Allgemeine Berichte | 29.05.2019

Auf Einladung der Rheuma Liga Adenau sprach Hauptkommissar Ralf Thomas darüber, wie man sich schützen kann

Sicherheit im Alltag - Schlauer sein als die Betrüger

Der Vorsitzende der Rheuma Liga Arbeitsgemeinschaft Adenau, Joachim Keden überreichte ein Glas Honig aus der Jubiläumsedition der Rheuma Liga Adenau damit „der Dienst gelegentlich mal versüßt werden kann“ und einen Regenschirm, denn „die Polizei soll auch selbst gut beschützt sein“.Foto: Werner Dreschers

Adenau. Angesichts der fortdauernden Fülle von Einbrüchen oder Betrugsfällen, mit denen sehr oft Senioren oder allein stehende Menschen um Geld oder Wertgegenstände gebracht werden, kann dem Thema nicht genug Aufmerksamkeit beigemessen werden. Auf Einladung der Rheuma Liga Adenau sprach Hauptkommissar Ralf Thomas vom Polizeipräsidium Koblenz darüber, wie man sich schützen kann. Einige Gäste des Vortrags konnten leidvolle eigene Erfahrungen beisteuern.

Über die gerissenen Machenschaften von Tätern berichtete etwa eine Bewohnerin aus Müsch. Sie ist nach dem Vorfall sehr betroffen. Bei ihr wie bei anderen geht es nicht nur um den schmerzlichen Verlust von Geld, Schmuck oder liebgewordenen Gegenständen. Vielmehr macht das Erlebte unsicher, erzeugt Angst, führt durch entstandenes Misstrauen möglicherweise zu einem sozialen Rückzug. „Ein fataler Kreislauf“, so der Hauptkommissar, „der die Lebensqualität Betroffener massiv beeinträchtigt, zu gesundheitlichen Schäden führen kann!“. Hilfe bietet oder vermittelt der Weisse Ring, der auch im Kreis Ahrweiler ansprechbar ist.

Die gerissenen Tricks der Betrüger

Überraschende Anrufe oft zu nächtlicher Stunde sind die Masche der „Enkel“-Trickbetrüger. Angeblich ist ein Verwandter in Not geraten, braucht dringend Geld um aus einer misslichen Situation zu kommen oder um ein günstiges Immobiliengeschäft erledigen zu können. Ziel ist es jeweils, Geld oder Wertgegenstände durch eine „Vertrauensperson“ abholen zu lassen. Oft wird auch ein Polizeianruf vorgetäuscht, demzufolge ein Opfer auf der Liste von Tätern stehen soll. Jeweils soll Geld, sollen Wertgegenstände abgeholt werden. In solchen Fällen unbedingt Kontakt mit der tatsächlichen Polizei oder einer Vertrauensperson aufnehmen, mag der psychologische Druck auf das Opfer durch den Anrufer noch so groß erscheinen.

Die Polizei selbst ruft ohnedies nie mit der Nummer „110“ an. Diese Nummer dient ausschließlich dazu, dass man in einer Notlage die Polizei selbst informieren kann. Und gerade dann, wenn der Anrufer den Kontakt zu weiteren Personen aus irgendwelchen Gründen untersagt oder den Angerufenen nötigen will sein Haus nicht zu verlassen, sollte telefonisch eine Vertrauensperson hinzugezogen werden und die Polizei informiert werden. Dies am besten über ein anderes Telefon/Handy, ein Rückruf auf demselben Gerät würde ins Leere führen.

Alle Ansinnen, Schmuck, Geld oder Wertgegenstände zur Abholung durch einen Beamten der Polizei in Zivil, einen Gehilfen einer Versicherung, einer Bank, bereitzuhalten, sind abzulehnen. Im Regelfall ist der Verlust der Gegenstände oder des Bargeldes die Folge, da nutzt die beste noch so offiziell aussehende Quittung nichts! Die gerissenen Gauner sind organisiert, werden teils aus dem Ausland gesteuert, es gibt eine regelrechte Hierarchie, der „Abholer“ ist ohnedies nur das kleinste Glied in der Kette. Im Trend liegen auch Tricks, mit denen Täter eine Notlage vortäuschen um die Gutmütigkeit und Unerfahrenheit nicht nur älterer Mitbürger auszunutzen. Dies reicht von der Bitte um ein Glas Wasser, weil jemand sich nicht wohl fühlt, über die Bitte eine Toilette benutzen zu dürfen, über die vorgetäuschte Autopanne und weiteres. Absicht ist es jeweils, das Opfer kurzfristig abzulenken, damit ein weiterer Täter unbemerkt ins Haus gelangen kann.

