St. Anna-Vorschulkinder im Regierungsbunker
Streng geheim!
Remagen. „Geheimnis Regierungsbunker“, unter diesem Titel stand der Ausflug der Vorschulkinder aus der Städtischen Bewegungskita St. Anna in Remagen. Sie ließen sich ein auf ein besonderes Abenteuer im Ahrtal und nahmen in der Dokumentationsstätte Regierungsbunker an einer Themenführung für Kinder teil. Mit der Ahrtalbahn fuhren 14 Kinder und ihre begleitenden Erzieherinnen und Erzieher nach Ahrweiler. Vor dem Eingang zur Dokumentationsstätte stärkten sich alle mit Frühstück und Getränken. Dann hieß es: „Jacken anziehen!“ und später war für die Kinder spürbar, warum sie sich wärmen mussten mitten im Sommer. Im Bunker besteht durchgängig eine Temperatur von zwölf Grad. Heike Hollunder aus dem Team der Museumspädagogen begrüßte die kleinen Besucher im Eingangsbereich und schwor sie auf ihre Rolle für die nächsten anderthalb Stunden ein: „Ihr seid jetzt alle Top-Spione, streng geheim!“ Und dann begann eine sehr informative und dennoch kindgemäße Führung durch den ehemaligen Regierungsbunker. Die riesigen Eingangstore, die auch heute noch innerhalb weniger Sekunden verschlossen werden können, waren für alle eindrucksvoll. Noch spannender wurde es in der Kommandozentrale mit den vielen Bildschirmen, Knöpfen und immer noch funktionierenden Bedienungselementen. Auch das ehemalige Schlafzimmer des Bundeskanzlers konnte die St. Anna-Gruppe besichtigen. So spartanisch eingerichtet hatten sich die Kinder die Unterkunft für einen Staatschef nicht vorgestellt. Luxus war damals im Regierungsbunker offensichtlich nicht vorgesehen. Immerhin hätten ja ursprünglich 3000 Personen bis zu vier Wochen lang im Bunker versorgt werden sollen. In 936 Schlafräumen wären die Menschen untergebracht worden. Fünf Großkantinen hätten täglich für jeweils 600 Menschen drei Mahlzeiten zubereitet. Es gab auch ein kleines Krankenhaus zu sehen, eine Zahnarztpraxis, einen Friseursalon, einen Plenarsaal, Bereiche für die Feuerwehr und viele Büro- und Technikräume. Doch im Bunker zu leben, bei ständig künstlichem Licht und mit gefilterter Luft, das ist sicher schon immer eine schwierige Situation für Menschen gewesen. Ab dem Jahr 1965, so erzählte Heike Hollunder den St. Anna-Kindern, fanden alle zwei Jahre mehrtägige Nato-Übungen im Regierungsbunker statt. Da war es dann auch für alle, Kinder und Erwachsene, ein schönes Gefühl, den doch ungastlichen Bunker nach der Führung wieder verlassen zu können und draußen Freiheit, frische Luft und Natur zu genießen.
