Bürgermeisterin Mohrs taufte am Deutschen Eck neues 75 000 Euro teures DRK-Rettungsboot
Starkes Boot für starke Strömung
Hightechschiff wird in Speyer stationiert – RLP1 liegt bei der Wasserwacht in Cochem
Koblenz. Atemberaubend sind die Daten des neuen Landesboots vom Deutschen Roten Kreuz, das jetzt von der Koblenzer Bürgermeisterin Ulrike Mohrs mit Sekt getauft wurde. Dieses 75 000 Euro teure Rettungsschiff wird stationiert bei der DRK-Wasserwacht in am Römerberg in Speyer und wurde in Koblenz getauft, weil dort vor mehr als 75 Jahren das DRK neu gegründet wurde. Für die starke Strömung auf dem Rhein braucht das DRK ein starkes Boot, das schwächere RLP1 ist in Cochem stationiert. Das neue Boot wurde von der Werft Nordland Hansa GmbH in Rostock größten Teils nach DRK-Wasserwacht-Vorgaben abgestimmt und nach der Feuerwehr DIN ausgebaut. Der Rumpf und viele Anbauteile stammen aus dem Werk Faster in Finnland.
Der Begriff BK bedeutet Bugklappe für das innen 6,35 Meter große Boot. Bei dem Material, aus dem das Boot gebaut wurde, handelt es sich um sogenanntes Marinealuminium, das doppelt so salzwasser- und schlagfest wie gewöhnliches GfK (Glasfaserverstärkter Kunststoff) und dreimal so stark wie thermoplastischer Kunststoff ist.
Das neue Boot ist mit Motor 6,90 Meter lang und 2,33 breit, wiegt 1,3 Tonnen, ist für bis zu zehn Personen oder einer Ladung von über einer Tonne zugelassen und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h.
Der Außenborder, ein Benziner mit 175 PS und 3 Liter Hubraum, zählt zu den umweltfreundlichsten Verbrenner Außenbord-Motoren seiner Klasse mit einem 130 Liter Tank. Wie beim PKW kann nach Navi, dem sogenannten Kartenplotter (Schiffsnavigationsgeräte, die auf einem Display z.B. eine elektronische Seekarte oder Binnenwasserstraßen anzeigen) gefahren werden. Die Überlagerung der Bilder mit Radar lässt das Fahren auch bei sehr schlechter Sicht durch Starkregen, Nebel oder Schneefall und völliger Dunkelheit zu. Durch das Radar sind Schiffe, Brücken und vieles mehr frühzeitig zu erkennen, sodass der Bootsführer darauf rechtzeitig reagieren kann. Weiter ist das Boot mit Ultraschallsensoren ausgestattet, welche die Beschallung in die Fahrwassertiefe und die Gewässerbreite ermöglichen. Damit sind Gegenstände wie z.B. Fahrzeugteile oder auch Körper sowie Menschen (Ertrunkene) auszumachen. Diese Fundstellen oder Punkte können gespeichert werden, damit diese Stelle jederzeit wieder angefahren werden kann.
Eine der Besonderheiten ist die elektronische Bugklappe, die mit einer Einfahrtbreite von 1,30 Meter auch Rollstühlen das Befahren des Bootes oder bei Evakuierungen von Mensch und Tier das Besteigen in das Boot erst ermöglichen. Das Boot verfügt auch über eine Seilwinde mit der bis zu 1,5 Tonnen schwere, schwimmende Gegenstände in das Boot gezogen werden können. Die Druckkammerlautsprecher dienen für Durchsagen und als Mikrofone. Ferner gibt es Taucherleitern und eine Krankentrage, die am Bootsboden befestigt werden kann.
