Special Olympics („SO“) Rheinland-Pfalz - Erstes inklusives Sportfest für Menschen mit oder ohne (geistiger) Behinderung
Sport ist für alle da!
Mülheim-Kärlich. Erstmalig bot der Verband Special Olympics („SO“) Rheinland-Pfalz ein inklusives Sportfest für Menschen mit (geistiger) und ohne Behinderung an. Die im Schul- und Sportzentrum Mülheim-Kärlich abgehaltenen Sommerspiele standen unter dem Motto „gemeinsam stark“. Kostenfrei konnten Sportinteressierte jedes Alters teilnehmen an Wettbewerben und inklusiven Mitmach-Angeboten sowie an dem SO-Gesundheitsprogramm. Trotz mehr als dreißig Grad Außentemperatur waren vierhundert Aktive aus der Region nach Mülheim-Kärlich gekommen, um sich an den einzelnen Sportstätten in den unterschiedlichsten Sportarten auszuprobieren und Stempel zu sammeln, die am Ende des Tages Stolz und Ehre einbrachten.
Vor den Wettbewerben stand die einstündige Eröffnungsfeier. Sie bot den würdigen Auftakt für das sportliche Highlight in Mülheim-Kärlich. Als „inklusives Moderatorenpaar“ führten Stefan Zeidan (Beschäftigter der Rhein-Mosel-Werkstatt in Koblenz) und „Tom“ Theisen durch das Programm, das musikalisch vom Musikverein Urmitz mit viel Spielfreude begleitet wurde.
Nachdem die wichtigsten Ehrengäste begrüßt waren, widmeten sich die „Konfetti-Dancers“, die Rollstuhltanzgruppe eines Mendiger Caritas-Zentrums, in einer hübschen Performance dem Thema „venezianische Gondeln“. Ein weiterer Höhepunkt der Eröffnungsfeier war der Auftritt der Cheerleader der „Coblenzer Turngesellschaft 1880“.
Menschliche Pyramiden und Luftakrobaten
Mit menschlichen Pyramiden und akrobatisch durch die Luft fliegenden Damen landeten sie einen Volltreffer bei dem besten Publikum, das man sich wünschen kann. Es feuerte an, klatschte den Rhythmus und spendete begeisterten Applaus. Außerdem gehörten zum Programm zwei kurze Talkrunden. Stefan Zeidan interviewte Sponsoren, Unterstützer und SO-Mitarbeiter. Talkpartner waren neben dem Schirmherrn der Sommerspiele, Thomas Przybylla (Bürgermeister der Verbandsgemeinde Weißenthurm), Staatssekretär Randolf Stich, Burkhard Schappert (Präsident SO Rheinland-Pfalz), Achim Reick (Sparkasse Koblenz), Schulleiterin Klaudia Heck-Ritter, Schulleiter Gerhard Müller (Realschule Plus an der Römervilla), Florian Abel (Athletensprecher SO Rheinland-Pfalz), Matthias Rösch (Landesbehindertenbeauftragter) und Jochen Borchert (Präsident Landessportbund).
150 Ehrenamtliche sorgen für das Gelingend er Veranstaltung
Übereinstimmend erklärten sie, dass es für sie eine Selbstverständlichkeit war, mitzumachen, zu helfen und zu unterstützen. Besondere Anerkennung erlangen die Ehrenamtler, die insgesamt 150 Helfer, die bei Vorbereitung und Durchführung der Spiele mit viel Engagement dabei waren. Gelobt und für unterstützenswert befunden, wurde auch die Umsetzung der Idee zu dieser Sportveranstaltung, bei der Menschen mit Behinderung eine Vorbildfunktion für andere erfüllen.
Zudem verhelfe der sportliche Wettbewerb den Teilnehmern zu mehr Anerkennung, Selbstbewusstsein und dazu, zwischenmenschliche Beziehungen zu stärken, Kontakte und Freundschaften zu pflegen. Schappert hofft gar, dass der Tag der SO-Sommerspiele zu einem Leuchtturmprojekt wird. Staatssekretär Stich betonte, welch hohen Stellenwert Inklusion für die Landesregierung habe. Die in diesem Sinne bedeutende Arbeit des Special-Olympics-Verbandes fördere Rheinland-Pfalz daher mittlerweile mit einem Betrag in Höhe von 125.000 Euro.
