. Schwarzwild, Rehwild). Für schlecht geschützte Herdentiere sind die Besitzer verantwortlich.
  • Peter 1: Trotzdem ist der Wolf hier vollkommen überflüssig.
  • Walter Miller : Ein verpixeltes Bild von der durch den Wolf getöteten Ziege. Was will man damit ausdrücken ? Das ein Wolf besonders grausam ist ? Er ist ein Geschöpf der Natur - nicht mehr und nicht weniger. Im Gegensatz zu den 467.000 Jägern in Deutschland.
  • Michael Geiger, 56337 Eitelborn: Michael Geiger, Leider kann ich die Losnummern aus der Ziehung vom 28.03.26 im Globus Bubenheim nicht finden.. Warum nicht
  • Dietmar Gläsener: Leider kann ich meine Gewinnlos Nummern , Ziehung vom 28.03.26 im Clobus in KO-Bubenheim nicht abrufen im Internet. Woran liegt es? D. Gläsener, 56237 Nauort
  • S. Bastian: Herr Winkelmann, Sie werden doch ihren eigenen Artikel kennen. Zitat: "Verbandsbürgermeister Jan Ermtraud machte in einer Rede deutlich, dass die Maßnahmenliste einerseits das Ergebnis eines vertrauensvollen...
  • Andreas Winkelmann: Hallo Frau Roth, von "vertrauensvoll" steht nichts im Bericht. Und die veränderte Maßnahmenreihenfolge ist ausdrücklich erwähnt. Gleich zu Anfang ist auf die dem Ratsinformationssystem zu entnehmenden Details verwiesen, wo u..a.
  • Dagmar Both: Guten Morgen Herr Winkelmann, herzlichen Dank für ihre Berichterstattung. Wenn sie von einer vertrauensvollen Abstimmung im Abstimmungsprozess zum Sondervermögen berichten, - dann gilt dies leider nicht für die Freien Wähler.
Rund ums Haus
Mülltonnen -Reinigung, bis auf Widerruf
Alles rund ums Haus
Innovatives rund um Andernach
Rund ums Hause Mayen/Mendig
Rund ums Haus
Angebotsanzeige (April)
Osteraktion
Empfohlene Artikel
Schülerinnen und Schüler der Bienenklasse 3c der KGS Meckenheim sind am Standort Meckenheim der Bücherbrücke in die Bücher vertieft. Foto: Stadt Meckenheim
31

Meckenheim. Die Bücherbrücke Meckenheim/Alfter verzeichnet eine rege Nutzung durch Kindertagesstätten und Schulen im Rahmen der Leseförderung. Unter den teilnehmenden Einrichtungen befinden sich unter anderem Blütentraum, Hüppekästchen, Rasselbande und zahlreiche weitere Kindertagesstätten. An beiden Standorten der Bücherei steht der Mittwochvormittag im Zeichen der Vorschulprogramme, bei denen die Kinder bib(liotheks)fit gemacht werden.

Weiterlesen

Mit 17 Anträgen zur Neuaufnahme in diesem Jahr wurde fast der Spitzenrekord von 2020 geknackt.
49

Leutesdorf. Pascal Berger, Vereinsvorsitzender begrüßte alle Anwesenden zur Jahreshauptversammlung am 28. März und es wurde nach Feststellung einer ordnungsgemäßen Einladung und Bekanntgabe der Tagesordnungspunkte eine Gedenkminute den Verstorbenen gewidmet.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Die Verkehrssituation an der Aloisius-Grundschule stresst die Anwohnerschaft. Foto: ROB
2267

Immer wieder kommt es zu kritischen „Manövern“: Auch die Stadtverwaltung sieht zunehmende Belastung:

HeimatCheck: Ahrweiler: Eltern-Taxis stressen alle

Ahrweiler. Seit mehreren Jahren steht die Aloisius-Grundschule vor einer wachsenden Herausforderung: dem zunehmenden Verkehrsaufkommen durch sogenannte „Elterntaxis“. Leser von BLICK aktuell berichten, dass sich die Situation trotz wiederholter Hinweise und Appelle bislang nicht verbessert habe. Insbesondere zu den morgendlichen Bringzeiten sowie am Mittag beim Abholen der Kinder kommt es regelmäßig zu kritischen Verkehrssituationen rund um das Schulgelände.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: Adobe Stock
132

Bonn. Am kommenden Samstag (04.04.2026) findet in Beuel und in der Bonner Innenstadt der „Bonner Ostermarsch 2026“ statt. Zu dieser Friedensdemonstration erwarten die Veranstalter rund 500 Teilnehmende. Die Versammlung beginnt um 13:00 Uhr auf dem Mirecourtplatz am Beueler Rheinufer. Von dort aus ist folgender Aufzugsweg vorgesehen:

Weiterlesen

Monatliche Anzeige
Dauerauftrag 2026
Kreishandwerkerschaft
Dauerauftrag Imageanzeige
Rund ums Haus
Fahrer gesucht (m/w/d)
Koblenz blüht 2026
Imageanzeige Dauerauftrag 04/2026
Maschinenbediener, Staplerfahrer
Ostergruß
Kreishandwerkerschaft
Rund ums Haus
Stellenanzeige mehrere Stellen
PR-Anzeige
Dauerauftrag 2026
Titelanzeige
Mitarbeiter IT-Administrator
Imageanzeige - Ostern
Stellenanzeige Personalsachbearbeiter/in
Stellenanzeige Kita