Allgemeine Berichte | 01.09.2022

Auf Entdeckungsreise im Drachenfelser Ländchen

Seltene Ulme entdeckt

Der goße Trompetenbaum mit seinen weißen Glockenblütenrispen und orchideenähnlichen Farbzeichnungen.  Fotos: privat

Wachtberg. Die Wachtberger Kulturwochen werden immer wieder mit Begeisterung wahrgenommen und gewürdigt. Überraschend ist, wie viele Erlebnisorte, Akteure und Künstler in Wachtberg aktiv und beheimatet sind. Die Besucher- und Teilnehmerzahlen der Konzerte, Ausstellungen und Aktionen bestätigten diese Empfindung.

Außer den Akteuren ist dieser der Gemeindeverwaltung – insbesondere der Organisatorin der Wachtberger Kulturwochen Marlies Frech und der Pressesprecherin Margrit Märtens - zu verdanken, die die Kulturwochen aufgebaut und akribisch weiterentwickelt haben. Dabei lernt man Veranstaltungsorte, Kunstrichtungen aller Art und Menschen kennen, die bisher fremd waren. Ebenso außergewöhnliche Sehenswürdigkeiten in Natur und Landschaft, alten und neuen Gehöften, parkähnlichen Hausgärten, neue und alte Straßenzüge mit schmucken Vorgärten. Unter vielen anderen wären der „Grüne Hof“ in Arzdorf, der „Kulturgarten Rosenberg“ in Gimmersdorf und der „Offene Schmitzhof“ in Ließem zu nennen, auf den wegen einer besonderen botanischen Seltenheit etwas näher eingegangen wird:

Bei den Rundumbesuchen waren die Teilnehmer u.a. auch im „Offenen Schmitzhof“ in Ließem, Am Bonner Graben 1-25. Am Ende der Straße mit Wendekreis erreichte man einen größeren Hofkomplex mit zwei Eingängen, meist Fachwerkbauten mit großem Innenhof und einer ca. 40-jährigen Dorflinde als Mittelpunkt. Dort luden fünf Künstler und Aussteller zu Besichtigung, Verweilen und Gesprächen ein. Eine Mitbewohnerin, Katja Ackermann, organisierte und zeigte nach größeren Recherchen anhand älterer Fotos und Beschreibungen der Hofhistorie eine sehenswerte Ausstellung.

Die ehemals landwirtschaftlichen Flächen gehörten erst dem Kloster Rolandswerth und anschließend bis 1839 Freiherrn von Fürstenberg aus Muffendorf. Anfang des 19. Jahrhunderts kaufte und bewirtschaftete Johann Schmitz aus Gelsdorf die Ländereien. Nach der Heirat mit der Ließemerin Anna Maria Weber bauten sie den „Schmitzhof“. Seither ist das Anwesen als „Schmitzhof“ bekannt. Zuletzt bewirtschaftete Dieter Pitscher den Hof, der durch den Bau der Umgehungsstraße K14, Ließemer Straße in den 1960er Jahren durchschnitten wurde. Damit endete die Ära der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung.

Danach kaufte erst der Landkreis, dann 1969 die Gemeinde Wachtberg den Hof, der 1982 unter Denkmalschutz gestellt wurde. 1986 verkaufte die Gemeinde Wachtberg das verbliebene Areal an ein Bonner Architektenbüro und baute 1988 bis 1990 familienfreundliche Wohneinheiten. Unsere Freunde und Begleiter Charlotte und Werner Opper aus Muffendorf berichteten, dass der bekannte Architekt Karl Völzgen aus Plittersdorf – später wohnhaft in Muffendorf – mit Denkmalschutz- und Sanierungserfahrung – das Bauvorhaben betreute.

Heute leben dort 14 Familien, u.a. Familie Ackermann, in einer großen Rundumbauung und solitärer Dorflinde in gutem gemeinschaftlichen Zusammenleben.

Auf dem Weg zum „Schmitzhof“ wurde rheinseitig in durchgrünten Gärten ein auffallend großer Trompetenbaum mit großen weißen Glockenblütenrispen und orchideenähnlichen Farbzeichnungen entdeckt, ein Exot mit auffallender seltener Erscheinung.

Weiter westlich des Wendekreises erscheint eine große Grünzone mit riesigen Laubbäumen, bestehenden aus Linden, Ahorn, Hainbuchen in einer zur K14 abfallendenden tiefen Böschung. Bei näherem Erkunden entdeckten wir eine heutige „Baumseltenheit“, und zwar eine 80-100-jährige Feldulme, botanisch: Ulmus carpinifolia.

Die Familie der Ulmen, auch Rüster genannt, ist durch die heimtückische Ulmenkrankheit, der man mit Bekämpfungsmittel nicht nachkommen konnte, auf der ganzen Welt fast ausgestorben. Und hier finden wir aus Anlass der Wachtberger Kulturwochen noch ein solches Überbleibsel. Die Ulme steht verdeckt ca. 5m vom nördlichen Fachwerkgebäude des Schmitzhofs in gemeinschaftlicher Krone der Dreiergruppe Linde, Ulme, Hainbuche und weist ca. 2,5m Stammumfang, ca. 25m Kronenhöhe und 15m Kronenbreite auf. Der Zustand ist derzeit mit „gut“ zu bezeichnen.

