Allgemeine Berichte | 30.10.2026, 09:44 Uhr

BLICK aktuell im Gespräch mit Dr. Thomas Dyong, Vorsitzender des Fördervereins Hospizbewegung Andernach-Pellenz e.V.

„Sterbebegleitung ist Lebensbegleitung bis zuletzt“

Dr. Thomas Dyong, Vorsitzender des Fördervereins Hospizbewegung Andernach-Pellenz e.V. stand Rede und Antwort zu den Fragen von BLICK aktuell
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Andernach/Pellenz. Was bedeutet Hospizarbeit eigentlich? Wer kann sie in Anspruch nehmen und wie kann man sich selbst engagieren? Seit mehr als 25 Jahren begleitet die Hospizarbeit der Stiftung Kirchliche Sozialstation schwerkranke und sterbende Menschen in Andernach und der Pellenz. Unterstützt wird sie dabei vom Förderverein Hospizbewegung Andernach-Pellenz e.V.

BLICK aktuell: Herr Dr. Dyong, viele Menschen verbinden Hospizarbeit zunächst mit dem Sterben. Was verbirgt sich tatsächlich dahinter?

Dr. Thomas Dyong: Hospizarbeit bedeutet vor allem, Menschen in einer schweren Lebensphase nicht allein zu lassen. Unser Ziel ist, schwerkranken und sterbenden Menschen möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben in ihrer vertrauten Umgebung zu ermöglichen aber auch die Angehörigen in diese ungewohnt, schweren Zeit zu unterstützen. Dabei geht es nicht nur um medizinische Versorgung, sondern auch um menschliche Nähe, Gespräche, Unterstützung und Lebensqualität.

Der Leitgedanke von Cicely Saunders, einer Begründerin der modernen Hospizbewegung, bringt es sehr schön auf den Punkt: „Nicht dem Leben mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben geben.“

BLICK aktuell: Wer übernimmt diese Begleitung?

Dr. Dyong: Die Arbeit besteht aus einem professionellen und einem ehrenamtlichen Bereich. Palliative-Care-Fachkräfte beraten und begleiten die Betroffenen und ihre Angehörigen und unterstützen bei der Organisation der palliativen Versorgung.

Eine ganz wichtige Säule sind außerdem die ehrenamtlichen Hospizbegleiterinnen und Hospizbegleiter. Sie besuchen Menschen zu Hause, im Krankenhaus oder in Pflegeeinrichtungen. Sie schenken Zeit, hören zu, führen Gespräche oder sind einfach da. Gerade diese menschliche Nähe ist für Betroffene und Angehörige eine große Unterstützung.

BLICK aktuell: Wie wird man Hospizbegleiter?

Dr. Dyong: Niemand wird ohne Vorbereitung in diese verantwortungsvolle Aufgabe geschickt. Interessierte nehmen an einem Befähigungskurs teil. Dort geht es unter anderem um medizinische und palliative Grundlagen, Pflege, Kommunikation, Ethik und Spiritualität.

Ein wichtiger Bestandteil ist auch die persönliche Auseinandersetzung mit dem eigenen Verhältnis zu Sterben, Tod und Trauer. Wer andere Menschen in dieser Situation begleiten möchte, sollte sich auch mit den eigenen Fragen und Gefühlen auseinandergesetzt haben.

BLICK aktuell: Wie groß ist der Bedarf in unserer Region?

Dr. Dyong: Die Nachfrage zeigt, wie wichtig diese Arbeit ist. Im Jahr 2025 begleiteten rund 50 ehrenamtliche Hospizbegleiterinnen und Hospizbegleiter insgesamt 175 Menschen. Dabei kamen rund 880 ehrenamtlich geleistete Stunden zusammen.

Hinter diesen Zahlen stehen allerdings immer Menschen und Familien mit ihren ganz persönlichen Geschichten. Deshalb lässt sich der Wert dieser Arbeit nicht allein in Zahlen ausdrücken. „Und der Bedarf wird immer größer. Die Menschen werden älter, er gibt mehr Einzelhaushalte und nicht immer wohnen die Kinder in der näheren Umgebung ihrer Eltern“, so Dr. Dyong.

BLICK aktuell: Welche Rolle spielt dabei der Förderverein?

Dr. Dyong: Der Förderverein unterstützt die Hospizarbeit ideell und finanziell. Dazu gehört unter anderem die Unterstützung bei der Ausbildung und Fortbildung ehrenamtlicher Hospizbegleiter. Auch Projekte wie „Hospiz macht Schule“ werden gefördert.

Darüber hinaus beschäftigen wir uns mit der Frage, wie die hospizliche Versorgung insgesamt in unserer Region weiterentwickelt werden kann. Dazu gehört auch der Wunsch nach einem stationären Hospiz. Hierzu gibt es bereits ein enger Austausch zu einer möglichen Zusammenarbeit mit dem Hospizverein Mayen.

BLICK aktuell: Was würden Sie Menschen sagen, die über ein Ehrenamt in der Hospizarbeit nachdenken?

Dr. Dyong: Informieren Sie sich einfach unverbindlich. Man muss keine medizinische Ausbildung haben. Wichtig sind Einfühlungsvermögen, Offenheit und die Bereitschaft, sich auf Menschen und auch auf schwierige Themen einzulassen. „Wir wollen den Menschen bis zu ihrem Tod, ein selbstbestimmtes, einzigartiges Leben ermöglichen, ihnen die Angst vor dem Ende nehmen, denn schließlich beginnt das Leben mit der Geburt und der Tod schließt das Leben ab“, so Dyong weiter.

Man schenkt Zeit, bekommt aber immer sehr viel zurück. Hospizarbeit zeigt uns, dass ein Mensch bis zuletzt seine eigene Geschichte, seine Wünsche und seine Würde hat.

BLICK aktuell: Wann und wo besteht die nächste Möglichkeit, sich zu informieren?

Dr. Dyong: In Andernach beginnt im April 2027 ein neuer Befähigungskurs für ehrenamtliche Hospizbegleiterinnen und Hospizbegleiter. Wer sich informieren möchte, kann sich unter 02632/254419 oder per E-Mail an hospizarbeit@sozialstation-andernach.de melden.

BLICK aktuell: Zum Abschluss: Was ist für Sie persönlich der wichtigste Gedanke der Hospizarbeit?

Dr. Dyong: Dass niemand am Ende seines Lebens und auf dem Weg dorthin, allein gelassen werden sollte. Hospizarbeit bedeutet für mich deshalb nicht nur Sterbebegleitung, sondern Lebensbegleitung bis zuletzt. „Für mich ist das eine sehr erfüllende Arbeit,“ so Dyong abschließend.

Das Leben beginnt mit der Geburt und der Tod schließt das Leben ab.

Das Leben beginnt mit der Geburt und der Tod schließt das Leben ab. Foto: WAMFO.DE

Dr. Thomas Dyong, Vorsitzender des Fördervereins Hospizbewegung Andernach-Pellenz e.V. stand Rede und Antwort zu den Fragen von BLICK aktuell Foto: WAMFO.DE

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