Allgemeine Berichte | 15.04.2015, 11:38 Uhr

Uni Bonn bei der EXPO

Spezialisten für artgerechte Milchviehhaltung

Nirgendwo geht es Kühen besser als im Forschungscontainer des Zentrums für Integrierte Milchforschung CIDRe. Der Container kann ab 1. Mai auf der Expo in Mailand besucht werden. Marcus Gloger/Uni Bonn
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Bonn. Am 1. Mai öffnet die Weltausstellung EXPO 2015 in Mailand. Unter dem Motto „Feeding the Planet, Energy for Life“ stellen 144 Nationen und drei internationale Organisationen bis 31. Oktober ihre Beiträge vor.

Das Zentrum für Integrierte Milchwirtschaftliche Forschung (CIDRe) der Universität Bonn ist Forschungspartner der ARGE Deutscher Pavillon bei der EXPO Milano 2015. Anhand der von den Wissenschaftlern zur Verfügung gestellten Exponate wird im Themenraum „Lebensmittel“ im Deutschen Pavillon unter anderem gezeigt, wie eine ausgewogene und nachhaltige Milchwirtschaft der Zukunft aussehen kann.

Der Pavillon präsentiert Deutschland unter dem Titel „Fields of Ideas“ als eine lebendige, fruchtbare Landschaft voller Ideen. Auf 2.680 Quadratmeter Ausstellungsfläche macht der Pavillon erlebbar, wie bedeutsam ein wertschätzender Umgang mit der Natur für die Ernährung der Zukunft ist. Die Architektur greift die deutsche Feld- und Flurlandschaft in stilisierter Form auf: Ein Gebäude als sanft ansteigende Landschaftsebene mit einer Dauerausstellung im Inneren.

Die Besucher begeben sich im Pavillon auf eine Reise durch Boden, Wasser, Klima, Artenvielfalt und erleben deren Bedeutung für unsere Ernährung. Container, die in die Fassade integriert sind, öffnen den Besuchern erste Einblicke in die Ausstellung und in innovative Forschungsprojekte aus Deutschland. Exponate des Zentrums für Integrierte Milchwirtschaftliche Forschung (CIDRe) der Universität Bonn werden in einem dieser Container präsentiert. Sie machen die Forschung für eine Milchviehhaltung der Zukunft erlebbar.

Artgerechte Milchviehhaltung im Blick

Der Forschungscontainer im Themenbereich Lebensmittel vermittelt einen Eindruck, was das interdisziplinäre Wissenschaftlerteam der Universität Bonn in ihrem Hightech-Stall der Zukunft erforscht. Besucher sehen das ab-strahierte Abbild einer Kuh, das mit zahlreichen Sensoren ausgestattet ist, wie sie auch die Forscher in ihrem Projekt verwenden. Die Messfühler erfassen zum Beispiel die Bewegungen der Tiere, die Herzfrequenz, die Wiederkauaktivität sowie die aufgenommene Futter- und Wassermenge automatisch und leiten sie an ein Computerterminal zur Auswertung weiter.

„Wenn ein Bauer nur vier Kühe im Stall versorgen muss, kennt er jede einzeln und kann zum Beispiel anhand von Verhaltensänderungen frühzeitig feststellen, wenn mit einem Tier etwas nicht in Ordnung ist“, sagt CIDRe-Tierärztin Dr. Susanne Plattes. „Bei 80 Kühen ist das nicht mehr möglich - dann wachen die Sensoren über das Wohl der Tiere.“ Zufriedene und gesunde Kühe geben auch bessere Milch, sind die Forscher überzeugt. Die Wissenschaftler der Universität Bonn erforschen deshalb, wie sich anhand der Sensordaten frühzeitig Abweichungen vom Normalzustand erkennen lassen. „Jede Kuh ist ein Individuum - zum Beispiel das Muster des Herzschlags ist von Tier zu Tier unterschiedlich“, berichtet CIDRe-Sprecher Prof. Dr. Wolfgang Büscher. Vor diesem Hintergrund sei es eine Herausforderung, aus den vielen Sensordaten zu filtern, ob mit einem bestimmten Tier etwas nicht in Ordnung ist. Verringerte Futteraufnahme kann zum Beispiel anzeigen, dass ein Tier unter einem beginnenden Infekt leidet, verstärkte Bewegung und erhöhter Herzschlag können dagegen ein Stresssymptom sein. Im Forschungscontainer in der Ausstellung des Deutschen Pavillons werden auf einem Touchscreen die Sensoren anhand von zusätzlichen Informationen erläutert.

Die Exponate verdeutlichen die Vision der Wissenschaftler: „Wir wollen weg vom Feuerwehrtierarzt und hin zum Gesundheitsmanager für Kühe“, bringt es Dr. Plattes auf den Punkt. Das Sensorsystem soll helfen, vorbeugend das Wohlbefinden der Tiere im Blick zu haben – Wellness für die Milchkuh.

Das EXPO-Gelände entsteht in der Nähe der Mailänder Messe. Universale Weltausstellungen, sogenannte große EXPOs, finden alle fünf Jahre statt. Die Ausrichtung der Weltausstellungen hat sich im Laufe der Zeit geändert.

War sie in ihren Anfängen eine industrielle und kunsthandwerkliche Leistungsschau, geht es heute um globale Herausforderungen und zukunftsorientierte Lösungen.

Die Beteiligten

Im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie hat die Messe Frankfurt die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Pavillon EXPO 2015 Mailand (ARGE) mit der Realisierung des Deutschen Pavillons betraut. Die ARGE verantwortet als Generalübernehmer die Planung und den Bau des Deutschen Pavillons sowie die Ausstellung.

Dabei zeichnet Schmidhuber aus München für das räumliche Konzept, Architektur und Generalplanung verantwortlich, Milla & Partner aus Stuttgart für das inhaltliche Konzept sowie für die Gestaltung von Ausstellung und Medien. Nüssli aus Roth bei Nürnberg übernimmt das Projektmanagement und die Bauleistung.

Online-Informationen zum Projekt der Uni Bonn: www.CIDRe.uni-bonn.de.

Nirgendwo geht es Kühen besser als im Forschungscontainer des Zentrums für Integrierte Milchforschung CIDRe. Der Container kann ab 1. Mai auf der Expo in Mailand besucht werden. Foto: Marcus Gloger/Uni Bonn

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