Allgemeine Berichte | 27.07.2021

Helenensaal ist zentrale Sinziger Anlaufstelle für Hilfsgüter

Stadt und engagierte ehrenamtliche Helfer arbeiten Hand in Hand

Vor allen Dingen Kindernahrung und Kleidung sind stark nachgefragt

Angebot wie in einem Kaufhaus: Der Saal ist voller gut sortierter Sachspenden. Fotos: BL

Sinzig. Der altehrwürdigen Helenensaal hat seit seinem Bau im Jahre 1910 viel miterlebt. Er war Ort für Bälle und gesellschaftliche Veranstaltungen aller Art. Feste und Ausstellungen gingen über die Bühne. Aber er war vor allem Heimat und gute Stube des Sinziger Karnevals und der Närrischen Buben. Dass der altehrwürdige Saal einmal eine Karriere als Notunterkunft und zentrale Verteilstelle für Hilfsgüter für Flutopfer spielen würde, konnte niemand sagen.

Dafür hat dann die Flutkatastrophe in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli gesorgt. Eigentlich sollte der Saal zunächst nur als Notunterkunft für obdachlos gewordene Flutopfer dienen. Doch diese Karriere war kurz. Zwar suchten im Laufe des Donnerstags obdachlos gewordene Flutopfer den Saal auf, aber die konnten ganz schnell auf umliegende Notunterkünfte, Ferienwohnungen oder Hotels verteilt werden. Obwohl man vorbereitet war hat der Helenensaal auch in dieser Notsituation eigentlich nie als Notunterkunft gedient. Doch in Sinzig „war es rund“, dass es im Helenensaal wohl notleidenden Menschen gibt. Und es entwickelte sich eine große Welle von Hilfsbereitschaft in Form von Sachspenden, die eine große Eigendynamik entwickelte. Die wollte man bei der Stadt keineswegs abwürgen, sondern kanalisieren. Und so wurde der Saal dann in Zusammenarbeit zwischen der Verwaltung. der Närrischen Buben und vielen weiteren ehrenamtlichen Helfern zur zentralen Verteilstelle für Hilfsgüter in Sinzig.

BLICK aktuell warf einen Blick in den Saal, der mehr eines sehr gut sortierten Kaufhaus gleicht. Die Helfer vor Ort,, vor allen Dingen die ehrenamtlichen sind sehr auskunftsbereit und gesprächsbereit stellen aber eines von vornherein klar. „Bitte keine Namen und bitte keine Fotos, dass wir helfen ist selbstverständlich.“

Hilfelieferungen in Minutentakt

In den ersten Stunden und Tagen kamen Hilfslieferungen im Minutentakt an, manchmal aus dem Kofferräumen, aber auch aus vollgeladenen Lieferwagen und kleinen LKW. Mit viel Arbeit machte man sich daran, das Chaos zu sortieren. Im jetzigen Zustand ist alles wohlgeordnet und die Kleidung zum Beispiel nach Sorten und Größen fein sortiert. „Aber bis dahin war es auch ein weiter Weg und viel Arbeit“, wie es aus den Reihen der vielen Helfer heißt. Das Sagen vor Ort hat Sinzig Beigeordneter Roland Janik. Doch der zieht sich den Hut als Chef erst gar nicht so richtig an. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung arbeiten so vorbildlich, wie die ehrenamtlichen Helfer, die Sache läuft einfach nur perfekt rund“, so Janik der sich darauf verlegt hat im Hintergrund etwas zu telefonieren und zu organisieren und das ein oder andere große Problem aus dem Weg zu räumen. Ins operative Tagesgeschäft im Saal mischt er sich gar nicht ein.

Am Freitag ist es im Saal in Sachen Kundschaft eher erstaunlich ruhig. „Die meisten Menschen, die etwas brauchen kommen erst gegen Abend“, haben die international sehr gut aufgestellten Helfer festgestellt. Der Helenensaal ist täglich von 8 bis 18 Uhr für alle Hilfe suchenden geöffnet und dies wird auf absehbare Zeit auch so bleiben.

