Allgemeine Berichte | 26.02.2018

Eine Selbsthilfegruppe für Suchtkranke stellt sich vor

„Steps in die Freiheit“

Freitags treffen sich im Stadthaus von Selters Suchterkrankte und arbeiten gemeinsam an einer besseren Zukunft

An der Suchtkrankheit einer Person leidet auch deren persönliches Umfeld. Süchtige und ihre Angehörigen finden Halt in speziellen Selbsthilfegruppen. Pixabay/rebcenter-moscow

Selters. In Zeiten immer größer werdender Herausforderungen an die Menschen, haben sich damit einhergehend Krankheiten entwickelt, über die man vor einigen Jahren noch nicht gesprochen hat, weil ihnen keine Bedeutung beigemessen wurde. Die Rede ist von Suchterkrankungen in all ihren Facetten, z.B. Alkohol-, Drogen-, Medikamente- oder Spielabhängigkeiten. Selbst Arbeit kann zur Sucht werden, das sind dann die sogenannten „Workaholics“. Im Laufe der Jahre und Jahrzehnte hat auch die Gesellschaft erkannt, dass es sich um ernstzunehmende Erkrankungen handelt, die jeden treffen können.

Was ist der „Freundeskreis?“

Der Überbegriff „Freundeskreis“ steht über der Selbsthilfegruppe „Steps in die Freiheit“ in Selters. Dabei handelt es sich um eine Gesprächsrunde von 8 bis 13 Personen, begleitet von fünf ehrenamtlichen Suchtkrankenhelfern. Bei den Gesprächen der Gruppe geht es nicht immer vordergründig um die Suchtmittel. Vielmehr geht es darum, Wege aufzuzeigen, wie das Leben ohne Suchtmittel zufrieden gestaltet werden kann. Zu den wöchentlichen Gruppenabenden (freitags von 20 bis 22 Uhr im „Offenen Treff“ im Stadthaus von Selters) kann jeder kommen, der das Bedürfnis hat, über Probleme im Zusammenhang mit Suchterkrankungen zu sprechen. In der Selbsthilfegruppe werden auch die Nöte der Angehörigen, Partner und Kinder ernst genommen, auch sie können Hilfe in der Gruppe finden.

Großer Wert wird in der Gruppe auf die Freizeitgestaltung – alkoholfreies Erleben – gelegt, wobei die ganze Familie mit eingebunden werden kann. Der Sinn der gemeinsamen Freizeitgestaltung besteht darin, Anschluss zu finden und das Vertrauen in sich und andere wieder aufzubauen. Wichtige Themen in den Gruppengesprächen sind unter anderem: Krisenbewältigung, Therapie-Vorbereitung, Angst abzubauen, die Probleme im Alltag zu lösen, besser klarzukommen mit der Krankheit und mit dem Leben, sinnvolle Freizeitgestaltung und Steigerung der Lebensqualität. Der „Freundeskreis“ kooperiert eng mit dem Diakonischen Werk in Westerburg, dem Gesundheitsamt in Montabaur sowie der „WeKISS“ und der Fachklinik in Vielbach. Zudem ist der „Freundeskreis“ Mitglied im Landesverband für Suchtkrankenhilfe in Hessen.

„Oft muss der Mensch sich erst verlieren, um sich neu wiederzufinden!“

Dieser Satz beschreibt zutreffend den Grundgedanken der Hilfesuchenden. Dazu gehört auch der Mut, sich der Krankheit zu stellen, nichts zu beschönigen und der manchmal sehr harten Realität ins Gesicht zu schauen. BLICK aktuell durfte an mehreren Gruppengesprächen teilnehmen, nachdem zuvor intensiv darüber diskutiert wurde. Einhellig wurde die Entscheidung getroffen, einen „Fremden“ als Gast zu begrüßen. Denn die Gruppe möchte auch die Öffentlichkeit über ihr Wirken informieren.

Die Grundprobleme bei der Entstehung von Suchterkrankungen sind auch bei den Gruppenabenden zutage getreten: Familiäre Probleme, Sorgen um den Arbeitsplatz, Erziehung von Kindern, Verlust von Selbstwertgefühlen, finanzielle Probleme, Versagensängste, Trennungen und vieles mehr. Der Griff zur Flasche ist häufig der erste Schritt, vermeintlich den Sorgen und Problemen zu entkommen. Die Suchtkrankenhelfer wissen: Das ist auf jeden Fall die falsche Entscheidung, denn es beginnt ein Kreislauf, der nur schwer zu stoppen ist. Der Alkohol- oder Drogenkonsum steigert sich kontinuierlich, bis jede Kontrolle darüber verloren gegangen ist. Es ist zwar meist ein schleichender Vorgang, der aber, einmal begonnen, rasant an Fahrt aufnimmt. Der tägliche Konsum von Drogen oder Alkohol wird zur Gewohnheit; das ist der Beginn der Abhängigkeit, der letztendlich zu der Erkrankung führt.

In beeindruckender Offenheit und Ehrlichkeit haben Gruppenmitglieder über ihre Probleme gesprochen. Es ist eine Gesprächsrunde, in der jeder sein Problem darstellen kann, während die anderen zuhören. Da wohl alle Teilnehmer „ganz unten“ waren, werden die Sorgen und Ängste der anderen sehr ernst genommen. Trotzdem hat man nicht den Eindruck, dass nur negativ geredet wird, und alle deprimiert oder depressiv sind. Es wird auch mal ein Scherz gemacht, auch mal über sich selbst gelacht. Die Atmosphäre ist entspannt, zumal alle gleichwertig sind und niemand da ist, der mit erhobenem Zeigefinger alles besser weiß.

Gemeinsam in die Freiheit

In Kürze findet ein Seminar statt, unter der professionellen Betreuung eines Sucht-Therapeuten. Bei diesem Seminar sollen vordergründig Ursachen besprochen werden, wieso es zu der Erkrankung kam und Wege aufgezeigt werden, um sich davon zu befreien. Der Name der Selbsthilfegruppe „Steps in die Freiheit“ ist bewusst in diese Richtung gewählt, denn „Schritte in die Freiheit“ heißt nichts anderes, als sich von der Sucht zu befreien. Die Gruppe besteht aus Frauen und Männern jedes Alters, es kann sich also jede Person freitags um 20 Uhr im Stadthaus von Selters einfinden, die an sich selbst Suchtprobleme erkannt hat, und deshalb die Weiterentwicklung stoppen möchte. Verschwiegenheit und Anonymität sind gesichert, das sind die Grundlagen, um Vertrauen zu schaffen. Bei „Steps in die Freiheit“ handelt es sich um keinen Verein, deshalb gehen Interessenten keinerlei Verpflichtungen ein, alles ist kostenlos und freiwillig.

Weitere Informationen können jederzeit auf der Homepage www.freundeskreis-selters-ww.de eingesehen werden.

An der Suchtkrankheit einer Person leidet auch deren persönliches Umfeld. Süchtige und ihre Angehörigen finden Halt in speziellen Selbsthilfegruppen. Foto: Pixabay/rebcenter-moscow

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