Allgemeine Berichte | 10.09.2019

Viele Kirmesbesucher zog es die Erinnerungs- und Begegnungsstätte

Tag des offenen Denkmals

Ehemalige Synagoge Niederzissen und jüdisches Museum

Viele Besucher nutzten den Tag des offenen Denkmals, um bei einer Führung die Geschichte des Hauses und der darin verkehrenden Juden zu erfahren. Fotos: WER

Niederzissen. Seit einigen Jahren ist beim bundesweiten Tag des offenen Denkmals auch die ehemalige Synagoge in Niederzissen geöffnet. „Bei der ehemaligen Niederzissener Synagoge handelt es sich um einen ganz besonderen Ort für Geschichte, Aufklärung und Toleranz“, wie der Vorsitzende des Kultur- und Heimatvereins Niederzissen, Richard Keuler, beim Tag des offenen Denkmals am vergangenen Sonntag den Besuchern erläuterte. Gemeinsam mit seiner Ehefrau kümmert er sich maßgeblich um dieses Haus. Die Begriffe Geschichte, Aufklärung und Toleranz passten gut zum diesjährigen bundesweiten Motto der Deutschen Stiftung Denkmalschutz zum Tag des offenen Denkmals: Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur. Zu diesen Umbrüchen gehören sicherlich ganz wesentlich die jeweiligen Nutzungen früher und heute. Darunter sei auch zum Beispiel die Umnutzung sakraler Bauten zu verstehen. Er erinnerte an die ehemalige Kirche in Burgbrohl, die bis vor rund 120 Jahren die Hauptkirche des Ortes war. Danach war sie bis vor gut 30 Jahren mehr oder weniger ungenutzt bis vor gut 30 Jahren, als sie zu einem Veranstaltungshaus der Kirchengemeinde mit vielfältiger Nutzung umgebaut wurde. Sie wurde im vergangenen Jahr privatisiert. Aber auch die ehemalige Synagoge in Niederzissen war einem vielfältigen Nutzungswandel unterzogen. 1841 wurde sie als Synagoge geweiht und 97 Jahre als solche genutzt, bis sie 1938 geschändet wurde. Bereits im darauffolgenden Jahr wurde sie an einen Schmied zwangsverkauft und diente fortan 70 Jahre als Schmiede, Schlosser- und Landmaschinenwerkstatt.

Mit dem Erwerb durch die Ortsgemeinde Niederzissen im Jahre 2009 nahm sie einen weiteren Wandel vor. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten wurde die ehemalige Synagoge 2012 als Erinnerungs- und Begegnungsstätte eröffnet. Sie wird bis heute vielfältig kulturell genutzt mit einem jüdischen Museum und ist zudem ein wichtiger Ort für Prävention gegen Antisemitismus und Fremdenhass. Gleichzeitig ist sie eine Anlaufstelle für die Forschung. Mit der Forschung und der Digitalisierung geschieht ein weiterer Schritt in die Moderne. Ein Blick in die Geschichte der Juden in Niederzissen zeigt, dass bereits 1250 Rabiner aus Amsterdam bei der jüdischen Gemeinde Niederzissen waren. Am 18. November 1510 stellte ein Bote des Reichskammergerichtes Frankfurt den Juden in Niederzissen Steuerbescheide zu. Ein unrühmliches Ende fand die Geschichte der Niederzissener Juden im Juli 1942, als die letzten in Niederzissen wohnenden Juden deportiert wurden. Damit endete des jüdische Gemeindeleben hier. Mit der Dauerausstellung „tagein – tagaus“ im Nebenraum der ehemaligen Synagoge wird gezeigt, wie jüdisches Leben über die Jahrhunderte in Niederzissen und dem Brohltal war. „Jüdisches Leben und jüdische Geschichte sind nicht auf die Jahre von 1933 – 1945 zu beschränken“, bemerkte Richard Keuler und anhand von geborgenen und neuen Ausstellungsstücken, sowie den Erläuterungen hierzu, kann man erfahren, was jüdisches Leben ist und ausmacht.

Durch die Ausstellung „Jüdische Lebenswelten in Deutschland heute“, die im ehemaligen Synagogenraum aufgestellt wurde, wird mit Porträttafeln am Beispiel zumeist junger Menschen gezeigt, welch vielfältige Wurzeln Menschen in Deutschland heute haben. Es wird dargestellt, wie unterschiedlich sie selbst damit umgehen und wie sie die Reaktionen ihrer Umwelt wahrnehmen. Nicht selten wird Menschen eine Identität zugeschrieben, die sie selbst gar nicht erleben. Gerade Vorurteile äußern sich in dieser Weise am Beispiel deutsch-jüdischer Identitäten oft in einem versteckten oder offenen Antisemitismus.

Viele Kirmesgäste besuchten am Tag des offenen Denkmals auch die ehemalige Synagoge in Niederzissen, wo sie bei Führungen die Geschichte des Hauses und allem, was damit in Zusammenhang steht, erfahren konnten. Die beiden Ausstellungen beeindruckten die Gäste.

Die ehemalige Niederzissener Synagoge hat sich auch beim diesjährigen Tag des offenen Denkmals als tolle Erinnerungs- und Begegnungsstätte erwiesen.

