Allgemeine Berichte | 13.08.2026

Erhalt historischer Gebäude sichern

Strategien zum Erhalt historischer Gebäude in Unkel und im Unteren Mittelrheintal

So hätte das sanierte Mieshaus als Wohnraum aussehen können.

Unkel. Die aktuelle Sperrung der Frankfurter Straße in Unkel aufgrund der Gefährdung durch das dortige Mies-Haus führt einmal mehr vor Augen, wie dringend neue Strategien für den Erhalt historischer Gebäude benötigt werden.

Für den Regionalverband Unteres Mittelrheintal von Stadtbild Deutschland e. V. ist das Mies-Haus dabei ausdrücklich kein Anlass, den derzeitigen Eigentümer anzugreifen. Im Gegenteil: Der Eigentümer hat in der Vergangenheit sogar versucht, das Gebäude zu verkaufen. Das zeigt, dass die Problematik häufig komplexer ist als die einfache Behauptung, Eigentümer würden historische Gebäude bewusst verfallen lassen.

Das eigentliche Problem liegt tiefer.

Wir dürfen historische Gebäude nicht erst zum Problem werden lassen, indem sie beliebig lange vernachlässigt werden. Werden notwendige Reparaturen und Sanierungen über Jahre aufgeschoben, kann aus einem grundsätzlich sanierbaren Gebäude irgendwann ein erheblicher Problemfall werden.

Wenn schließlich die Standsicherheit gefährdet ist, verschieben sich die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen grundlegend. Dann geht es nicht mehr allein um die Frage, wie ein historisches Gebäude erhalten werden kann, sondern auch um Gefahrenabwehr und die Sicherheit von Menschen und öffentlichem Verkehrsraum.

„Es darf nicht unsere Strategie sein, historische Gebäude so lange verfallen zu lassen, bis der Denkmalschutz gegenüber der Gefahrenabwehr kaum noch durchsetzbar ist“, erklärt der Regionalverbandsvorsitzende Thomas Napp. „Wir müssen viel früher ansetzen.“

Die derzeitige Sperrung der Straße ist dabei vor allem ein Symptom. Sie macht sichtbar, was passieren kann, wenn ein historisches Gebäude über längere Zeit keine tragfähige Perspektive für seine Zukunft erhält.

Altbausanierung darf nicht zum Schreckgespenst werden

Ein wesentlicher Teil des Problems ist nach Auffassung des Regionalverbands die zunehmende Unsicherheit vieler Menschen gegenüber historischen Gebäuden.

Wer heute ein altes Haus kaufen möchte, hört häufig, eine Sanierung sei unkalkulierbar, technisch kaum zu bewältigen oder finanziell ein Fass ohne Boden. Solche pauschalen Aussagen schrecken potenzielle Käufer ab.

Natürlich ist die Sanierung eines historischen Gebäudes häufig anspruchsvoller als ein einfacher Neubau. Sie kann auch höhere Kosten verursachen. Aber daraus folgt keineswegs, dass historische Gebäude grundsätzlich nicht sanierbar oder wirtschaftlich nutzbar sind.

Vielmehr braucht es mehr Wissen darüber, wie eine solche Sanierung fachgerecht geplant und umgesetzt werden kann.

Dabei spielen auch steuerliche Instrumente wie die Denkmalabschreibung eine Rolle. Sie können die wirtschaftliche Belastung einer denkmalgerechten Sanierung erheblich reduzieren.

Dennoch bleibt für viele Interessenten ein erhebliches Risiko: Sie wissen nicht, welche Kosten tatsächlich auf sie zukommen, wo sie qualifizierte Handwerker finden und wie sie mit den besonderen Anforderungen eines historischen Gebäudes umgehen sollen.

Auch handwerkliches Wissen muss erhalten bleiben

Hinzu kommt, dass praktisches Wissen über historische Bauweisen und deren Sanierung zunehmend verloren geht.

Viele Menschen haben heute kaum noch Gelegenheit, selbst handwerkliche Erfahrungen zu sammeln. Gleichzeitig verschwinden traditionelle Techniken und Kenntnisse aus dem Alltag.

Das ist nicht nur ein Problem für das Handwerk, sondern auch für den Denkmalschutz.

Wer historische Gebäude erhalten möchte, muss deshalb auch dafür sorgen, dass es weiterhin Menschen gibt, die wissen, wie man sie erhält.

