Prunksitzung des NC Blau-Weiß Koblenz-Niederberg
Showprogramm wurde mit vielen Publikums-Raketen belohnt
Koblenz-Niederberg. Das neue Jahr ist noch ganz jung, wenn der Sitzungskarneval in die Säle der Stadt einzieht. Im Sportpark Koblenz-Niederberg startete einmal wieder das „Närrische Corps (NC) Blau-Weiß e.V. Koblenz-Niederberg“ seine gut vierstündige Prunksitzung. Präsident Bernd Müller hatte sich als Assistenten den Ex-Hofnarren Fabian Pattar hinzugenommen, der ab 2021 sein Amtsnachfolger sein wird.
Pünktlich um 20.11 Uhr marschierten die Aktiven auf die Bühne, lautstark begleitet von dem Pulk der Fahnenschwinger, Trommler und Bläser des Fanfarenzuges Rhens. Nachdem „König“ Otto Fischer als 1. Vorsitzender des NC sein närrisches Volk im Saal begrüßt hatte, überließ er dem „jungen Wilden neben sich“, der gerade kräftig mit den Hufen scharre, das Mikrofon. Damit gemeint war Gardist Christoph Kohl (Hoffotograf 2017/18), der schon bei der übernächsten Prunksitzung in Ottos Fußstapfen treten wird. Er stellte den Elferrat als „Mixed Pickles“ vor, wobei junges Gemüse Seit an Seit mit dem alten, sauer eingelegten im Parlament des Niederberger Narrenreiches über die Sitzung wachen werde.
Das Programm hatte für jeden etwas zu bieten
Das mit vielen Publikums-Raketen belohnte Showprogramm eröffnete ein auf der NC-Bühne neues Solomariechen. Kelly Carey führt als Tanzmariechen diverse Meistertitel, wie den der Deutschen Vize-Meisterin im Gardetanz der Solomariechen Senioren. Mit „Big Spender“ beginnend zeigte die sportliche und extrem gelenkige junge Dame im schwarz-weißen Revue-Kostüm mit Melone echte Höchstleistungen innerhalb einer anspruchsvollen Choreografie. Mit einem Lächeln präsentierte sie Überschläge, extreme Luftsprünge und Luft- und Boden-Spagat. Das begeisterte Publikum belohnte sie mit lang anhaltendem Applaus.
Die Showtanzgruppe des Horchheimer Carneval Vereins unterhielt mit ihrem neuen „very british“ Showtanz, der reichlich Hebefiguren, Pyramiden und fliegende Damen zu bieten hatte. Mit einer gemischten Gardetanzgruppe warteten die Gastgeber auf. Für ihren nostalgisch angehauchten Tanz flogen ihr die Herzen des Publikums zu. Zu „Tschu Tschu Wa“ boten sie eine gute Laune verbreitende Tanz-Zugabe als närrische Gymnastikstunde dar.
Die Showtanzgruppe der Gülser Seemöwen ging mit „Cold as ice – wir tanzen uns heiß“ an den Start. Ein vor sich hinschmelzender Schneemann wurde in der einfallsreichen Choreografie gerettet von hübschen Schneeflöckchen, die bei ihrem Einzug auf die verdunkelte Bühne sogar leuchteten. In einem schwungvollen Schneewalzer bildeten die in eisblau und weiß gekleideten Tänzerinnen mit echter Frauenpower eine große Vielfalt an Figuren. Hebungen in höchste Lüfte und akrobatische Einlagen entlockten den Zuschauern Begeisterungsrufe.
Ebenso frenetisch gefeiert wurde der Auftritt der Showtanzgruppe des Narrenclubs Waschem, der sein 33-jähriges Fasenachts-Jubiläum feiert. In schwarz-rot-gold-farbenen Kostümen im Militärstil hievten die Tänzer/innen einander unzählige Male auf Schultern, Rücken oder Oberschenkel, um sich innerhalb des schmissigen Tanzes zu tollsten Formierungen aufzubauen. Da wurden sogar Männer an die Spitze der Pyramide befördert.
