Allgemeine Berichte | 28.06.2017

Siebter Bauern- und Handwerkermarkt in Mertloch zog wieder zahlreiche Gäste an

Tausende säumten den Festumzug

Menschen, soweit das Auge reicht: Die Stadtkapelle Münstermaifeld führte den historischen Festumzug an. Tausende Besucher säumten den Straßenrand.SK

Mertloch. Der Bauern- und Handwerkermarkt in Mertloch hat auch bei seiner siebten Auflage nichts von seiner Attraktivität eingebüßt, ganz im Gegenteil: Tausende von Menschen säumten am vergangenen Sonntag die Straßen der kleinen Maifeld-Gemeinde, als sich der historische Festumzug in der unteren Kirchstraße in Bewegung setzte. Ortsbürgermeister Stefan Geisbüsch, der (wieder mal) mit der Sonne um die Wette strahlte, kommentierte den Umzug, der immerhin 25 Nummern umfasste, von der Wiese vor dem Kriegerdenkmal aus.

Natürlich hatte er für jede Gruppe eine kleine Anekdote bereit, und selbstverständlich zog er schon ein äußerst positives Resümee, bevor der siebte Bauern- und Handwerkermarkt beendet war.

„Ich will jetzt nicht schon wieder den Spruch bemühen, dass der liebe Gott ein Mertlocher sein muss, aber wir haben schon eine gute Beziehung nach oben“, spielte Geisbüsch auf die sommerlichen Temperaturen mit leichtem Wind an. „Es ist fast so viel los wie vor vier Jahren, als die 1050-Jahr-Feier von Mertloch in den Bauernmarkt integriert war. Erst nach Karneval ist die Entscheidung gefallen, dass es wieder einen Umzug geben wird. Damit haben wir genau richtig gelegen. Der Markt an sich wies bis dahin noch Lücken auf, doch danach haben uns die Leute förmlich die Bude eingerannt. Die Stimmung ist einfach bombastisch.“ Nach 2005, 2007, 2009, 2011, 2013 und 2015 war es die siebte Veranstaltung dieser Art in der 1500-Seelen-Gemeinde.

Eine Veranstaltung, die eindrucksvoll bewies, dass das Maifeld auf seine landwirtschaftliche Tradition stolz sein kann.

Offene Höfe, festlich geschmückte Straßen, wunderschöne Figuren aus Pappmaché, die an vergangene Zeiten erinnerten, ein buntes Markttreiben, viele kulinarische Köstlichkeiten: Für jeden Geschmack war etwas dabei. An erster Stelle stand dabei das Handwerk. An verschiedenen Stellen im Dorf waren eine Schmiede, eine Ziehbank und eine Scherenschleiferei aufgebaut, um nur einige zu nennen.

Handwerk mit uralten Gerätschaften

Die Fachleute zeigten ihr Handwerk und animierten Kinder und Erwachsene, sich an den teilweise uralten Gerätschaften zu versuchen. Als besondere Attraktion entpuppte sich die dreiköpfige Dreschflegelgruppe aus Emmelshausen im Hunsrück, die auf dem alten Kirmesplatz vor allem dem Nachwuchs demonstrierte, wie Körner aus dem Getreide herausgedroschen werden. Dabei kamen Alwin Ginster (83), Helmut Busch (78) und Willi Ginster (81) gehörig ins Schwitzen, immerhin zählte das Trio zusammengerechnet schon 242 Lenze. „Wir waren vor vier Jahren schon hier, insgesamt sind wir das vierte Mal dabei“, erläuterte Willi Ginster.

„Uns geht es vor allem darum, die alte Tradition zu präsentieren und den Kindern zu erklären, wie es früher in der Landwirtschaft zuging.“

Zwei bis drei Mal pro Jahr reisen die Hunsrücker zu solchen Handwerkermärkten an, in Mertloch hatte Hans-Peter Liesenfeld, ein 74-jähriger ehemaliger Landwirt (heutzutage Rentner) aus Münstermaifeld-Metternich die Geräte wie Dreschflegel, Windfege oder Handmühle zur Verfügung gestellt. Zum Teil stammten sie aus den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Sehr zur Freude auch des Geschwisterpaars Carolin (9) und Lukas Gerhard (5) aus dem benachbarten Naunheim, das sich unter den wachen Augen seiner Eltern an der Handmühle probieren und das Korn mahlen durfte.