Unser Vorschlag liegt bereits auf dem Tisch

Der Regionalverband Unteres Mittelrheintal von Stadtbild Deutschland e. V. hat deshalb bereits vorgeschlagen, die Gründung einer gGmbH oder vergleichbaren Trägerstruktur zu prüfen, die sich gezielt gefährdeter historischer Gebäude annimmt.

Die Idee ist einfach:

Ein historisches Gebäude, für das sich kein privater Käufer findet, soll nicht zwangsläufig seinem weiteren Verfall überlassen werden. Eine solche Trägerstruktur könnte Gebäude erwerben, sichern, fachgerecht sanieren und anschließend wieder an Menschen oder Institutionen veräußern, die sie dauerhaft erhalten und nutzen möchten.

Damit würde eine Lücke geschlossen, die derzeit vielerorts besteht.

Es geht ausdrücklich nicht darum, den Staat zum Eigentümer sämtlicher historischer Gebäude zu machen. Vielmehr könnte eine solche Organisation als Brücke zwischen gefährdetem Gebäude und langfristig tragfähigem Eigentum fungieren.

Unser erster Vorstoß zu diesem Thema ist auf positive Resonanz gestoßen. Nun ist es Zeit, diesen Gedanken weiterzuentwickeln und aus einer Diskussion ein konkretes Modell zu machen.

Dafür braucht es Unterstützung

Eine solche Struktur kann jedoch nicht ausschließlich ehrenamtlich aufgebaut werden. Für den Erwerb, die Sicherung, die Planung und die Sanierung historischer Gebäude sind erhebliche finanzielle Mittel erforderlich.

Die Kommunen können diese Aufgabe angesichts ihrer angespannten Haushaltslage nicht allein übernehmen. Gleichzeitig fehlt es bislang an ausreichenden Fördermöglichkeiten des Landes Rheinland-Pfalz für ein solches übergreifendes Modell.

Wir brauchen deshalb eine politische Diskussion darüber, wie das Land Rheinland-Pfalz den Aufbau einer solchen Struktur unterstützen kann.

Ein entsprechender Förderansatz könnte langfristig erheblich günstiger sein als der Verlust historischer Gebäude und die anschließende Notwendigkeit, ihre Geschichte durch Neubauten, Rekonstruktionen oder bloße Erinnerungszeichen zu ersetzen.

Was einmal abgerissen ist, kommt nicht zurück

Das Mies-Haus sollte deshalb nicht nur als einzelner Problemfall betrachtet werden.

Es steht stellvertretend für eine Entwicklung, die wir in vielen Orten beobachten können: Ein historisches Gebäude verliert seine Nutzung, notwendige Investitionen bleiben aus, potenzielle Käufer schrecken vor dem Sanierungsrisiko zurück – und irgendwann wird aus einem erhaltenswerten Gebäude ein Sicherheitsproblem.

Diesen Kreislauf müssen wir durchbrechen.

„Wir können nicht darauf warten, bis die Standsicherheit eines historischen Gebäudes gefährdet ist und anschließend feststellen, dass der Erhalt zu schwierig geworden ist“, so der Regionalverbandsvorsitzende Napp. „Denkmalschutz braucht eine aktive Erhaltungsstrategie. Wir müssen Eigentümer unterstützen, Interessenten Mut zur Sanierung machen und dort einspringen können, wo der private Markt allein keine Lösung hervorbringt.“

Historische Gebäude sind keine Last, die möglichst schnell beseitigt werden muss. Sie sind ein Teil unserer Ortsidentität, unserer Baukultur und unserer Geschichte.

Wenn wir sie verlieren, verlieren wir etwas, das sich nicht neu bauen lässt.

Der Regionalverband Unteres Mittelrheintal von Stadtbild Deutschland e. V. wird sich deshalb weiterhin dafür einsetzen, dass aus dem Gedanken einer gGmbH oder vergleichbaren Trägerstruktur ein konkretes Konzept für den Erhalt gefährdeter historischer Gebäude entwickelt wird.

Wir müssen handeln, bevor aus einem Sanierungsfall ein Abrissfall wird.

PM Unteres Mittelrheintal Stadtbild Deutschland e.V.

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So hätte das sanierte Mieshaus als Wohnraum aussehen können. Foto: KI generiert/Thomas Napp

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