Kolpingsfamilie Meckenheim
Themenreihe „Meckenheimer Persönlichkeiten“ - Prof. Dr. Karl Carstens
Meckenheim. Im Rahmen ihrer Themenreihe „Meckenheimer Persönlichkeiten“ würdigte die Kolpingsfamilie Meckenheim den ehemaligen Bundespräsidenten und Meckenheimer Mitbürger Prof. Dr. Karl Carstens - Wissenschaftler - Spitzenbeamter - Bürgerpräsident. Als Referent des Abends konnte Dr. Ulrich Junker aus Wachtberg gewonnen werden, der bereits als junger Beamter dem damaligen Staatssekretär im Auswärtigen Amt zuarbeitete und ihm während seines Berufslebens immer wieder begegnete.
Karl Carstens wurde als junger Jurist vom damaligen Bremer Bürgermeister Wilhelm Kaisen ‚entdeckt‘; er übertrug ihm die Vertretung der Landesregierung beim Bund in Bonn. Nach seinem Wechsel ins Auswärtige Amt war er als Staatsrechtler immer dann gefragt, wenn schwierige europäische und multilaterale Verträge und Abkommen verhandelt wurden, so als Vertreter der Bundesregierung im Europarat in Straßburg, bei der Vorbereitung der Römischen Verträge in Brüssel oder – bereits als Staatssekretär – bei Direktkontakten mit der US-Regierung unter Präsident Kennedy, mit dem er sich auf Augenhöhe austauschte. Nach Bildung der 1. Großen Koalition ging er als Staatssekretär mit Gerhard Schröder ins Verteidigungsministerium und begleitete Bundeskanzler Kiesinger auf Auslandsreisen, vor allem in die USA – wegen seiner exzellenten Kenntnisse der amerikanischen Verfassung. Wenig später wurde er zum Chef des Bundeskanzleramtes berufen und war dann mit der ganzen Breite der politischen Themen der damaligen Zeit befasst. Bei Bildung der sozialliberalen Koalition unter Willy Brandt wurde er entlassen und widmete sich politischen Forschungsstudien. Schon nach kurzer Zeit wurde ihm ein Bundestagsmandat angeboten. Von 1972 bis 1979 war der Mitglied des Deutschen Bundestages, zunächst im Auswärtigen Ausschuss und – nach überraschendem Rücktritt von Rainer Barzel – als Fraktionsvorsitzender der Union. Nach den Wahlen 1976 wurde er von den Abgeordneten zum Bundestagspräsidenten gewählt.
Mit der Mehrheit der Unionsvertreter wählte ihn die Bundesversammlung 1979 zum 5. Bundespräsidenten der Bundesrepublik. In dieser Funktion war er stets um strenge Objektivität bemüht und bewies bei allen Gelegenheiten Würde, Stil und politische Sensibilität. Sehr gut in Erinnerung ist sein berechtigtes Zögern bei dem staatsrechtlich sehr umstrittenen Vorstoß von Helmut Kohl, kurz nach gewonnenem Misstrauensvotum den Bundestag aufzulösen und Neuwahlen anzusetzen. In seinen Reden appellierte er an Leistungsbereitschaft, Einsatzwillen und Pflichtbewusstsein der Bürger. Vor allem aber suchte er den Kontakt mit ihnen. Sein Versprechen, zusammen mit seiner Frau die Republik von Nord nach Süd zu durchwandern, löste er konsequent ein; viele Bürger begleiteten ihn dabei und kamen mit ihm ins Gespräch. Die Routen waren immer mindestens 20 km lang, sodass mancher Gastgeber Schwierigkeiten hatte, mit dem Ehepaar Carstens konditionell mitzuhalten. Er konnte auch spontan an eine wildfremde Tür klopfen und sich bei einer Tasse Kaffee ein paar Minuten Zeit zum Plaudern gönnen.
Karl Carstens hat von Beginn an seine Amtszeit auf eine Wahlperiode begrenzt wissen wollen, sodass er 1984 aus dem Amt schied und sich danach unter anderem seinen umfangreichen Memoiren widmete – als 700-Seiten-Band! Als Privatier starb Karl Carstens 1992; die Trauerpredigt hielt der evangelische Pfarrer Jochen Siebel.
Dr. Junker untermalte seine in freier Rede gehaltenen Ausführungen mit ganz persönlichen Erlebnissen. Unter anderem erinnert er sich gerne an die gemeinsamen wöchentlichen Reitstunden, die stets die Möglichkeit für anregende Gespräche mit Prof. Carstens gaben. Aber auch die zahlreichen Teilnehmer der Veranstaltung nutzten die Gelegenheit, ihre eigenen Erlebnisse und Begegnungen zu schildern, zumal das Ehepaar Veronika und Karl den Meckenheimer Bürgern in allerbester Erinnerung bleiben wird. Die Veranstaltung endete mit dankbarem Applaus für Dr. Ulrich Junker.