Unterhaltsam ging es auch schräg gegenüber im historischen Saal in der Kirchstraße zu, wo das Mausefallenmuseum Neroth seine Zelte aufgeschlagen hatte. Bei einem Ausflug der Mertlocher Seniorengemeinschaft war das Museum im kleinen Neroth, idyllisch zwischen Daun und Gerolstein gelegen, den Teilnehmern aufgefallen. Gabi und Volker Duttlinger sowie die Vorsitzende des 100 Mitglieder zählenden Heimatvereins, Helga Wallenborn, hatten einige Exponate mitgebracht. Das Drahtbindehandwerk hatte schon 1844 von der heutigen Slowakei den Weg in die Eifel gefunden. Mit zehn Minuten Verspätung startete schließlich der historische Festumzug, der unter dem Motto „Landleben mit Lust und Laune“ stand. Der Traktor der Kolliger Waschweiber hatte kurzzeitig den Geist aufgegeben und musste beim ersten Durchgang (der Zug führte zwei Mal durch Kirchstraße und Friedhofstraße) durch ein Auto mit Anhängerkupplung ersetzt werden. Rechtzeitig zum zweiten Durchlauf war das ursprüngliche Gefährt wieder repariert. Bis auf einige wenige Regentropfen gegen 15.30 Uhr waren das die einzigen (kleinen) Sorgen, die Ortsbürgermeister Geisbüsch an diesem Nachmittag hatte.

Festzug stellte alles in den Schatten

Der Festzug stellte, wie sollte es anders sein, alles in den Schatten. Zahlreiche „Fahrzeuge“ wie ein Spritzenwagen und ein Handkarren der Freiwilligen Feuerwehr Mertloch (Alters- und Jugendabteilung), ein Milchwagen, ein Kartoffelanhänger mit einer Achse, eine Kartoffelsetzmaschine, ein Kartoffelpflug, eine Kartoffelsortiermaschine, eine Mähmaschine, ein Heuwender oder ein Heurechen, zumeist gezogen von uralten Traktoren (der älteste stammte aus dem Jahr 1939), ließen die Erinnerungen an frühere Zeiten aufleben. Zwei Pferdegespanne durften ebenfalls nicht fehlen.

Mehrere Fußgruppen wie beispielsweise die Kinder der Grundschule und der Kita Mertloch, die Mertlocher Möhnen, die Kolliger Waschweiber, der Frauenchor Cantabile, die Theatergruppe Kaisersesch mit ihren historischen Kostümen oder das Team der Heilig-Kreuz-Kapelle waren weitere Attraktionen.

Für die musikalische Unterhaltung während des Umzugs sorgten die Stadtkapelle Münstermaifeld, der Musikverein Löf und der Mertlocher Spielmannszug. Im Park hinter der St.-Gangolf-Kirche hatte es ab 11 Uhr ebenfalls musikalische Darbietungen gegeben. Dort erhielten die Kinder auch ihre mit Helium gefüllten Luftballons. Die durften sie zunächst im Festzug mitnehmen und danach im Rahmen eines Weitflugwettbewerbs in die Luft aufsteigen lassen. Der Bauernmarkt hatte am Samstag auch im Park begonnen, und zwar mit den „Toten Ärzten“, die die 600 Besucher von 22 bis 1.30 Uhr mit fetziger Rockmusik begeisterten.

Wie es sich für eine echte Dorfgemeinschaft gehört, waren alle Mertlocher Vereine mit im Boot. Die Alten Herren backten Pizza, die Möhnen hatten Flammkuchen im Angebot. Die Landfrauen kochten Kasseler. Außerdem hielt die Speisekarte weitere Schlemmereien wie geräucherte Forellen, Grillspezialitäten, Kuchen und Eis parat. Dass auch der Durst schnell gestillt wurde, dafür sorgten der MGV Maifeldgruß, die Freiwillige Feuerwehr und die Ehemänner der Möhnen. Wie so oft griff in Mertloch ein Rädchen ins andere.

Ein Hauch von Oktoberfest versprühte das Pferdegespann von Verena Hahn, begleitet von Vanessa Müller und Kerstin Adams.

Ein Hauch von Oktoberfest versprühte das Pferdegespann von Verena Hahn, begleitet von Vanessa Müller und Kerstin Adams.

Auch am alten Kirmesplatz hatten sich zahlreiche Gäste eingefunden.

Auch am alten Kirmesplatz hatten sich zahlreiche Gäste eingefunden.

Der 81-jährige Willi Ginster von der Dreschflegelgruppe aus Emmelshausen zeigt dem Nachwuchs das Handwerk aus vergangenen Zeiten.

Der 81-jährige Willi Ginster von der Dreschflegelgruppe aus Emmelshausen zeigt dem Nachwuchs das Handwerk aus vergangenen Zeiten.

Die Kartoffel durfte beim Umzug natürlich nicht fehlen.

Die Kartoffel durfte beim Umzug natürlich nicht fehlen.

Menschen, soweit das Auge reicht: Die Stadtkapelle Münstermaifeld führte den historischen Festumzug an. Tausende Besucher säumten den Straßenrand.Fotos: SK

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