Fackel und Hymne sorgten für feierliche Stimmung
Richtig feierlich wurde es dann, als die Sommerspiele mit dem Hereintragen von Fackel und Fahne, dem Sprechen des Eides und dem Spielen der SO-Hymne offiziell eröffnet wurden.
„Ich will gewinnen, doch wenn ich nicht gewinnen kann, will ich mutig mein Bestes geben“ ist der exakte Wortlaut des Eides, der herausstellt, dass es nicht um das Siegen geht, sondern um das Mitmachen, um die im Miteinander erlebte Freude und die Begeisterung an der Bewegung. So heißt es auch im Refrain der Hymne „ich gewinn – egal, ob ich Letzter, Zweiter oder Erster bin!“
Vor diesem Hintergrund wird am Ende des Sporttages tatsächlich jeder Teilnehmer für seine erbrachte Leistung geehrt. Die wurde mithilfe von Karten dokumentiert, auf denen sich nach Durchlaufen der verschiedensten Disziplinen Stempel an Stempel reihten. Als Anreiz, bis zum Schluss dabei zu bleiben, lobte der Veranstalter zusätzlich Lose aus, mit denen neben den Auszeichnungen hochwertige Preise, wie beispielsweise ein 800-Euro-Reisegutschein, zu gewinnen waren.
Nach dem vom Musikverein Urmitz gespielten „One Moment in Time“ ging es für die langsam schon ungeduldig werdenden Sportler endlich zur Sache. Ob einzeln, in Gruppen oder als inklusive Paare suchten sie die Sportstätten auf, wo Helferteams bereitstanden, um zu erklären, zu assistieren und zu werten.
An jeder Station konnten sich die Sportler am bereitstehenden Trinkwasser bedienen. Die freiwilligen Helfer achteten zudem sehr genau auf die ausreichende Einhaltung von Pausen, damit die hochsommerliche Hitze niemandem gesundheitlichen Schaden zufügte. Neben den mehr amateurmäßig angebotenen Disziplinen wie Tennis, Boccia, Leichtathletik, Schwimmen oder dem inklusiven Fußball-Trainingscamp mit anschließendem Turnier fand in der Sporthalle sogar ein offizieller SO-Judo-Wettbewerb statt für die aus Speyer angereisten Judokas mit geistiger Behinderung.
Im wettbewerbsfreien, spielerischen Angebot galt es beispielsweise einen Klettball in das Schwarze einer riesigen Dartscheibe zu schießen, Boulekugeln aus Sandsäckchen möglichst nah an das grinsende Schweinchen zu werfen, oder schwere Kugeln so weit wie möglich wegzustoßen. Im inklusiven Tandem-Lauf übertraf sich Oskar gerade selbst auf der Tartanbahn, Johanna schaffte im Ball-Weitwurf beim zweiten Anlauf gleich zehn Meter und beim inklusiven Tennisspiel ließen die Athleten eifrig die Bälle fliegen.
Athleten schwammen gemeinsam über 60.000 Meter
Eine besondere Leistung wurde aus dem Tauris-Schwimmbad gemeldet. Auf den drei, für die SO-Athleten abgeteilten Bahnen legten die Teilnehmer mit und ohne Behinderung gemeinsam über 60.000 Meter zurück. Obenauf gab es von der Bürgerstiftung der Verbandsgemeinde für jede geschwommene Bahn eine Spende von 15 Cent zugunsten von Special Olympics.
Nach der Abschlussfeier am Abend, zu der der Gute-Laune-Künstler „Torty de Banana“ begrüßt werden konnte, sah man bei Sportlern und Helfern gleichermaßen ermattete, aber glückliche Gesichter. „Bei optimalen Bedingungen erlebten wir einen tollen inklusiven Tag des Sports und der Begegnung. Dieser Erfolg ruft förmlich nach Wiederholung“, so Wilfried Kootz, Medienverantwortlicher des Landesverbandes. Da darf man sich also freuen auf das nächste Jahr, wenn die SO-Landesspiele nach Koblenz kommen.
BSB
Das Gleichgewicht wurde ebenfalls geschult.
