Ottmar Canz: Bad Ems verliert einen großen Bürger
Stadtbürgermeister a.D. verstarb unerwartet - die Kurstadt trauert
Bad Ems. Ottmar Canz ist tot. Die Nachricht über den Tod des ehemaligen Stadtbürgermeisters eilte am vergangenen Donnerstagnachmittag durch die Kurstadt, aber auch weit darüber hinaus. Wollte man die Reaktionen der Menschen in einem Wort zusammenfassen, so wäre neben dem Begriff „Trauer“ wohl „Fassungslosigkeit“ am ehesten geeignet.
Ottmar Canz starb völlig unerwartet im Alter von 68 Jahren zu Hause. Zu Hause, im Bad Emser Schifflerweg, hinterlässt sein plötzlicher Tod die größte Lücke. In diesen Tagen sind die Gedanken der meisten Bad Emser bei seiner Frau Regine, seinem Sohn Stephan und dessen Frau Ariane sowie bei den Enkeln Emilian und Tizian. Der Tod von Ottmar Canz ist aber auch definitiv ein großer Verlust für die ganze Stadt Bad Ems. Denn wenn der Begriff auf einen Menschen wirklich zutrifft, dann auf Ottmar Canz: er hat sich wirklich „mit Leib und Seele“ für seine Heimatstadt eingesetzt.
Zehn Jahre lang gab er dem Ehrenamt des Stadtbürgermeisters wie wohl kein Zweiter eine Bedeutung. Canz war nicht nur der gewählte Vorsitzende des Stadtrates, Canz war der sprichwörtliche „erste Bürger“ der Stadt. 24 Stunden am Tag. Sieben Tage in der Woche. An jedem Tag im Jahr. Nicht nur die großen Projekte in der Kurstadt sind es, die die Amtszeit von Ottmar Canz ausmachen. Die Umgestaltung der Römerstraße, die erst nach Fertigstellung der Umgehungsstraße überhaupt möglich war, die Neugestaltung des Stadtteils „Auf dem Spieß“ rund um den Bahnhof oder die Weichenstellung für den Neubau der Therme sind solche Projekte aus der Ära Canz. Aber auch die Bewerbung für das Landesfest, den Rheinland-Pfalz-Tag 2005 und dessen höchst erfolgreichen Verlauf tragen mehr als nur seine Handschrift. Was Ottmar Canz ausmachte, waren aber die kleinen Projekte, die Sorgen und Nöte der Menschen, für die er stets ein offenes Ohr und die nötige Zeit hatte. Ein Gang mit ihm durch die Römerstraße in Bad Ems beispielsweise konnte Stunden dauern - unermüdlich suchte er das Gespräch mit den Bad Emsern und beseitigte „im Vorbeigehen“ so manch negativen Eindruck „seiner“ Stadt auf potenzielle Gäste. Geleitet wurde er dabei von seinem ebenfalls tief empfundenen und gelebten christlichen Glauben, der ihn auch in vielen weiteren Ehrenämtern bestimmte. Diese ehrenamtlichen Tätigkeiten aufzuzählen, würde jeden Rahmen sprengen. Canz war fast zwei Jahrzehnte Vorsitzender der CDU Bad Ems, er war 20 Jahre lang Mitglied des Kreistages, 27 Jahre im Verbandsgemeinderat, 15 Jahre davon als Beigeordneter. Er war drei Jahrzehnte im Kirchenvorstand aktiv und lange Zeit Vorsitzender des Fördervereins der kirchlichen Sozialstation - um nur einige der ehrenamtlichen Stationen im Wirken von Ottmar Canz zu nennen. Es gab aber wohl kaum einen Bad Emser Verein, den Canz nicht aktiv unterstützte.
Unverwechselbare Art und charakteristischer Humor
Seine unverwechselbare Art und sein charakteristischer Humor prägten so manche Jahreshauptversammlung und jede Stadtratssitzung. Was ihn von so vielen Politikern unterschied: Lippenbekenntnisse gab es für Canz nicht, einmal gegebene Zusagen wurden gehalten, da blieb Canz zur Not auch sehr hartnäckig am Ball. Ihm gelang, was in der Politik sonst eher selten anzutreffen ist: Parteigrenzen galten für den sonst eingefleischten CDU-Mann nicht, Canz genoss Respekt quer durch die politischen Richtungen, dessen Früchte er immer wieder für seine Heimatstadt einzusetzen wusste. Sein Engagement endete auch keineswegs mit dem Ende seiner Amtszeit als Stadtbürgermeister 2009. Noch im selben Jahr gründete er mit Wilhelm Augst - aus dem eigentlich politisch entgegengesetzten Lager, Augst war Vorsitzender der Bad Emser SPD - die Bürgerstiftung Bad Ems. Diese Bürgerstiftung war ihm eine Herzensangelegenheit und setzte sein unermüdliches Streben für die Heimatstadt nur logisch und konsequent, aber ebenso arbeitsintensiv, fort. Kurz vor seinem Tod beging die Bürgerstiftung ihr fünfjähriges Bestehen. Innenminister Roger Lewentz betonte in seiner Laudatio den Vorzeigecharakter dieser Stiftung, aber auch seine Wertschätzung für Ottmar Canz persönlich. Ausdruck der öffentlichen Wertschätzung war unter anderem auch die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande 2011. In Bad Ems wird der Tod von Ottmar Canz eine spürbare Lücke hinterlassen. Ottmar Canz hat selbst in persönlichen Gesprächen oft gesagt, jeder Mensch sei ersetzbar. In seinem Fall wird dies sehr schwer. Einen zweiten Menschen zu finden, der so mit Leib und Seele „erster Bad Emser Bürger“ sein kann, erscheint unmöglich. Sollte ein Lexikon einmal nach einer Definition des Bürgermeisteramtes im klassischen Sinne suchen, dann könnte das Lebenswerk von Ottmar Canz in der Kurstadt an der Lahn als Beispiel dienen. Mir, dem Verfasser dieser Zeilen, wird Ottmar in sehr persönlicher Erinnerung bleiben. Sofort fallen mir die stete Begrüßung als „unser rasender Reporter“ und so mancher „heiße Tipp“ ein. Ich sehe ihn aber auch auf dem E-Bike, den Verkehrsfluss in Römerstraße oder Wilhelmsallee auf fußgängerfreundliche Geschwindigkeiten reduzierend. So mancher Plausch beim Bier an einer der Emser Theken oder bei einer Vereinsfeierlichkeit bleiben mir genauso in Erinnerung wie zum Beispiel, die Ehrentribüne beim Rheinland-Pfalz-Tag in Speyer 2006. Die ganze Rheinland-pfälzische Politprominenz hatte damals protokollgemäß Platz genommen, nachdem der Ministerpräsident sich gesetzt hatte. Nur einer stand noch grüßend und winkend mitten „auf dem Präsentierteller“. Daran konnte auch der fröhliche Zuruf von Andernachs Bürgermeister Achim Hütten - „Ottmar, dein Rheinland-Pfalz-Tag war letztes Jahr“ - so schnell nichts ändern. Ein „typischer“ Ottmar. Ottmar Canz war einer der ganz wenigen Menschen, mit denen ich privat als auch beruflich einen engen Kontakt pflegte, ohne offiziell „per Du“ mit ihm zu sein. Irgendwie ergab es sich nie. Vielleicht glücklicherweise, so bleibt im Andenken auch sprachlich der Respekt vor einem ganz besonderen Bad Emser.
Willi Willig
