Sensationelle Proklamationssitzung und Kampf um die Jahnhalle
Seine Tollität Prinz Michael I. und Ihre Lieblichkeit Silke I. regieren Bad Breisig
Bad Breisig. Die Prinzen-Proklamation im Rahmen einer großen Sitzung war eine durch und durch gelungene Veranstaltung der Karnevalsgesellschaft von 1892. Dem jungen, sympathischen Prinzenpaar Michael I. und Silke I. (Ehepaar Matern) flog die Begeisterung der närrischen Gemeinde förmlich entgegen. Der Einzug durch die fröhlich-bunt gekleideten Gassen von Narren war ein einziger Triumphzug für Prinzenpaar und Gefolge. Prinz Michael, der 35jährige Werbegraphiker, schwenkte nach der feierlichen Proklamation durch KG-Präsident Markus Feix stolz sein Zepter; er fand in seiner Thronrede die richtigen Worte, um zusätzliche Sympathien zu wecken. „Meine Silke und ich, wir lieben diese Stadt und erfüllen uns mit der Besteigung des närrischen Throns einen Traum. Wir und unser Hofstaat sind glücklich in diesem Moment.“ Den Hofstaat bilden Freunde, so Schatzmeister Andreas Schürmeyer, Hofdame Birgit Cremer-Schmidt und ihr Gatte, Adjutant René Cremer, dazu der kleine Nachwuchs des Prinzenpaars „Prinzipessa“ Samantha und Hofnarr Mathias. Der Zeremonie der Thronbesteigung voraus ging ein erlebenswertes närrisches Programm. Die Jahnhalle war als Narrentempel festlich in Blau-Rot geschmückt, denn das zu proklamierende Prinzenpaar ist ja Gründungsmitglied des Spielmannszuges der Breisiger KG – und der trägt die Breisiger Traditionsfarben. Die Halle war gut besetzt, zum Teil auch von närrischen Freunden aus den Nachbarorten, und eine prächtige Stimmung herrschte von Anfang an. Ein fulminanter Aufmarsch der uniformierten Korps eröffnet die Veranstaltung.
Über 150 KG-Aktive: Die Bühne war fast zu klein für die vielen bunten Uniformen. Eine Demonstration der aktuellen Stärke der KG – man wollte der Stadt zeigen, wie wichtig der Erhalt ihres Narrentempels, der Jahnhalle ist. Die Empfindungen stehen auf Sturm, denn Abriss-Gerüchte rund um die Halle grassieren. Da gingen die Karnevalisten gleich beim ersten Auftritt in die Gegenoffensive, und sie sammeln mit ihrer Jugend Punkte: Rund 30 Funken und Kadetten im Jugendalter, alle in Blau-Rot und blitzsauber uniformiert, betreut und trainiert von Andrea Herter und Claudia Dreesbach, zeigten, was sie in vielen Stunden Training in der Jahnhalle einstudiert hatten. Dieser Eindruck sollte den wichtigen „Entscheidern“ im Saal, z.B. der Stadtbürgermeisterin Gabriele Hermann-Lersch, dem Verbandsbürgermeister Bernd Weidenbach und allen anderen Ortspolitikern, die sich immer so bürgerfreundlich geben, imponieren und sie nachdenklich machen. Und Präsident Markus Feix hatte weitere „Pfeile im Köcher“: Irmgard Köhler-Regnery und Peter Weiss sangen eindrucksvoll und deutlich, was sie von Plänen halten, die Jahnhalle einer profitablen Wohnbebauung zu opfern. Markus Feix greift danach die Sorgen verbal auf und kündigt Widerstand gegen alle eventuellen Pläne an, der großen KG über kurz oder lang ihren Veranstaltungsraum zu entziehen. Er wird unterstützt von KG-Ehrenpräsident Waldi Fabritius, der eng mit der Geschichte der Halle verbunden ist. Die Jahnhalle sei ein durchaus attraktiver Veranstaltungsort, wie diese höchst ansehnliche Karnevalssitzung zeigte. Es ging im Programm Schlag auf Schlag: Nach den Auftritten des KG-Nachwuchses zeigte das - zur Zeit wegen Krankheit dezimierte und von Tine Klapperich trainierte - Dragonerkorps sein großes tänzerisches Können. Alexander Kurp, „der närrische Pastor“ sammelte als Bütt-Routinier die ersten Lacherfolge des Abends. Eine exakte, tolle Tanzshow boten die „Menininas“ aus Westum. Das schon gewohnte absolute Highlight des Programms: Irmgard Köhler - Regnery, „die Ähn aus Jönneschdorf“ mit ihrer satirischen Rückshow auf die Medien – Ereignisse des Jahres. Köstlich, was sie an Meldungen über den Tod von Za-Za Gabor erfuhr, was sie über die Scheidungs-Welle der oberen Zehntausend zu berichten hatte, aber auch über die Nachbarn im Breisiger Ländchen. Nach den mit viel Bewunderung verbundenen Lach-Orkanen über die Pointen der Kabarettistin des Bad Breisiger Karnevals konnte das Publikum eine optische Show genießen: Den Einmarsch der rund 100 Aktiven der Bonner Ehrengarde mit eigenem Musikkorps, mit Tanzpaar, Tanzgarden, viel verbaler Freundschafts-Bekundung und Ordentausch. Aber auch die Bad Breisiger KG kann sehenswerte Bühnen - Darbietungen präsentieren, so das Tanzcorps der „Skylight - Majorettes.“ Einstudiert und betreut von Marion Feix und Michaela Ritterath zeigten die 14 Mädels in prächtigem Outfit von Flugbegleiterinnen eine sehenswerte Tanz-Performance. Noch ein Büttenvortrag mit lustigen unterhaltsamen Kalauern (Jürgen Zerwas aus Eich als „Utschbabes“), dann war es soweit: Großer Einzug des Prinzenpaars. Im historischen Breisiger Stil die Proklamation durch Markus Feix, die Verteilung fröhlicher Namen für Prinzenpaar und Gefolge, die Abholung des Zepters auf rotem Samtkissen durch die kleine „Prinzipessa“ Samantha und die Kapitulation samt Übergabe des Stadtschlüssels durch Bürgermeisterin Gabriele Hermann-Lersch. Den Blumengrüßen für Prinzessin Silke und Hofdame Birgit folgte die Vereidigung und Unterstellung des Funkenkorps unter Prinz Michael und die Ehrentänze des Korps: Zauberhafter Mariechentanz von Konstantin Klee und Lisa Schäfer, danach Ehrentanz des gesamten Korps. Kommandant Daniel Brandau versicherte die Gefolgschaft der Blau-Roten Funken und Präsident Markus Feix fand die passenden Schlussworte zum Programm. Was folgte, war die endlose Schlange der Gratulanten am Prinzenthron, untermalt von Musik der Rhein-Ahr-Spatzen, denen man für die immer aufmerksame musikalische Begleitung des Abends wieder ein besonderes Kompliment machen muss. Eine schöne Geste am Rande: Die Bad Breisiger Funken sammelten für die Bonner Tafel, beteiligen sich daran und sie stellen sogar den Koch dazu. Es war insgesamt eine Sitzung, die sich würdig in die 125 - jährige Bad Breisiger Karnevals-Tradition einreiht. Mögen der Jahnhalle noch lange Jahre beschieden bleiben – das feierfreudige Breisiger Völkchen braucht sie!
FA
