Ein Gedicht von Gerd Lüttgen
Sommergewitter
Die Turmuhr schlägt fünf,
verschlafen liegt das Dorf in der Sonne.
Hitze brütet über Gassen und Dächern,
Luft flmimmert,
im Schatten döst eine Katze,
Fliegen sirren und summen,
Schwalben fliegen tief in weiten Kurven.
Schwere Traktoren rollen über Heuwiesen,
robuste Anhänger werden mit Rundballen beladen.
Rotbraune Rinder lagern im Schatten eines Baumes,
ihre Mäuler bewegen sich im Rhythmus des Wiederkäuens.
Träge blökt ein Schaf im Pferch.
Von Westen zieht dunkles Gewölk über die Eifelberge heran,
Ein Lufthauch wird zur Brise,
der Wind frischt auf,
nimmt zu an Kraft.
Wolken quellen und türmen sich zu Gebirgen,
reichen bis in höhere Sphären.
Eine Gewitterfront wälzt sich heran,
in der Ferne grollt der Donner,
sein Hall rollt über die Berge.
Der Wind nimmt an Kraft zu,
wird zum Sturm.
Baumwipfel neigen sich,
Äste schwanken und schwingen,
Blätter wirbeln durch die Luft,
das Unwetter trägt Papierfetzen vor sich her.
Jetzt fallen dicke Tropfen,
verbinden sich mit dem Staub zu Brei,
kleine Pmfützen bilden sich.
In der Ferne rollt ein Güterzug durchs Tal.
Nun rauscht der Regen und wird stärker,
Blitze zucken, Donnerschläge hallen,
Menschen suchen Schutz.
Es wird dunkler,
obskures Licht kriecht übers Land.
Kinder beobachten die Naturgewalten wie einen Film,
drücken ihre Nasen an die Fensterscheiben,
neugierig und ängstlich zugleich.
Wolkenschleusen öffnen sich,
Regen rauscht in Strömen,
klatscht gegen die Scheiben,
trommelt auf das Dach,
prasselt auf den Asphalt.
Das Wasser sammelt sich in Rinnsalen,
Luftblasen bilden sich für kurze Augenblicke und
platzen dann.
Der Wind flaut ab, verebbt,
der Schauer lässt nach,
ein paar letzte Tropfen,
dann Stille.
Nur das Regenwasser in der Dachrinne gurgelt noch.
Das Gewitter zieht weiter über den Rhein,
sauber und klar ist nun die Luft.
Frauen öffnen die Fenster,
atmen tief ein,
Kinder kommen vorwitzig aus den Häusern,
alle Sinne angespannt.
Weit entfernt noch ein schwaches Grollen,
die vertrauten Geräusche des Werktags kehren zurück.
Die Abendsonne leuchtet gleißend,
durchdringt die reingewaschene Atmosphäre.
Aktivitäten und Alltag nehmen wieder Fahrt auf,
das Leben geht seinen Gang.
Gerd Lüttgen