Die prächtigen großen Ulmenbäume vergangener Zeiten konnten 1000 Jahre alt werden. Seit 1918 sind sie nach und nach aus unseren Parks, Landschaft und Straßen ausgestorben. Ein heimtückischer Schlauchpilz und der Ulmenkäfer sind der Grund. Auch Bekämpfungsmaßnahmen wie Spritzungen, Impfungen und Neuzüchtung resistenter Arten brachten keinen Erfolg, so dass Millionen Ulmenbäume auf der ganzen Welt nicht zu retten waren.

Ursache ist der Ulmensplintkäfer, Scolytus scolytus, der von England, Frankreich, Holland seit 1918 per Schiff mit Holznutzladungen aus Fernost eingeschleppt wurde. Er überträgt durch seine Eiablage unter der Rinde der Ulme den Schlauchpilz Ceratocystis ulmi. Der Pilz nistet sich in die Leitungsgefäße des Baumes ein, entzieht ihm Wasser und Nährstoffe und sondert ein Welkegift ab. Der Baum reagiert mit Thyllenbildung, mit Verstopfung der betroffenen Gefäße, die Wasserleitung unterbricht, der Baum welkt in der Blattregion der Krone und stirbt ab, weil keine Assimilation und Atmung stattfinden kann. Da es keine Rettungsmittel zur Erhaltung der Ulmen gab und damit die Ulmenfamilie ausstirbt, reagierten die verantwortlichen Dachleute aus Sicherheitsgründen mit Absetzen der Krone und späteren Entfernen der Stämme.

Alleine in der Stadt Bonn waren im Lauf der Jahre Hunderte Ulmen abgestorben. Spektakulär waren die Baumentfernungen von 4 ca. 200 Jahre alten Ulmen am Ulmenhaus in Bad Godesberg, Moltkestraße 3, mit ca. 4,50m Stammumfang, 40m Kronenhöhe und 20m Kronenbreite. Hier wurden erstmalig englische Baumpfleger eingesetzt, die die so genannte Doppelseiltechnik beherrschten und so die hohen Kronen ohne Leitern und Kran stückweise absetzten. Sie waren in Merristwood bei Windsor in der damals einzigen Intensivausbildungsschule für Baumpfleger ausgebildet. Neben vielen anderen Standorten abgestorbener Ulmen mussten die größten 9 Ulmen in Bonn mit über ca. 7m Stammumfang in der Kölnstraße als Rest der Baumpflanzungen der Landstraße Mainz-Köln sowie 17 Ulmen auf dem Alten Friedhof mit größeren örtlichen Schwierigkeiten meist mit Großkran entfernt werden.

Da derzeit keine noch lebenden Ulmen bekannt sind, ist die Ulme am „Schmitzhof“, Am Bonner Graben 1-25 in Wachtberg-Ließem eine botanische Seltenheit. Zum Erhalt sollte sie gehegt, gepflegt, unterstützt und wegen seiner Seltenheit unter Denkmalschutz gestellt werden. (Karl Josef Klein, von der Landwirtschaftskammer Rheinland vereidigter Sachverständiger für Gehölze, Schutz- und Gestaltungsgrün, Baumchirurgie und Baumpflege)

Anhang zur Kölnstraße in Bonn

Zu den Straßenbaumpflanzungen der Landstraße zwischen Mainz und Köln (heutige B9) und speziell zu den ältesten Ulmen in der Stadt in der Kölnstraße ist geschichtlich Interessantes in einem Beitrag „Die Baumpflanzungen an der Landstraße Köln/Bonn im Wandel der Jahrhunderte“ von Josef Dietz, Bonn nachzulesen, dass 1671 von der ersten Baumpflanzung die Rede ist.

Der Kölner Kurfürst Clemens August (1723-1761) mit seinem Bonner Hofgärtner Peter Josef Lenné der Ältere (Vater des großen Gartenkünstlers Peter Josef Lenné) soll etappenweise und der Franzose Daucet für Napoleon und seinen Rückzug aus dem Russlandfeldzug die Ulmen in der Kölnstraße und den angrenzenden Straßen um 1773 gepflanzt haben.

Die letzten 9 Ulmen wurden 1981 entfernt. Seitdem ist die Kölnstraße mit Linden bepflanzt.

Pressemitteilung

Gemeinde Wachtberg

Die Krone der seltenen Ulme.

Die Krone der seltenen Ulme.

Ansicht des Stammes der Ulme.

Ansicht des Stammes der Ulme.

Der goße Trompetenbaum mit seinen weißen Glockenblütenrispen und orchideenähnlichen Farbzeichnungen. Fotos: privat

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