Allgemeine Berichte | 26.07.2021

Neues vom Westerwald-Verein Zweigverein Buchfinkenland

Tausend Mal gesehen … und neu entdeckt

Vom früheren Bergbau und Eliten zur Bronzezeit im Buchfinkenland

Am Aussichtspunkt „Felsenbank“ mussten die Teilnehmenden mit Bedauern sehen, dass der komplette Fichtenbestand am Hang zum Gelbachtal ein Opfer des Borkenkäfers geworden war.Foto: WWV Buchfinkenland

Buchfinkenland. „Man sieht etwas hundert Mal, tausend Mal, ehe man es zum allerersten Mal wirklich sieht.“ Dieser Satz von Christian Morgenstern gilt sicher auch für viele „Buchfinken“ im Hinblick auf die heimische Flora und Fauna! Deshalb startete der Zweigverein Buchfinkenland im Westerwald-Verein mit Gästen zu einer großen Rundwanderung durch die herrliche Kleinregion im südlichsten Westerwald. Auch für Einheimische gab es unterwegs viele so noch wenig bekannte Informationen über Wald und Natur sowie Kultur und Einrichtungen. Und am Schluss kam mit einem Besuch im „Begegnungscafe“ in Hübingen `sogar noch eine Spende für die Flutopfer zusammen.

Da wo 1963 der damalige Limburger Bischof Wilhelm Kempf bei einem Spaziergang feststellte, dass dort ein einzigartiger Platz mit grandioser Aussicht für eine Einrichtung des Bistums sei, startete die Exkursion in die Heimat: am Familienferiendorf Hübingen. Dieses wurde 1969 im Bauhausstil mit 36 Ferienhäusern auf drei Ebenen am „Buchenberg“ auf Vorschlag des Bischofs errichtetet, wie die Teilnehmenden erfuhren. Mitten im angrenzenden großen Buchenbestand trafen sich bis in die 60er Jahre die Hübinger auf einem „Tanzplatz“ im Wald zum lustigen Reigen, begleitet von einer Musikkapelle.

Erstaunt waren zumindest die Gäste über das unweit im Hohen Tal gelegene ranchähnliche „Gut Sonderlund“, das vor etwa 50 Jahren von einem Unternehmer errichtet wurde. In einem Steinbruch aus vergangenen Zeiten erläuterte Vereinsvorsitzender Manfred Henkes den dort langen abgebauten Basalt: „Für Feld- und Wanderwege war der hart genug, aber für den Straßenbau nicht geeignet“, so der Wanderführer. Gute Ausblicke waren auch deshalb möglich, da die dort gewachsenen Fichten fast alle tot waren und gefällt werden mussten, die widerstandsfähigeren Douglasien aber alle noch am Standort der Witterung trotzen. Gepflanzt wurden auch einige Elsbeeren als besonders gegen Trockenheit weniger empfindliche Baumart.

Henkes, der lange vor Ort zuständiger Revierförster war, blickte nicht sehr hoffnungsvoll in die Zukunft: „Nach 3 vorangehenden Jahren Trockenheit ist der Buchenbestand hier in der Hanglage so belastet, dass auch er absterben wird“. Dagegen sehe es mit den Eichen derzeit noch besser aus.

Im Vorbeigehen erfuhren die Wandersleute, dass die sich zum Gelbachtal neigende Region am Bächlein Seelbach früher von intensiver Bergbautätigkeit geprägt war. Zu sehen war eine – allerdings weitgehend zugewachsene - mit Schiefermaterial verfüllte große Abraumhalde, hinter der sich noch die Umrisse eines Stollens andeuteten. Einige konnten ihre inzwischen heiß gelaufenen Füße in dem kleinen Fließgewässer kühlen, das im Winter austrocknet, aber in einigen Metern Tiefe im Schiefergestein weiterläuft.

Über den zur Gemarkung Winden gehörenden „Wilden Mann“ erreichte die Gruppe dann durch ein reizvolles Seitental den Gackenbacher Ortsteil Dies im Gelbachtal, wo eine besondere Herausforderung wartete: um den Anforderungen eines Prädikatswanderweges zu genügen, wurde der große Buchfinkenlandrundwanderweg hier auf einem steil ansteigenden Naturpfad hoch zum Aussichtspunt „Felsenbank“ unterhalb von Gackenbach geführt. Dort war der komplette Baumbestand am Hang dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen. Oben angekommen wurden die Naturfans mit einem Blick zur Pfarrkirche und zum benachbarten Wildpark entschädigt, in dem alle heimischen Wildtierarten zu sehen sind.

In Horbach waren das ruhig im Grünen gelegene Seniorenzentrum Ignatius-Lötschert-Haus und das schmucke Waldstadion zu sehen. Hinter letzterem wurden im hohen Buchenwald einige Hügelgräber gefunden, die typische Bestattungsform für die Eliten in der Bronzezeit. Da in der Nähe weitere solcher Grabstätten nachgewiesen wurden, müssen wohl im damaligen Buchfinkenland etwa im Zeitraum von 2200 bis 800 v. Chr. schon Eliten gewirkt haben. Ob die damals schon wussten, dass es bei Sonnenschein im Wald etwa 8 bis 10 Grad kühler ist, konnte nicht ermittelt werden. „Wir müssen wohl noch viel über die klimatische Bedeutung des Waldes lernen, damit wir verinnerlichen, wie wichtig dieser für uns Menschen ist und ihn nicht weiter stark belasten“ meint eine Teilnehmerin.

Eine Überraschung wartete dann zum Ende der etwa 15 km langen Wanderung im Kiga am Familienferiendorf in Hübingen auf die Wandersleute: das Team um Leiterin Lena Tebelius lud ins „Begegegnungscafe Panoramablick“ zu duftendem Kaffee und selbst gebackenem Kuchen ein. Schnell waren noch einige Daheimgebliebene verständigt, denen die Wanderung zu lang war, die sich aber das tolle Kuchenbüfett nicht entgehen lassen wollten und schnell den Weg nach Hübingen fanden. Besonders toll: der Erlös wird für die Flutopfer gespendet. Gerne hat der Westerwald-Verein den Betrag noch erhöht. Mitglieder rund Gäste dürfen sich auf die nächste Wanderung des Westerwald-Vereins am 1.8. im Buchfinkenland freuen.

Am Aussichtspunkt „Felsenbank“ mussten die Teilnehmenden mit Bedauern sehen, dass der komplette Fichtenbestand am Hang zum Gelbachtal ein Opfer des Borkenkäfers geworden war.Foto: WWV Buchfinkenland

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