Bei der Helferschar ist man von der großartigen Welle der Hilfsbereitschaft übrigens sehr angetan und überwältigt. Nur zur Zeit ist der Saal und viele Nebengebäude eigentlich komplett gefüllt. „Sachspenden haben wir genug.“ Doch die Helfer haben nicht nur positive Erfahrungen gemacht. Es gibt da schon ein Unterschied, ob man wirklich tragfähige Kleidung spendet, oder nur seine Altkleider entsorgt“, heißt es da durchaus kritisch.

Und am Eingang werden die Personalausweise kontrolliert: „Es gab da plötzlich verdächtig viele Autos mit fremden Kennzeichen, aber die Hilfsgüter sind ja nun wirklich nur für die Betroffenen,“ sagt man dazu im Saal. Man weiß genau, welche Straßenzüge vom Hochwasser betroffen waren und welche Keller auch im weiteren Umfeld noch geflutet worden. Notfalls gibt es einen schnellen Telefonkontakt zu Verwaltung oder Feuerwehr.

Spielzeug, Babynahrung, Hygieneartikel und vieles mehr ist vorhanden

Gefragt ist im Saal vor allen Dingen „Kinderkram“: Soll heißen Babynahrung, Windeln und auch Kinderkleidung und natürlich Spielzeug aller Art. Denn genau dieser Kinderkram wird bei beengten Wohnverhältnissen ja gerne im Keller oder in Garagen ebenso wie das Spielzeug gelagert. Und die wurden ja meist von der Ahr geflutet. An den sogenannten Spieltischen mit Kinderspielzeug gibt es dann auch die glänzendsten Augen. Ein kleiner Junge findet einen kleinen Spielzeuglaster, der fast genauso aussieht, wie jener, den Ahr in der Katastrophennacht getraut hat. „Es gibt viele leuchtende Kinderaugen und große Dankbarkeit, so hat es Roland Janik erlebt.

Wie gesagt die Helferschar ist sehr international aufgestellt, und obwohl es wohl keinen Deutschkurs gibt, der das schöne rheinische Wort „Schlabberlätzchen“ vermittelt, versteht man, was eine junge Mutter mit Kleinkind auf dem Arm und viel Gestik wünscht. Schnell werden einmal Exemplare aus Papier gefunden aber in der Helferszene weiß man ganz genau das irgendwo unter den Tischen ein Karton mit Schlabberlätzchen steht, die werden gesucht und auch ziemlich zügig gefunden. Mutter und Nachwuchs greifen beherzt ein paar besonders farblich schöne Exemplare heraus und ziehen zufrieden von dannen.

Stark nachgefragt wie gesagt vor allen Dingen auch Babynahrung und Hygieneartikel jeder Art. Duschgel und auch Shampoo sind noch auf zwei Exemplare pro Person rationiert aber reichlich und in sehr großer Auswahl vorhanden. „Wir haben noch reichlich Lagerbestände und können ständig nachräumen“, heißt es aus der großen und engagierten Helferschar. Davon haben sich einige bewusst freiwillig gemeldet andere sind über Familie und Freunde sozusagen reingerutscht, aber ebenso mit Feuereifer bei der Sache.

Hilfsorganisatoren sind gut vernetzt

Hin und wieder kommen die Hilfsdienste wie DRK und THW mit einer kleinen Einkaufsliste vorbei vor allen Dingen ältere Mitmenschen scheuen sich aus Angst, ihre Wohnung überhaupt noch zu verlassen. Und ebenso spontan, wie der Helenensaal als zentrale Verteilstelle für Hilfsgüter entstanden ist, hat sich auch die Vernetzung zu Stützpunkten und Hilfsorganisationen oft auch privater Art entwickelt. Man weiß über die Ausgabestellen in der Bad Bodendorfer Grundschule und in der Schützenhalle, oder im HoT, ebenso wie über das riesige Warenlager in einem Pflanzenzuchtbetrieb gegenüber der Remagener Feuerwehr. „Wir sind alle blendend vernetzt, und wenn irgendwo was fehlt, hilft man sich natürlich aus“, heißt es dann nur lapidar aus der Helferschar, die diese logistischen Herausforderungen, ebenfalls mit Bravour annimmt.