Viele Situationen werden gründlich vorbereitet, durch Ausspionieren der Wohnung, durch Beobachten regelmäßiger Verhaltensweisen des späteren Opfers.

Die Täter nutzen zudem Informationen in sozialen Netzwerken. Eine Nachfrage nach persönlichen oder finanziellen Verhältnissen sollte niemals am Telefon beantwortet werden: Keine sensiblen Daten preisgeben, keine Kontonummern, Pins oder Codierungen, keine Antworten geben, die auf eine Abwesenheit aus der Wohnung schließen lassen (Freizeitverhalten o.ä.).

Eine Amtsperson, auch ein echter Polizist wird stets einen Dienstausweis vorzeigen, wird auch nicht böse sein, wenn man um eine Rückrufmöglichkeit bei der Dienststelle bittet. Gerade solche Vorsicht belegt ja, dass die wertvolle kriminalpräventive Arbeit der Polizei die Bevölkerung erreicht und angenommen wird. Die Polizei berät gerne zu allen Fragen der Vorbeugung! Hauptkommissar Ralf Thomas war zu Beginn seines Vortrages auf den selbstverständlichen Einbruchsschutz eingegangen, der leider oft vernachlässigt wird. Hier ist gelegentliches Erinnern hilfreich. Denn: „Ich bin ja nur mal schnell zum Einkaufen“, weiß ein aufmerksamer Täter oft spontan auszunutzen. Anwesenheit signalisieren war einer der Tipps, durch Lichtquellen, durch TV-Simulatoren, die ein flackerndes Licht wie ein Bildschirm erzeugen, auch ein eingeschaltetes Radio mag hilfreich sein. Ein wichtiger Schutz können aufmerksame Nachbarn sein, bei längerer Abwesenheit aus der Wohnung sollten diese sich öfter mal am und im Haus bewegen, damit es nicht leer erscheint. Einbrüche sind oft von langer Hand geplant.

Auf den Anrufbeantworter zu sprechen, „ich bin mal für drei Wochen in Urlaub“ ist geradezu eine Einladung für einen Einbrecher, Abwesenheitshinweise in sozialen Netzwerken sind ebenfalls gefährlich. Die Polizei berät gerne zu effektiven Einbruchssicherungen. Es gibt eine Fülle von Möglichkeiten, die rein technisch hohe Sicherheit gegen unerwünschtes Öffnen von Türen und Fenstern bringen.

Unbekannten sollte man nicht die Tür öffnen, es muss zunächst genügen, wenn Sprechkontakt durch eine Sperrriegelgesicherte Tür erfolgt. Wer z.B. unsicher ist, ob der Stromableser tatsächlich nur den Energieverbrauch erfassen will, solle sich nicht scheuen beim Energieversorger nachzufragen oder um einen weiteren Termin zu bitten, bei dem dann eine Person des Vertrauens anwesend sein kann. Auf üble Tricks bei Kaffeefahrten ging der Hauptkommissar ebenfalls ein, hier empfahl er Hartnäckigkeit gegenüber massiv aufdringlichen Verkaufsofferten gerissener Agenten des Veranstalters. Sollte die Bedrängnis gar zu Nötigung oder dem Einschließen der Besucher im Verkaufsraum führt, ist auch hier die Polizei gefragt. Angebliche Gewinnbenachrichtigungen sind immer dann problematisch, wenn zunächst eine finanzielle Vorleistung für Gebühren oder Aufwand gefordert wird, dies ist unseriös und Indiz für eine Gaunerei. Vorsicht ist bei einem Aufenthalt im Krankenhaus oder Altersheim geboten, Das Personal kann beim besten Willen nicht auf Geld oder Wertgegenstände aufpassen. Gerissene „Besucher“ nutzen die Möglichkeiten aus. Nach dem Vortrag suchten viele Zuhörer persönlichen Rat, schilderten eigene Erfahrungen. „Herzlichen Dank für den ausführlichen und gut verständlichen Vortrag“, sagte der Vorsitzende der Rheuma Liga Arbeitsgemeinschaft Adenau, Joachim Keden.

Er überreichte ein Glas Honig aus der Jubiläumsedition der Rheuma Liga Adenau, damit „der Dienst gelegentlich mal versüßt werden kann“, einen Regenschirm, denn „die Polizei soll auch selbst gut beschützt sein“.

Der Vorsitzende der Rheuma Liga Arbeitsgemeinschaft Adenau, Joachim Keden überreichte ein Glas Honig aus der Jubiläumsedition der Rheuma Liga Adenau damit „der Dienst gelegentlich mal versüßt werden kann“ und einen Regenschirm, denn „die Polizei soll auch selbst gut beschützt sein“.Foto: Werner Dreschers

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