Stadtratssitzung in Linz
Stadt bewirbt sich um den Titel „Fair Trade Stadt“
Mit dem einstimmigen Ratsbeschluss ist auch die letzte der fünf Voraussetzung erfüllt
Linz. Bereits seit 2014 ist Linz „Fair Trade Stadt“, allerdings nicht die Bunte Stadt am Rhein, sondern die gleichnamige Partnerstadt an der Donau. Nun hat der Stadtrat, wie schon einige Wochen zuvor der Verbandsgemeinderat Linz einstimmig beschlossen, sich den fairen Handel zu unterstützen und fair gehandelte Produkte bei Sitzungen der städtischen Gremien anzubieten. Außerdem bewirbt sich die Stadt bei dem Verein TransFair in Köln als Fair-Trade-Town. Beschlossen, den Titel „Fair Trade Stadt“ anzustreben, hatte der Stadtrat bereits auf Anregung des Vereins „Eine-Welt Linz“ im April vor zwei Jahren.
„Für eine erfolgreiche Bewerbung mussten jedoch neben dem heute anstehenden Ratsbeschluss zur Unterstützung des fairen Handels noch vier weitere Bedingungen erfüllt werden“, erinnerte Stadtbürgermeister Hans Georg Faust auf der Ratssitzung. Dazu zählen die Vermarktung von Fairtrade-Produkten im Einzelhandel sowie in der Gastronomie, das Angebot von Fairtrade-Produkten in öffentlichen Einrichtungen, mindestens vier Medienberichte pro Jahr über Fairtrade-Aktionen in der entsprechenden Stadt und die Einrichtung einer lokalen Steuergruppe. Die letztgenannte Bedingung hatte der Stadtrat, der mit Peter Gillrath in der achtköpfigen Steuergruppe vertreten ist, bereits erfüllt. „Und mit den Zusagen von Restaurants, Geschäften und Einzelpersonen, den fairen Handel aktiv zu unterstützen, haben wir mehr Partner als gefordert“, so Hans Georg Faust.
Linz sei ja nicht die einzige Stadt, die sich um diesen Titel bewerben, sondern folge mit diesem Bestreben etwa Unkel oder dem Kreis Neuwied, erinnerte Peter Gillrath, der keinen Grund erkennen konnte, dem Antrag nicht zuzustimmen. Das sah auch sein Parteifreund Bruno Hoppen (CDU) so. „Die Skepsis, mit der wir vor zweieinhalb Jahren immerhin einstimmig ohne Gegenstimme das Ziel ins Auge gefasst haben, dürfte sich als unbegründet erwiesen haben“, hob er hervor. Fraglich sei nur noch, wer die Fairtrade-Aktionen organisieren solle, über die in der Presse berichtet werden müsse. Da aber wusste Hans-Joachim Schmitz Rat, der zusammen mit seinen Stellvertretern, Annette Förster und Toni Derek, dem 2012 gegründeten Verein „Eine-Welt Linz“ vorsteht.
„Wir treten vor allem seit der Eröffnung des Eine-Welt-Ladens in der Rheinstraße 3 b im März vor fünf Jahren mehr und mehr mit Aktivitäten nach außen wie etwa mit den den Fairen Wochen. Und seitdem die ‚Kampagne Fair Trade Town‘ in Linz in Angriff genommen worden ist und die Steuerungsgruppe auf Einzelhändler, Restaurants, Cafes, Verwaltungen, Firmen, Schulen, Vereine, sowie auch auf kirchliche Gruppe zugeht, können wir festzustellen, dass die Bereitschaft in der Bevölkerung mitzumachen recht groß ist. Offensichtlich konnten wir immer mehr Menschen von der Notwendigkeit überzeugt, dass der Bevölkerung im Globalen Süden mit dem Kauf von fair gehandelten Produkten wirksam geholfen werden kann, sich lebenswürdige Bedingungen zu erarbeiten“, berichtete Hans-Joachim Schmitz. Mit der finanziellen Unterstützung der Stadt sei es kein Problem, medienwirksame Veranstaltungen und Aktionen zu organisieren. „So planen wir etwa einen ‚Fairen Einkaufsführer“ herauszugeben, in dem die Geschäfte aufgelistet sind, in denen fair gehandelte Waren wie Kaffee, Kakao und Tee, Honig, Marmelade und Schokoladen in großer Vielfalt, Reis und Gewürze sowie Säfte, Öl und Wein angeboten werden“, erklärte der Vorsitzende. Außerdem werde man bei der Überreichung des Zertifikats von TransFair an die Stadt am 7. April einen entsprechenden Markt organisieren, auf dem nur faire Produkte angeboten würden, ergänzte Hans-Joachim Schmitz.
Die Grundidee des Fairen Handels sei noch nie so wichtig wie heute in Zeiten der Migration gewesen, hob der SPD-Fraktionsvorsitzender Dieter Lehmann hervor. Menschen in Afrika, Lateinamerika und Asien erhalten durch Fairtrade-Standards die Möglichkeit, ihre Dörfer und Familien aus eigener Kraft zu stärken und ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen nachhaltig zu verbessern. Fairtrade-zertifizierte Kooperativen von Bauern und Plantagen erhalten für ihre Produkte ein stabiles Einkommen, im Minimum den gesetzlichen Mindestlohn, und profitieren unter anderem von Schutzkleidung, bezahlten Urlaub und sozialer Vorsorge. „Fairer Handel hat zwei Gewinner, die Verbraucher und die Erzeuger, deren finanziell oft katastrophale Lage wir zumindest tendenziell als Fair Trade Town etwas entschärfen können. Wenigstens diesen klitzekleinen Beitrag zur Armutsbekämpfung sollten wir tun“, warb Dieter Lehmann für den Antrag, sich als Fair-Trade-Trown zu bewerben. Das sah auch Anja Birrenbach (Bündnis 90/Die Grünen) so die der Steuergruppe für ihre Arbeit dankte, bevor sie an die Bürger appellierte, nicht nur häufiger an Fair-Trade-Produkte zu denken, sondern diese auch zu kaufen.
DL