Neue Hilfsgüter werden zur Zeit nicht gebraucht

Neue Hilfsgüter werden zur Zeit nicht gebraucht, betont auch Roland Janik der hat noch eine ganz persönliche Anmerkung. „Ob es im Hochsommer so eine grandiose Idee ist warme Winterjacken und dicke Pullover zu spenden sei ebenfalls dahingestellt“.

Der Helenensaal als zentrale Stelle für Hilfsgüter wird zunächst einmal bis auf weiteres Bestand haben, denn der Sinziger Beigeordnete rechnet mit einer zweiten Welle der Hilfsbedürftigkeit. „Bei warmem Wetter und wenn die Bautrockner ihre Arbeit gemacht haben, werden die Menschen sich wieder einrichten wollen. Und dann wird es wahrscheinlich einen großen Bedarf an Küchengeräten, Geschirr oder auch Bettwäsche geben“, ist eine seiner Prognosen. Sollte dabei Bedarf entstehen, wird die Stadt Sinzig dies zeitnah über E-Mail und die sozialen Medien bekannt geben. „Und niemand sollte sich scheuen oder schämen, die Hilfe aus unserem gut sortierten Sortiment anzunehmen“, sind sich die Helfern, die sich rührend um die Kundschaft kümmern, einig. Viele der Helfer hatten tagenweise auch ihre eifrig zupackenden Nachwuchs mitgebracht. Und gerade beim Sortieren waren die kleinen mit Feuereifer bei der Sache. „In den jetzigen Zeiten kann man die Kinder ja nicht zum Spielen an die Art schicken“, hieß es dazu nur lapidar. Und obwohl viele traurige Geschichten von Flut und Leid erzählt werden, ist die Stimmung im Saal meist gut. „Jeder findet das, was er wirklich braucht“ heißt es dazu nur ganz knapp.

Öffnungszeiten des Helenensaals

Der Helenensaal ist täglich (auch sonntags) von 8 Uhr bis 18 Uhr geöffnet. Einen direkten Telefon oder Mailkontakt gibt es nicht. Sachspenden sind zur Zeit reichlich vorhanden, jetzt sind Geldspenden für die Flutopfer gefragt. Nähere Informationen auf den Internetseiten der Stadt. BL

Stark nachgefragt: Babynahrung, die es in allen Varianten im Saal gibt.

Stark nachgefragt: Babynahrung, die es in allen Varianten im Saal gibt.

Angebot wie in einem Kaufhaus: Der Saal ist voller gut sortierter Sachspenden. Fotos: BL

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Lena: Diversität ist wichtig: Der Wolf reguliert Überpopulationen ( z.B. Schwarzwild, Rehwild). Für schlecht geschützte Herdentiere sind die Besitzer verantwortlich.
  • Peter 1: Trotzdem ist der Wolf hier vollkommen überflüssig.
  • Walter Miller : Ein verpixeltes Bild von der durch den Wolf getöteten Ziege. Was will man damit ausdrücken ? Das ein Wolf besonders grausam ist ? Er ist ein Geschöpf der Natur - nicht mehr und nicht weniger. Im Gegensatz zu den 467.000 Jägern in Deutschland.
  • Michael Geiger, 56337 Eitelborn: Michael Geiger, Leider kann ich die Losnummern aus der Ziehung vom 28.03.26 im Globus Bubenheim nicht finden.. Warum nicht
  • Dietmar Gläsener: Leider kann ich meine Gewinnlos Nummern , Ziehung vom 28.03.26 im Clobus in KO-Bubenheim nicht abrufen im Internet. Woran liegt es? D. Gläsener, 56237 Nauort
  • S. Bastian: Herr Winkelmann, Sie werden doch ihren eigenen Artikel kennen. Zitat: "Verbandsbürgermeister Jan Ermtraud machte in einer Rede deutlich, dass die Maßnahmenliste einerseits das Ergebnis eines vertrauensvollen...
  • Andreas Winkelmann: Hallo Frau Roth, von "vertrauensvoll" steht nichts im Bericht. Und die veränderte Maßnahmenreihenfolge ist ausdrücklich erwähnt. Gleich zu Anfang ist auf die dem Ratsinformationssystem zu entnehmenden Details verwiesen, wo u..a.
  • Dagmar Both: Guten Morgen Herr Winkelmann, herzlichen Dank für ihre Berichterstattung. Wenn sie von einer vertrauensvollen Abstimmung im Abstimmungsprozess zum Sondervermögen berichten, - dann gilt dies leider nicht für die Freien Wähler.
Holz Loth-Entsorgung
Rund ums Haus
Fahrer gesucht (m/w/d)
Koblenz blüht 2026
Titel
Ostergruß
Kreishandwerkerschaft - Anzeige Pool
Container Anzeige
First Friday Anzeige März
Empfohlene Artikel
Schülerinnen und Schüler der Bienenklasse 3c der KGS Meckenheim sind am Standort Meckenheim der Bücherbrücke in die Bücher vertieft. Foto: Stadt Meckenheim
31