WER

Am Tag des offenen Denkmals nahm auch die 2012 als Erinnerungs- und Begegnungsstätte eröffnete ehemalige Synagoge in Niederzissen teil.

Am Tag des offenen Denkmals nahm auch die 2012 als Erinnerungs- und Begegnungsstätte eröffnete ehemalige Synagoge in Niederzissen teil.

An 14 Porträttafeln wurde in der Ausstellung „Jüdische Lebenswelten in Deutschland heute“ am Beispiel zumeist junger Menschen gezeigt, welch vielfältige Wurzeln Menschen in Deutschland heute haben.

An 14 Porträttafeln wurde in der Ausstellung „Jüdische Lebenswelten in Deutschland heute“ am Beispiel zumeist junger Menschen gezeigt, welch vielfältige Wurzeln Menschen in Deutschland heute haben.

Viele Besucher nutzten den Tag des offenen Denkmals, um bei einer Führung die Geschichte des Hauses und der darin verkehrenden Juden zu erfahren. Fotos: WER

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Bertram: Das ist mittlerweile der 4. Bus der von dieser Marke vollkommen ausbrennt. Des Weiteren berichte die Rhein Zeitung darüber, dass der VREM 37. Busse der ersten Generation vorsichtshalber außer betrieb...
  • Fabian F: Nichts Neues gefühlt ein Bus pro Woche
  • Sandra Sattler: Der Zustand der L330 zwischen. Nassau und Zimmerschied ist eine absolute Katastrophe- und das nicht erst seit gestern! Wir sind wohnhaft in Hömberg und werden seit vielen Jahren mit diversen Ausreden vom LBM vertröstet.
  • Janek: Wer die Strecke kennt, kann sich den Grund bereits denken … Der Straßenzustand ist dort so schlecht, dass er besonders für Motorradfahrer ein ernstzunehmendes Sicherheitsrisiko darstellt. Dem verunglückten...
  • Siegfried Kowallek: Verwunderlich ist weiterhin, dass die SPD der Neuwieder CDU vorhält, gegen den Unvereinbarkeitsbeschluss der Christdemokraten in Bund und Land im Hinblick auf die Partei Die Linke zu verstoßen. In insgesamt...
  • Siegfried Kowallek: Die Nennung von BSW und der Partei Die Linke im selben Kontext ist sachlich nicht gerechtfertigt und damit unredlich. Prominentester linker Befürworter deutscher Waffenlieferungen an die Ukraine ist Bodo...
Image Anzeige
Imageanzeige - Dauerauftrag
Sonderseite 02 -Wohnträume NR
Wohnträume
Wohnträume - Wohnen und Garten im Blick
Sachbearbeiter (m/w/d)
Staplerfahrer (m/w/d)
Leiter/in (w/m/d)
Empfohlene Artikel
Kitty wurde von unbekannten Tätern erschossen. Foto: privat
835

Bad Bodendorf. Ein besonders schwerer Fall von Tierquälerei sorgt derzeit für große Bestürzung in Bad Bodendorf. Am Montag, 30. März 2026, wurde im Bereich Naheweg, Ahrweg, Gartenstraße und Saarstraße eine Katze mutwillig mit einer Schusswaffe verletzt. Das Tier erlag wenig später seinen schweren Verletzungen. Nach Angaben der Halter wurde ihre Tigerkatze „Kitty“ im Zeitraum zwischen etwa 13:30 Uhr und 15:50 Uhr angeschossen.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Mark Geimer Foto: privat
865

Parteiloser Bewerber setzte sich gegen Volker Risse (CDU) durch

Bürgermeisterwahl in Bad Hönningen: Mark Geimer (parteilos) macht das Rennen

Bad Hönningen. Die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Bad Hönningen haben gewählt: Mark Geimer ist neuer Stadtchef. Der parteilose Kandidat setzte sich mit 62,5 Prozent der Stimmen gegen seinen christdemokratischen Konkurrenten Volker Risse (37,5 Prozent) durch. Die Wahlbeteiligung lag bei 41,6 Prozent. BA

Weiterlesen

Die Koblenzer Innenstadt bietet an drei Tagen ein abwechslungsreiches Programm. Foto: SCH
74

Koblenz. Der Koblenzer Frühling ist zurück! Am zweiten April-Wochenende hat die Stadt am Deutschen Eck ihre Besucher ganz im Zeichen der wärmeren Jahreszeit begrüßt. Der Winter ist Schnee von gestern und überall grünt und blüht es. Die Blumenbeete sind neu bepflanzt, Tulpen und Narzissen blühen auf großen Flächen und es duftet nach frisch gemähtem Rasen.

Weiterlesen

Hausmeister, bis auf Widerruf
Wir helfen im Trauerfall
Titelanzeige
Titelanzeige KW 15
SO 2 - Wohnträume Sonderseiten, beim Artikel Gartenmarkt/Stadt Neuwied
Wohnträume - Wohnen & Garten im Blick
Wohnträume
SO 2 - Wohnträume Sonderseiten- Modernisieren
SO 2 - Wohnträume Sonderseiten -bitte beim Text vom Gartenmarkt
Blütenfest
Blütenfest in Meckenheim
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0220#
Anzeige Radiologie & Nuklearmedizin