Allgemeine Berichte | 01.03.2021

Bendorfer Gemeindereferentin im Interview

Sichtbar und erreichbar - Seelsorge über Facebook

Judith Richter.Foto: privat

Bendorf. Über welche Wege kann Kirche heute Menschen begegnen und erreichen? Eine Frage, die Seelsorgerinnen und Seelsorger nicht erst seit den Einschränkungen der Corona-Pandemie umtreibt. Judith Richter bindet ganz gezielt die Plattform „Facebook“ in ihre Arbeit ein. Sie ist Gemeindereferentin in der Pfarreiengemeinschaft Bendorf.

Wie nutzen Sie die Social-Media für Ihre Arbeit?

Richter: Social-Media nutze ich zum einen, um die pastorale Arbeit transparent zu machen und zum anderen, um pastorale Projekte zu bewerben. Außerdem sehe ich, was rund um Bendorf und über die Grenzen der Stadt Thema ist, was die Menschen bewegt und beschäftigt. Des Weiteren lasse ich mich inspirieren vom Leitwort der Bistumssynode „Heraus gerufen – Schritte in die Zukunft wagen“. Die Nutzung von Social-Media gehört da für mich dazu, denn ein Teil der zukünftigen pastoralen Arbeit wird definitiv über die Social-Media Kanäle laufen.

In welcher Form bereiten Sie die Themen auf?

Ich veröffentliche kleine Abendimpulse mit einer brennenden Kerze zu einem aktuellen Thema, das entweder politisch, sozial oder aber auch in der pastoralen Arbeit aktuell ist. Oder ich poste Texte und Bilder als eine Art Nachlese über meine pastorale Arbeit, zum Beispiel über Erlebnisse mit Menschen, die mir in meiner pastoralen Arbeit begegnen oder kurze Nachberichte zu Einkehrtagen, die ich beispielsweise mit Kita-Teams begehe. Ich gebe auch Einblicke in Vorbereitungen wie zur Erstkommunion oder zum Weltgebetstag der Frauen. Oder ich nehme kleine Videos auf und schicke sie zu kranken Menschen mit einem kurzen Gruß und Mut machenden Worten.

Auf welches digitale Projekt schauen Sie denn besonders gerne zurück?

In der Advent- und Weihnachtszeit habe ich mit Familien ein Online-Projekt gestaltet. Die Clips wurden an jedem Adventssonntag und an Heiligabend auf Facebook sowie auf YouTube gestellt. 14 Familien waren begeistert beteiligt. Hier fand eine inhaltliche und kreative Auseinandersetzung mit Advent und Weihnachten statt. Auf Facebook wurden die Clips bis zu 1500-mal angeschaut.

Sie produzieren also in Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen oder wie in ihrem Weihnachtsbeispiel mit Eltern Content (Inhalte) für Facebook. Doch soziale Medien leben ja insbesondere vom gegenseitigen Austausch mit der Community. Wie kann ich mir das bei ihnen vorstellen?

Ich bin jederzeit Ansprechpartnerin für pastorale Anliegen. Zum Beispiel schreiben mich Leute über Messenger an zu bestimmten Lebensfragen wie Hilfe beim Thema Krankheit, Tod und Trauer oder sie fragen auf kurzem Weg zu pastoralen Projekten. Wichtig hierbei ist, dass ich den gegenseitigen Austausch ernst nehme und auf jede Anfrage antworte.

Wie hat sich Ihre Social-Media-Nutzung durch die Pandemie verändert?

Die Menschen sind zu Hause und nutzen diese Medien häufiger. Da keine präsenten Treffen möglich sind, bin ich über diesen Weg präsent – sichtbar und erreichbar. Die Dinge, die vor Ort nicht möglich sind, gestalte ich auf diesem Weg. Es ist mehr Normalität geworden, mit den Social-Medien zu arbeiten.

In welchen Bereichen sehen Sie noch Potenzial für die Kirche? Wo müsste sie sich mehr digital einbringen?