Meckenheim. Die Bücherbrücke Meckenheim/Alfter verzeichnet eine rege Nutzung durch Kindertagesstätten und Schulen im Rahmen der Leseförderung. Unter den teilnehmenden Einrichtungen befinden sich unter anderem Blütentraum, Hüppekästchen, Rasselbande und zahlreiche weitere Kindertagesstätten. An beiden Standorten der Bücherei steht der Mittwochvormittag im Zeichen der Vorschulprogramme, bei denen die Kinder bib(liotheks)fit gemacht werden.

Weiterlesen

Mit 17 Anträgen zur Neuaufnahme in diesem Jahr wurde fast der Spitzenrekord von 2020 geknackt.
49

Leutesdorf. Pascal Berger, Vereinsvorsitzender begrüßte alle Anwesenden zur Jahreshauptversammlung am 28. März und es wurde nach Feststellung einer ordnungsgemäßen Einladung und Bekanntgabe der Tagesordnungspunkte eine Gedenkminute den Verstorbenen gewidmet.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Die Verkehrssituation an der Aloisius-Grundschule stresst die Anwohnerschaft. Foto: ROB
2277

Immer wieder kommt es zu kritischen „Manövern“: Auch die Stadtverwaltung sieht zunehmende Belastung:

HeimatCheck: Ahrweiler: Eltern-Taxis stressen alle

Ahrweiler. Seit mehreren Jahren steht die Aloisius-Grundschule vor einer wachsenden Herausforderung: dem zunehmenden Verkehrsaufkommen durch sogenannte „Elterntaxis“. Leser von BLICK aktuell berichten, dass sich die Situation trotz wiederholter Hinweise und Appelle bislang nicht verbessert habe. Insbesondere zu den morgendlichen Bringzeiten sowie am Mittag beim Abholen der Kinder kommt es regelmäßig zu kritischen Verkehrssituationen rund um das Schulgelände.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: Adobe Stock
133

Bonn. Am kommenden Samstag (04.04.2026) findet in Beuel und in der Bonner Innenstadt der „Bonner Ostermarsch 2026“ statt. Zu dieser Friedensdemonstration erwarten die Veranstalter rund 500 Teilnehmende. Die Versammlung beginnt um 13:00 Uhr auf dem Mirecourtplatz am Beueler Rheinufer. Von dort aus ist folgender Aufzugsweg vorgesehen:

Weiterlesen

Dauerauftrag 2026
Rund um´s Haus
Mülltonnen -Reinigung, bis auf Widerruf
Anzeige "Rund ums Haus"
Innovatives rund um Andernach
Doppelseite PR/Anzeigen
Schulze Klima -Image
Maschinenbediener, Staplerfahrer
Tag der offenen Tür
SB Standesamt
Anzeigenauftrag FMP-1P9L0-AD-351131
Angebotsanzeige (April)
Dauerauftrag 2026
Ostergrußanzeige
Osteraktion
Anzeige Lange Samstage
Imageanzeige - Ostern