„1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“
Sonderdruck zum Gedenkjahr
Die Israelitische Heil- und Pflegeanstalt (Jacoby’sche Anstalt) Bendorf-Sayn 1869-1942- von Dietrich Schabow
Bendorf. Auf dem Gebiet der heutigen Stadt Bendorf (Bendorf und Sayn) gab es im 19. Jahrhundert und in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts vier Heil- und Pflegeanstalten für nerven- und gemütskranke Menschen. Diesen war 2009 eine Ausstellung im Rheinischen Eisenkunstguss-Museum gewidmet, außerdem gab es ein Begleitbuch, das aber inzwischen vergriffen ist. Von dem Einzelbeitrag über die Israelitische Heil- und Pflegeanstalt (Jacoby’sche Anstalt) wurde jetzt eine kleine Auflage als Sonderdruck, eine Broschüre von ca. 40 Seiten mit 27 Abbildungen und einigen Tabellen, neu aufgelegt.
Meier Jacoby, der nebenamtlich als Religionslehrer und Kantor der Synagoge Bendorf tätig war, besuchte häufig jüdische Patienten in den Bendorfer Anstalten und erfuhr von ihnen, dass sie koschere Kost und jüdische Riten vermissten. Außerdem seien sie von einigen „Patienten und Wärtern wegen ihres Glaubens verspottet und gehänselt“ worden. Jacoby nahm deshalb einige jüdische Patienten in sein Haus auf. Dies fand bald so viel Zuspruch aus allen Teilen Deutschlands und aus dem benachbarten Ausland, dass er bald eine neue, größere Einrichtung an der Koblenz-Olper-Straße (heute Hausnummer 39) erbauen ließ. 1893 hatte es bereits 114 Patienten, darunter sogar eine kleine Abteilung mit Schule für Kinder. Die nationalsozialistische Judenverfolgung wirkte sich für die Jacoby’sche Anstalt in den ersten drei Jahren nach 1933 noch relativ wenig aus, weil sogar die Staatspolizei Koblenz die jüdische Heil- und Pflegeanstalt einen Faktor von „erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung“ nannte, den man nicht aufgeben wolle. Allerdings heißt es im Brief des Patienten Rudolf Ems vom 10. Dezember 1938 an seine Familie: „Alles steht hier unter dem Eindruck der Bestimmungen gegen die Juden, und alles ist kopflos.“ 1940 wurde vom Innenministerium bestimmt, dass jüdische Patienten nur noch in Sayn aufgenommen bzw. aus anderen Einrichtungen nach Sayn verlegt werden müssten. Es handelte sich dabei, wie wir heute wissen, um die Vorbereitung der Deportationen des Jahres 1942, der 573 Frauen, Männer und Kinder zum Opfer fielen. Sie wurden in fünf Transporten in die Vernichtungslager des Ostens gebracht und dort ermordet.
Die vorliegende Broschüre stellt die Geschichte der Jacoby’schen Anstalt von 1869 bis 1942 dar und informiert über die spätere Verwendung der Gebäude. Sie stellt einen Beitrag zum Gedenkjahr „1700 Jahre Geschichte der Juden in Deutschland“ dar, das 2021 begangen wird.
Erhältlich im Bendorfer Buchladen; im Eisenkunstguss Museum, Bendorf-Sayn und in der Buchhandlung Reuffel, Koblenz zum Preis von 4 Euro.