Allgemeine Berichte | 06.07.2021

Zukunft der Streuobstwiese in Leimbach-Adorferhof/Hocheifel

Streuobstwiesen: Immaterielles Kulturerbe für Deutschland

Kerstin Bartels und Claudia Schmitz suchen nach Pflanzen auf der Streuobstwiese in Leimbach-Adorferhof.Fotos: Winfried Sander

Leimbach-Adorferhof. Der Streuobstverein „Eifel/Ahr e.V.“ freut sich: Streuobstwiesen haben in Deutschland seit Kurzem den Status als „immaterielles Kulturerbe“ und sind auf dem Weg zum globalen UNESCO-Kulturerbe. „Die Auszeichnung steht für die Weiterführung oder die Neuaufnahme einer traditionellen Obstanbaukultur und der damit verbundenen Pflege der Bäume und Verarbeitung der Ernte“, formuliert Winfried Sander den Anspruch als neu gewählter Vorsitzender des Streuobstvereins „Eifel/Ahr e.V.“ in Leimbach/Hocheifel. Die Maßnahme stärke das öffentliche Bewusstsein für diese Traditionen und für die hohe ökologische Bedeutung dieser intensiven Arbeit auf der Fläche.

Mit rund 5.000 Tier- und Pflanzenarten auf einer Fläche von einem Hektar zählt eine Streuobstwiese im Alter von etwa 40 Jahren zu den artenreichsten Lebensräumen in Mitteleuropa und sind wertvolles Gen-Reservoir für tausende von Obstsorten. Und zudem hat der Streuobstanbau als Kulturform mit einem breiten Spektrum an traditionellem Wissen und an praktischen Arbeiten eine große Bedeutung. So kartierten Kerstin Bartels aus Insul und Claudia Schmitz aus Antweiler kürzlich die Vielzahl der Pflanzen auf der Streuobstwiese in Leimbach-Adorferhof, bevor die Schafe eines Baumpaten die Fläche artgemäß beweiden.

Der Kreis Ahrweiler fördert seit Längerem dankenswerterweise die Neuanlage von Streuobstanbau mit Neuanlagen über sein Projekt „Artenreiche Wiesen“. Allerdings tritt Sander seit Längerem auch dafür ein, dass auch der Pflege alter und erhaltenswerter Streuobstwiesen mehr Beachtung durch kreisweiter Förderung der Erhebung und Pflege von solchen Flächen auf kommunaler Ebene geschenkt wird.

Wildobst prägte die Naturlandschaften in Mitteleuropa seit der nacheiszeitlichen Wiederbewaldung vor etwa 10.000 Jahren. Kulturobst ist erst über die Römer mit Wissen aus dem Orient und aus Griechenland hierher gekommen, und es war Karl der Große vor 1200 Jahren, der erste Anordnungen zur Pflege von Obstgärten erließ.

Aus dieser Zeit stammen auch erste Obstveredelungsformen mit einer Technik, die in den mittelalterlichen Klöstern fortgesetzt wurde. Ziel ist, wie bei so vielen Arten des Naturschutzes und kultureller Bemühungen die Erhöhung der Artenvielfalt. Die vielfältigen Formen und miteinander in Beziehung stehenden Lebensräume für Pflanzen und Tiere entscheiden über die Zukunft unserer naturnahen, kulturellen Umwelt, in der sich zudem die Menschen am ehesten wohlfühlen. Der Erhalt von Natursystemen dient dem Menschen. „Wer sich diese Sichtweise bewusst zu eigen machen kann, der nimmt auch gelassen etwas mehr Arbeit bei der mechanischen Pflege von Pflanzen und Flächen in Kauf“, wirbt Sander für die Zukunft der Streuobstwiesen. Auf der Streuobstwiese in Leimbach-Adorferhof wird diese Zukunft in Form der Patenschaft von Bürgern und Institutionen für 30 Bäume vorbereitet.

Wer den Streuobstverein „Eifel/Ahr e.V.“ in seinen Bemühungen zur Kartierung von alten Streuobstbäumen oder einzelnen Flächen unterstützen will, der kann sich wenden an: Winfried Sander, Leimbach, Tel. (0 26 91) 14 76 oder umwelt_sander@t-online.de.

Kerstin Bartels und Claudia Schmitz suchen nach Pflanzen auf der Streuobstwiese in Leimbach-Adorferhof.Fotos: Winfried Sander

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