Hochwasser an der Mittelahr
Spuren der Verwüstung
Besonders hart hat es die Campingplätze an der Ahr von Ahrbrück bis Altenahr getroffen
Mittelahr. Der Morgen des 2. Juni, als die Ahr und die Bäche in ungewöhnlich kurzer Zeit und ohne Vorwarnung über die Ufer traten und ihr Unheil anrichteten, wird bei vielen Menschen an der Mittelahr noch lange Zeit böse Erinnerungen hervorrufen. Das versetzte nicht nur die Anrainer der Gewässer in Angst und Schrecken, sondern auch die gesamte Feuerwehr innerhalb der Verbandsgemeinde Altenahr, die ab den Nachtstunden pausenlos im Einsatz war. Vorneweg und mittendrin waren der oberste Chef der Wehren, der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Altenahr Achim Haag und der Wehrleiter Frank Linnarz sowie die Wehrführer und Löschgruppenführer mit all ihren zur Verfügung stehenden ehrenamtlichen Feuerwehrleuten. Da ging es teilweise zu wie beim Hausarzt, wo pausenlos die Hilfsanrufe kamen und die Feuerwehr Keller und Wohnungen auspumpen musste, und da wurden die Anruflisten regelrecht abgearbeitet, sodass manche sogar etwas ungehalten auf die Feuerwehr warteten, so Bürgermeister Haag. Aber wenn das Hochwasser so schnell überall ist, kann auch die Feuerwehr nicht gleichzeitig überall im Einsatz sein.
Trauung von Altenahr nach Hönningen verlegt
Es gab immerhin auch einen glücklichen Moment: Nachdem am frühen Morgen ein junges Brautpaar in Hönningen die Nachricht erhielt, dass die vorgesehene Trauung im Rathaus in Altenahr nicht stattfinden könne, gab es bald Entwarnung. Bürgermeister Achim Haag hatte die Lösung gefunden und die Trauung trotz einiger Schwierigkeiten ins Gemeindehaus nach Hönningen verlegt. So konnte das junge Glück im wahrsten Sinne des Wortes doch noch den sicheren Hafen der Ehe anlaufen, wo Bürgermeister Haag als Standesbeamter im Feuerwehr-Arbeitsanzug dem jungen Paar das Ja-Wort abnahm, das so am Abend in die Flitterwochen starten konnte. Hier bleibt das Hochwasser wohl prägend in guter Erinnerung, obgleich viele Menschen an der Mittelahr große Teile ihres Hab und Guts nur noch dem Sperrmüll zuführen konnten, wobei auch viele ideelle Werte unwiederbringlich verloren gegangen sind, sodass der Schmerz tief sitzt. Zuerst galt es, wo immer die Keller und Wohnungen unter Wasser standen, mit dem abfließenden Wasser schnell den Schlamm zu beseitigen, und auch die Nachbarn und freiwilligen Helfer waren gleich mit im Einsatz, sodass keiner allein gelassen wurde. Eines hörte man immer wieder: Dass sich kaum jemand an ein solches Ausmaß von Hochwasser erinnern konnte, da die ganz große Hochwasserkatastrophe in das Jahr 1910 zurückführt. Dass die Ahr immer mal wieder Hochwasser führt und stark ansteigt, wissen auch die Campingplatzbetreiber sowie Dauer- und Saisoncamper entlang des ansonsten idyllischen Flusslaufes der Ahr, aber da konnte immer noch reagiert werden, und die Schäden hielten sich in Grenzen. Nicht bei diesem Hochwasser, wo die Ahr in voller Strömung über die Campingplätze lief, die Wohnwagen und Vorzelte flutete und sogar auf dem Europa Campingplatz Wohnwagen mit in die Fluten riss. Seit 15 Jahren betreibt Gerd Leyendecker als Pächter den Campingplatz „Gut Pützfeld“ und hat so etwas noch nicht erlebt. Zum Glück konnte er noch in der Nacht alles, was in der Gaststätte nicht fest am Boden verankert war, auf Stühle und Tische und auf die Theke bringen, sodass wenigstens etwas gerettet wurde, wobei das Wasser überall fast knietief stand. Für die Aufräumarbeiten für den Mieter und all die überwiegenden Dauercamper hatte der Abfallwirtschaftsbetrieb der Kreisverwaltung einen Container auf den Platz gestellt und so kostenlos die Entsorgung des angefallenen Sperrmülls organisiert, so wie auch auf den anderen Campingplätzen.
Elementarversicherungen sind kaum abzuschließen
Auf den Kosten für das, was beschädigt wurde - und das ist gerade in den Gaststättenbereichen auf den Campingplätzen enorm viel -, bleiben allerdings alle alleine sitzen, da Elementarversicherungen für Campingplätze in direkter Nähe zur Ahr kaum abzuschließen sind. Schlimm hat es auch den Campingplatz in Kreuzberg und „Viktoria Station“ getroffen, wo sogar eingeschlossene Camper mit dem SAR-Hubschrauber gerettet und ausgeflogen wurden. So auch auf dem Campingplatz Altenahr, wo einige Camper auf die Anhöhe der Maternuskapelle geflüchtet waren und ebenfalls mit dem Hubschrauber aus der Gefahrenzone geholt wurden. Sogar den Campingplatz im Denntal in Ahrbrück hatte es erwischt, und hier war es nicht einmal der Dennbach, sondern ein kleines Seitenbächlein, das in Windeseile zum Wildbach anschwoll und den Campingplatz unter Wasser setzte. Auf allen Campingplätzen in der Verbandsgemeinde Altenahr und auch in den stark betroffenen Orten wie Altenburg, Kreuzberg und Ahrbrück war die gegenseitige Hilfe groß, hier wurde nicht gefragt, hier wurde angepackt und geholfen, und das auch noch Tage danach, in denen die Aufräumarbeiten kein Ende nahmen. Am Samstag fuhr bei den ersten Aufräumarbeiten überraschend die „Ahrtaler Feldküche“ auf den Campingplätzen vor und versorgte die Helfer kostenlos mit einer kräftigen Gulaschsuppe, die dankend angenommen wurde. Die Hilfe war überall zu sehen und zu spüren, und es wurden überall Spendenkonten eingerichtet oder auch in den Kirchen Sonderkollekten durchgeführt, damit keiner ganz allein gelassen wird. Wenn man sich auf das Fahrrad setzt und die wunderschönen Radwege entlang der Ahr nutzt, sieht man erst, mit welcher Gewalt das Wasser mächtige Baumwurzeln, ganze Baumstämme und Weiden transportiert und unglaubliche Mengen von Hausrat in die Böschungen befördert hat. Jetzt, wo die Aktion „sauberer Kreis Ahrweiler“ gerade erst von unzähligen freiwilligen Helfern beendet wurde, steht bestimmt die nächste wieder an, denn all der Unrat muss aus den Böschungen und vor den Brückenlagern entfernt werden. Es gibt also in nächster Zeit noch viel zu tun.
UM
Zum Glück konnte noch vieles hochgestellt werden.
Unrat säumt nun das Ahrufer.