Den Reigen der Wortbeiträge eröffnete natürlich das närrische Protokoll, das erstmalig von einer Frau vorgetragen wurde. Isabell Wagener, Tochter des NC-Präsidenten Müller und Ehrenfunkenmariechen der NC-Familie, legte den Charlie-Chaplin-Schnurrbart schnell beiseite, der Zylinder aber blieb. In ihrem erfolgreichen Debüt blickte sie mit kritischem Blick reimend zurück auf das vergangene Jahr. Quer durch Deutschland, hinaus in die Welt schaute sie und berichtete in Kowelenzer Platt über Dieselskandal, Feinstaub und Europawahl genau so, wie über Koblenz und seine Brücken, Klimademonstrationen und Bundes-SPD. Die Spendenflut nach dem Brand der Pariser Kirche Notre Dame ließ sie nachdenken, welchen Beitrag der Vatikan zum Wiederaufbau wohl leistete. Die Schlagzeilen um Thüringens AfD-Fraktionschef Björn Höcke kommentierte sie: „Aus der Geschichte zu lernen ist anscheinend ziemlich schwer“.
Auf die Bühne folgte ihr ein Gärtner namens Thomas Flöck, ebenfalls Mitglied der großen NC-Familie. Ein Spielplatzbesuch ließ ihn sinnieren über weich gespülte Kindererziehung und diverse Intoleranzen. Müssen die Kinder, die heute keine Schokolade mehr mögen dürfen stattdessen ihre Kindheit mit Ingwerwurzeln und Kohlrabi-Karottensaft genießen? Wie gelang Flöck von hier aus nur der Themensprung zu Dildo- und Dessous-Partys?
Für die närrische Predigt war einmal wieder Achim Bertgen von den „Kesselheimer Kapuzemännern“ zuständig. Mit beinahe philosophisch befeuertem Witz haute er den „hochverehrten Gläubigen“ wortspielerische Anekdoten aus dem Leben um die Ohren. Jeder zweideutig-eindeutige Gag, oft als Frage formuliert, kam kurz und knackig daher. Wer denkt schon darüber nach, wer der Fremde ist, mit dem er sich sein Essen teilt, wenn er ein halbes Hähnchen beim Imbiss kauft oder ob der schwule Wurm im Salat wohl die Schnecken rausschmeißt?
Mit Kalauern am laufenden Band eroberten gleich zwei Blaulicht-Männer die Niederberger Bühne: Reiner Roos, entsandt von den Neusser „Kappesköpp“, zeigte sich als Ordnungshüter zu Scherzen aufgelegt, obwohl die Polizei so gänzlich pleite sei. Und aus Köln auf Rollerblades angereist war Klaus Bömeke als Feuerwehrmann Kresse, der mit Themen querbeet scharfe Granaten auf das Zwerchfell der Zuschauer abfeuerte.
Einen besonders herzlichen Empfang erfuhr das erst seit einer Woche offiziell im Amt befindliche Koblenzer Prinzenpaar. Prinz Marco I. vom Geisbach und Confluentia Kim kamen mitsamt Hofstaat, Geschenken und Orden nach Niederberg, um hier mit viel Herzblut karnevalistischen Frohsinn zu verbreiten. Besonders Präsident Müller zeigte sich hingerissen vom Liebreiz der Confluentia und ihrem einnehmenden Lächeln. Das Prinzenpaar bedankte sich bei den stark motivierten NC-Gästen und allen Koblenzern für die ihm schon jetzt entgegengebrachte Herzlichkeit und Unterstützung und versprach, weiterhin Frohsinn, Freude und Spaß zu verbreiten. Die Blau-Weißen überreichten außer Orden und Nahrhaftem auch noch ein monetäres Geschenk an die von den Funken Rot-Weiß-Gold Koblenz-Metternich entsandten Tollitäten.
Das Schlusslicht der Prunksitzung bildete wieder einmal Bruce Kapusta. Der Kölner Künstler, der natürlich nicht ohne seine Trompete gekommen war, gab im Beisein aller Aktiven den letzten Nachtschwärmern einen bunten Strauß Stimmungslieder im Konfettiregen mit auf den Heimweg.
BSB
