Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Rhein-Lahn
Strategien zum Erhalt kirchlicher Bauwerke entwickeln
Modell-Workshop in der Landeskirche: Gebäude zwischen Geisig, Becheln und Dienethal im Fokus
Dienethal. Sie prägen das Ortsbild und dienen als Räume unzähliger Begegnungen von Menschen: Die Kirchen und Gemeindehäuser in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Aufgrund hoher Unterhaltungskosten stellen sie gleichzeitig eine finanzielle Herausforderung für die Kirchengemeinden dar, gerade in kleinen Landgemeinden. Die Bauverwaltung der EKHN hat deshalb einen Workshop entwickelt, der Gemeinden Strategien an die Hand gibt, rechtzeitig die richtigen Weichen für die Unterhaltung und Nutzung der Gebäude zu stellen.
Premiere für den Workshop „Gebäudestrategie“ war im evangelischen Dekanat Nassauer Land. Kirchenarchitekt Joachim Bay – sein Dienstsitz ist die Regionalverwaltung Rhein-Lahn/Westerwald in Nassau – hatte ihn in der Referatsgruppe Kirchliches Bauen mitentwickelt. Als Pilotgemeinden hatte er die von Pfarrerin Silke Funk betreuten evangelischen Kirchengemeinden Dienethal und „Becheln, Dornholzhausen und Schweighausen“ ausgewählt. „Die Basis dafür zu schaffen, ihre Gebäude langfristig finanzierbar, qualitativ nachhaltig und gut nutzbar zu entwickeln, ist das Ziel des heutigen Workshop“, begrüßte Bay Mitglieder der beiden Kirchenvorstände im Gemeinderaum des Dienethaler Pfarrhauses sowie Dekanin Renate Weigel. „Die Gebäude sind ein echter Schatz, aber auch eine Last“, unterstrich die Dekanin, wie wichtig das Thema für die Kirchengemeinden des Dekanats ist und für wie sinnvoll sie es erachtet, die vorhandenen Räume von vielen Seiten aus zu betrachten. Dazu gehöre künftig auch ein offener Blick auf Kooperationen mit den Kommunen und der katholischen Kirche. In den beiden typischen Landgemeinden des westlichen Hintertaunus mit derzeit knapp 1400 Kirchenmitgliedern, gibt es zurzeit fünf Kirchen, zwei Gemeindehäuser, bei denen es sich um ehemalige Pfarrhäuser handelt, sowie das in Dienethal von Silke Funk bewohnte Pfarrhaus, das ebenfalls über Gemeinderäume verfügt. Außerdem gibt es Nutzugsvereinbarungen mit den kommunalen Versammlungsräumen; neun Ortschaften zählen die zwei Kirchengemeinden.
Bestandsaufnahme über den Zustand des Gebäudes
Am Anfang des rund viereinhalbstündigen Abends stand eine Bestandsaufnahme über den Zustand der vorhandenen Gebäude und die entsprechenden finanziellen Zuweisungen, die die Gemeinden zur Unterhaltung der Gebäude von der Landeskirche erhalten. „In gleichem Maße sollten sie aber auch Mittel zurücklegen, um bei notwendigen Sanierungen auf sie zugreifen zu können“, erklärte Bay den Sinn der so genannten „Substanzerhalt-Rücklage“. Ferner erläuterte er Grundzüge der Haushaltsplanung, die in der Landeskirche bald auf die unternehmerische Buchführung (Doppik) umgestellt wird, sowie Abschreibungszahlen und Grundlagen der Wertermittlung kirchlicher Gebäude. So rechnet die EKHN-Bauverwaltung bei Kirchen mit einer theoretischen Nutzungsdauer von 100 Jahren, bei Gemeinde- und Pfarrhäusern mit 65 Jahren. Nach diesen Zahlen sei die Bauunterhaltung der Gemeinden auch bis 2025 gesichert. In Kleingruppen analysierten die Kirchenvorsteherinnen und -vorsteher dann Stärken und Schwächen der einzelnen Immobilien, um sie später mit maximal fünf Punkten in ihrer Bedeutung für die Gemeindearbeit zu bewerten. Neben Standort, Nutzung, Symbolwert und Betriebskosten wurden dabei auch bauliche Kriterien betrachtet wie Größe, Funktionalität, Barrierefreiheit, Energietechnik und zu erwartende Investitionen.
Ideensammlung
In einem weiteren Arbeitsschritt sammelten die Gruppen für jedes der Gebäude Ideen für eine künftige Nutzung und erstellten eine to-do-Liste, um diese Vorstellungen und Wünsche konkret umzusetzen. Am Ende des Abends verfügten die beiden Kirchenvorstände über eine Reihe von Bewertungen und Vorhaben, die als gute und realistische Grundlage für den Umgang mit den Immobilien in den kommenden Jahren dienen kann.