Kirche ist vielfältig und hat viel Potenzial. Sie ist – entgegen mancher Unkenrufe – relevant für die Gesellschaft. Die Bibel steckt voller Erzählungen von Freud und Leid von Hoffnung und Trost. Wir sollten mehr das Evangelium in den Lebensalltag transportieren. Mit unseren eigenen Geschichten – auch mit Witz und Humor – damit Kirche menschlich und lebensnah erlebt wird.

An was denken Sie da zum Beispiel?

Vor einigen Tagen habe ich einen Post geschrieben über Karnevalslieder. In diesen Liedern spiegelt sich das Leben mit allen Höhen und Tiefen und die meisten verweisen auf den Himmel. Ich habe dazu eingeladen, an die verstorbenen Karnevalisten zu erinnern, die ein Teil der Gemeinschaft waren. Ich veröffentlichte dazu einen Grabstein in Form einer Narrenkappe von einem Karnevalisten aus der Pfarreiengemeinschaft, der vor drei Jahren viel zu früh mit 52 Jahren gestorben ist. Innerhalb kurzer Zeit standen über 40 Namen von verstorbenen Karnevalisten unter dem Post. Das verbindet und berührt die Menschen.

Wo sehen Sie Vorteile für die Nutzung von Social-Media in der pastoralen Arbeit?

Als Vorteil erlebe ich in erster Linie, dass durch diese Arbeit sehr viele Menschen erreicht werden. Nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ. Menschen melden sich persönlich, um in eine vertiefende Auseinandersetzung zu treten. Dazu kommt, dass auf den Social-Media alle Generationen unterwegs sind – es ist sozusagen auch ein pastoraler Raum. Meine Posts stelle ich nicht nur auf meine Seite oder auf die Pfarreiseiten, sondern auch in Gruppen von Dorf- bzw. Stadtgemeinschaften. Auch dort werden sie gelesen und positiv bewertet. Also ich erreiche auch Menschen, die nicht zum inneren Dunstkreis gehören und auch Zugezogene.

Durch diese Arbeit zeige ich als Seelsorgerin Gesicht und meine theologische sowie pädagogische Haltung. Welcher Geist meine Arbeit prägt; sie wird erkennbar, greifbar und öffentlich.

Wie sind die Rückmeldungen?

Die sind durchweg positiv. Noch nie habe ich eine negative Reaktion erhalten. Nach dem Online-Projekt an Weihnachten sagte eine Oma: „Ich freue mich so, Sie machen Herzensbildung mit den Kindern – und das ist so wichtig“. Den Mitwirkenden hat es zudem viel Spaß gemacht, und viele Menschen konnten über diesen Weg erreicht werden. Sei es die Familie in Frankreich oder die Großeltern, die nicht besucht werden konnten. Auch Menschen, die nicht zum direkten pastoralen Raum rund die Pfarreiengemeinschaft Bendorf gehören, werden erreicht. So meldete sich eine Stadträtin aus Frankfurt bei mir, dass sie meine Seite mit viel Aufmerksamkeit verfolgt, da sie sie inhaltlich sehr ansprechend findet. Sie hat mich ebenfalls zu verschiedenen Projekten mit Interesse befragt. So findet sozusagen ein Austausch über Grenzen hinweg statt.

Was steht als nächstes, größeres Projekt an?

Motiviert durch das Advent-Online-Projekt kam jetzt die Idee von den Eltern, auch an den Kar- und Ostertagen mit den Kindern Clips aufzunehmen und zu gestalten. Auch die alten Menschen erfreuen sich daran, wenn sie etwas von den Kindern und der Seelsorgerin hören. Sie fühlen sich dadurch verbunden.

Judith Richter hat als Austauschplattform für pastorale Initiativen und kirchenpolitische Themen die Facebook-Gruppe „Kirche ist vielfältig“ gegründet. Beiträge von Judith Richter gibt es unter anderem auf der Facebook-Seite „Pfarrei St. Medard Bendorf“. Kontaktmöglichkeiten zur Gemeindereferentin gibt es per E-Mail an judith.richter@bgv-trier.de oder unter Tel. (0 26 22) 31 63.

Pressemitteilung des

Bistums Trier

Judith Richter.Foto: privat

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