Zwei starke Suchscheinwerfer, ein Handsuchschweinwerfer und eine noch zu beschaffende Wärmebildkamera runden das Equipment des Bootes ab. Für Nachtfahrten ist das Boot innen mit LED Rotlicht geflutet, um die Augen der Mannschaft zu schonen. Mit dem UKW-Kombifunkgerät und dem BOS-Funkgerät sind Binnenschiffe sowie Polizei und Feuerwehr erreichbar. Selbstverständlich sind Bluetooth, WiFi und bei Hotspot auch Internet auf dem Boot vorhanden wodurch sich fast unbegrenzte Möglichkeiten ergeben. Für entfernte Einsätze kann das Boot auf dem Land auf einem Trailer mit 80 km/h transportiert, da auf dem Wasser der Spritverbrauch zu hoch wäre.
Derzeit sind nur zwei der insgesamt 27 Wasserwachtbootsführer für das neue RLP2 ausgebildet. Der Einsatz ist für alle Rettungs- und Hilfeleistungen nach Anforderung der ADD in Trier vorgesehen.
Warum braucht die DRK-Wasserwacht ein solches Hightech Boot, da Feuerwehr, THW und DLRG doch auch Rettungsboote haben? Die Antwort gab Manuel Gonzales, Vorstand des DRK-Landesverbands, bei der Bootstaufe am Deutschen Eck: „Damit ergänzen wir uns mit anderen Hilfsorganisationen, mit denen wir zusammenarbeiten. Bei der Ahr-Katastrophe haben wir gesehen, wie wichtig die DRK-Wasserwacht war. Taucher haben Brücken untersucht und Menschen geholfen.“
Er betonte, dass für Hilfeleistungen auch komplexe Aufgaben mit neuer Technik erforderlich sind. „Die Bereitschaft ist die Wurzel des Roten Kreuzes, auch mit Bergwacht, Höhenrettung und Hubschrauber“, sagte Gonzales. Und auch das wurde dargelegt bei den zahlreichen DRK-Ständen in Koblenz anlässlich der DRK-Wiedergründung vor 75 Jahren auf dem Rittersturz.
Da gab es u.a. am Löhrrondell ein Informations- und Technologiecenter, auf dem Zentralplatz die Geschäftsstelle Impfen mit einem Bus sowie mit Infos und Spielen. Zu sehen waren ferner das Blutspendemobil, Rettungswagen, ein historischer Krankenwagen und der Intensivtransportwagen. Das DRK-Bildungsinstitut zeigte digitales Lernen in der Ausbildung des „Rettungsdienstlichen Personals“, moderne Patienten-Simulatoren zum Anfassen und eine digital unterstützte Mitmachaktion. Am Plan war die Wasserwacht mit Spiel- und Spaßaktionen und Infoständen. An der Liebfrauenkirche hieß es „Wir für Sie – Ihr DRK in Koblenz“ mit Infos und Darstellungen ambulanter Pflege, Vitalwerte-Check, Hauswirtschaftshilfe, Familienhilfe, Kinderschminken und das Projekt „Die Superhelfer“. Auf dem Görresplatz gab es eine Ausstellung zu 75 Jahre DRK-Landesverband Rheinland-Pfalz. Am Deutschen Eck waren die Bereitschaften mit Vorführungen von Rettungshundestaffel, Klettergerüst, Feldküche, Funktechnik sowie Infoständen zu Betreuung, Verpflegung, Informations- und Kommunikationstechnik, Psychosoziale Notfallversorgung sowie Rettungshundearbeit aktiv. Die Wasserwacht hatte Fahrzeuge für Taucheinsätze, Fließwasserrettung, Bootsdienst, Tauchen und Natur ausgestellt.
Das Jugendrotkreuz unterhielt mit Hüpfburg, Menschenkicker, Verbände-Wett-Wickeln und der Mitmachaktion zur JRK-Kampagne Kinderrechte, ferner mit DRK-Selfiewand, Einbürgerungstest, Quiz, Kinderschminken, Wünsche-Luftballonaktion, Alterssimulation, Rollstuhlparcours sowie mit Infoständen zu Kinder-, Jugend- und Altenhilfe. HEP
Die Protagonisten der Bootstaufe, darunter Bezirksvorsitzender Leo Biewer und Bürgermeisterin Mohrs, stießen auf das neue RLP2 an.
