Allgemeine Berichte | 18.07.2017

Holzemer zeigen Flagge gegen Raser

Tempo 30 – oder: Was bewegt sich in einem Dorf?

Interessengemeinschaft demonstriert Geschlossenheit und fordert bauliche Verkehrsberuhigung

Ein gutes Drittel der Bewohner hatte sich zur Unterstützung zum Fototermin eingefunden, um ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen.CEW

Wachtberg-Holzem. Was sich alles in einem Dorf bewegt, zeigte sich am dritten Julisonntag 2017 in dem kleinen Ort Holzem: Da waren Kinder mit Eltern und Großeltern auf den Beinen, Hunde, Pferde, Krankenfahrstühle, Laufräder und Roller. Die Schafe, die hier ebenfalls gelegentlich die Straße passieren, waren zum Fototermin leider zu spät und wurden deshalb gleich auf die Weide quasi „umgeleitet“. All diese Verkehrsteilnehmer sind hier zwangsläufig mehr oder weniger auf der Straße unterwegs, weil es hier keine Gehwege gibt.

Verständlich ist deshalb die Einrichtung der 30er-Zone für diesen Ort. Unverständlich ist hingegen, dass sich kaum jemand an diese Geschwindigkeitsbegrenzung hält. Theoretisch ist die Verkehrslage für jeden Autofahrer, der in den rund 170-Seelen-Ort hineinfährt, klar ersichtlich. Trotzdem scheint es vielen wurscht zu sein, ob sie ein Kinderleben riskieren, wenn in dem familienreichen Dorf ein Kind zwischen den Autos mit dem Roller, Fahrrad oder Laufrad unterwegs ist.

Eine Verkehrsmessung hatte gezeigt, dass die maßgebliche Durchschnittsgeschwindigkeit hier trotz eindeutiger Zone-30-Beschilderung zwischen 45 und 62 Stundenkilometern liegt. Diese Zahlen bilden die Geschwindigkeitsübertretungen von 75 Prozent der Autofahrer ab, die den Ort in der Zeit der Messung durchfahren haben.

Als Spitzengeschwindigkeit wurden hier in der Ortsmitte 74 und am Ortseingang 98 Stundenkilometer gemessen. Dass in dieser engen Straße bei solchen Geschwindigkeiten kein Autofahrer mehr ausweichen oder bremsen könnte, wenn ein Mensch auf der Straße unterwegs wäre, muss nicht sonderlich betont werden. Es käme zwangsläufig zu einem Desaster. Seit durch diese Messung deutlich wurde, wie groß das Ausmaß der Gefährdung durch Raser hier ist, finden in der Durchgangsstraße regelmäßige Radarmessungen statt.

Zusätzlich fordert die Interessengemeinschaft Verkehrsberuhigung Holzem von der Gemeinde bauliche Maßnahmen, die die Einhaltung einer deutlich geringeren Geschwindigkeit, als sie kürzlich bei der Messung zutage traten, erzwingt. Vorstellbar seien versetzte Inseln an den beiden Ortseingängen, die so stehen, dass man auch ohne Gegenverkehr nicht mehr in das kleine Dorf hineinrasen kann, als wäre es eine Rennstrecke. Um auch den letzten Rasern den Spaß am Geschwindigkeitsrausch innerhalb der engen Durchgangsstraße zu nehmen und an die Vernunft zu appellieren, stellt man sich eine flächige Straßenerhöhung in der Mitte des Dorfes vor, analog zu der Erhöhung an der Kreuzung Oberdorfstraße/Stumpebergweg in Berkum.

Um diesen Forderungen Nachdruck zu verleihen, hatte die Interessengemeinschaft für den 16. Juli zu einem Fototermin am Ortseingang von Holzem aufgerufen. Trotz gelegentlichem Nieselregen kam immerhin ein gutes Drittel der Dorfbewohner der Aufforderung nach. Sie stellten sich gerne für ein Foto mitten auf der Straße auf. Dieses Bild soll dazu genutzt werden, ein Banner als Blickfang zu gestalten, der gut sichtbar am Ortseingang von Holzem aufgestellt werden soll. „Das Banner soll den Fahrern zeigen, wie sie sich verhalten sollen“, war von Tobias Teichner, einem der Ansprechpartner der Interessengemeinschaft, zu hören. Keinem Autofahrer kann dann mehr verborgen bleiben, welches Risiko er eingeht, wenn er auf der gehweglosen, schmalen Durchgangsstraße rast. Mit der Gemeinde sei man im Gespräch, aber bisher hätten sich daraus keine konkreten Maßnahmen ergeben, berichtete Tobias Teichner. Allerdings seien von dort aus weitere Maßnahmen angeregt und eine Förderung in Aussicht gestellt worden.

Tempo 30 – oder: Was bewegt sich in einem Dorf?

Obwohl die Beschilderung eindeutig und gut lesbar ist, hält mancher die enge Ortsdurchfahrt für eine Rennstrecke.

Obwohl die Beschilderung eindeutig und gut lesbar ist, hält mancher die enge Ortsdurchfahrt für eine Rennstrecke.

Ein gutes Drittel der Bewohner hatte sich zur Unterstützung zum Fototermin eingefunden, um ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen.Fotos: CEW

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