Allgemeine Berichte | 03.12.2014

Laacher Forum

„Töchter und Väter - So nah und doch so fern“

Licht- und Schattenseiten einer lebenslangen Beziehung

Dr. Mathias Jung. privat

Maria Laach. „Töchter und Väter - So nah und doch so fern“ lautete das Thema des Vortrags von Dr. Mathias Jung, den die Buch- und Kunsthandlung Maria Laach ins Klosterforum eingeladen hatte. Mit den Worten „Sie sind uns unser Liebster“ begrüßte Matthias Wilken, Leiter der Buch- und Kunsthandlung Maria Laach, den Lahnsteiner Psychotherapeuten. Schließlich war Jung in der 20-jährigen Geschichte des Laacher Forums als einziger Referent zwölfmal zu Gast.

In seinem diesjährigen Vortrag widmete sich der Buchautor den positiven Kräften der Vater-Tochter-Beziehung, die es zu entdecken gilt. Dabei entwarf Jung kein romantisches Bild, sondern sprach auch von den Schattenseiten, etwa vom abwesenden Vater, der seiner Vaterrolle nicht gerecht wird, den die Kinder rückblickend als gleichgültig, emotionslos, kontaktscheu, kränkend, abweisend oder sogar als gewalttätig beschreiben. Viele Kinder hungern ein Leben lang nach der Liebe des Vaters und hätten gerne einmal von ihm gehört, dass er stolz auf sie ist. Die Vaterwunde brennt bei Töchtern und Söhnen, die nach der Scheidungswelle in den 70er Jahren vaterlos aufwuchsen und unter der Vaterentbehrung leiden. Von einer Million Scheidungsvätern sind nach zwei Jahren 600.000 für ihre Kinder nicht mehr greifbar. Dabei ist der Vater für ein junges Mädchen, so der Referent, die wichtigste männliche Person, „der erste Mann im Leben einer Frau“, der ein erstes Bild von Männlichkeit vermittelt. In einer liebevollen Vaterbeziehung reifen Töchter für die Begegnung mit der Welt der Männer - und für die Liebe. Mathias Jung: „Der Vater gibt der Tochter den männlichen Gültigkeitsstempel. Es ist der Glanz in den Augen des Vaters“, der Töchter für ein ganzes Leben prägen kann. Wird ihnen dieser liebende Blick vorenthalten, speichern sie dies als eine Beziehung zum Mann ab. Zudem kann die Tochter vom Vater männliche Anteile erlernen.

Bei 150 Frauen ging der Psychotherapeut der Vaterbeziehung auf den Grund, indem er ihnen mehrere Fragen stellte: „Wie würdest Du Deine Vaterbeziehung benoten? Hat Dein Vater Dir das Gefühl gegeben: So, wie Du bist, bist Du wunderbar? War er ein anwesender oder abwesender Vater? Was hat Dein Vater Dir mitgegeben? Warst Du eine Gefalltochter, Leistungstochter oder Trotztochter?“ Die Vaterbeziehung kann fürs ganze Leben Segen oder Fluch sein, denn in der Partnerbeziehung setzt sich das erlernte Muster fort. Deshalb ist es für Matthias Jung so wichtig, dass Vaterwunden heilen. Er stellte im Laacher Forum die Frage: „Bist Du versöhnt mit Deinem Vater oder haust Du noch im Museum der Verletzung? Wenn eine Vaterwunde da ist, schließen wir das ein wie Bernstein und schließen alles Positive aus. Wir haben oft kein Vaterbild, sondern eine Fata Morgana. Töchter und Söhne wissen wenig über ihre Väter, doch Liebe ist Wissen. Je mehr ich über einen Menschen weiß, desto mehr kann ich ihn lieben.“ Und der Referent riet den Zuhörerinnen und Zuhörern, nicht im Opferland, nicht in der Wüste der Rache und des Hasses zu bleiben und erinnerte an ein chinesisches Sprichwort: „Wer auf Rache sinnt, soll zwei Gräber schaufeln: Eins für den Konkurrenten und das zweite für die eigene Lebendigkeit.“

Was aber sollen Töchter tun, die als Missbrauchsopfer den Tiefpunkt einer Vaterbeziehung erleben mussten? „Mein Vater hat mir meine Kindheit geraubt, vor Männern habe ich insgeheim immer noch Angst“, zitierte der Referent eine Klientin. Mathias Jung: „Solange ich mich aber als Opfer fühle, hat der Täter Macht über mich.“ Und er meinte, auch dann könnten sich Töchter aus der Gefangenschaft des Erlebten befreien. Mathias Jung im Laacher Forum: „Zwei Dinge führen zur Versöhnung: Gefühlsarbeit und Spurensuche.“ Es kann ein Brief sein, in dem man dem Vater auf Augenhöhe begegnet. Bei einem verstorbenen Vater wird der Brief auf dem Grab verbrannt oder in der Erde vergraben. Wie die Versöhnung auch aussieht, sie sperrt alte Dämonen aus und gibt Raum fürs eigene Leben und zum Atmen.

Dr. Mathias Jung. Foto: privat

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Neueste Artikel-Kommentare
  • Julia Doll : Lieber Roman, ja absolut, sehe ich ganz genauso
  • Roman Bermel: Hallo Julia. Du hast vollkommen recht. Ich habe lange bei euch gearbeitet und bin auch heute noch in der Grundschule unterstützend tätig. Ich kann nicht feststellen, dass weniger Unterstützung notwendig ist, eher das Gegenteil ist der Fall.
  • Ignaz Wrobel: Bedauerlich und fragwürdig finde ich, dass offenbar nicht die konstruktive Mitarbeit (!!!) in kommunalen Gremien zur grundlegenden Mitwirkung bei solchen Entscheidungen gesucht wird. Ich würde mich...
  • W. Harkort: Danke für diesen Kommentar. Gab es auch Einwendungen wegen seltener Ameisen? Irgendwann in naher Zukunft werden diese Leute ihre Entscheidung bereuen. Dann ist es aber zu spät.
  • Walter Knieps: Warum erst jetzt ?!?!
Kreishandwerkerschaft
Imageanzeige
Mülltonnen -Reinigung, bis auf Widerruf
Rund ums Haus
Minijob
Innovatives rund um Andernach
10 Jahre NoWi Bau
Anzeige Show Alive
Imageanzeige Löhr Meckenheim
Empfohlene Artikel
Symbolbild.
120

Rhein-Lahn-Kreis. Kurz vor dem langen Maiwochenende warnt der Brand- und Katastrophenschutz des Rhein-Lahn-Kreises eindringlich vor der gesteigerten Gefahr von Vegetations- und Waldbränden. Die aktuelle Witterung, geprägt von Wind und anhaltender Trockenheit, hat dazu geführt, dass das alte Laub vom Vorjahr sowie der Boden in Wäldern und auf Wiesen besonders trocken und entzündlich sind.

Weiterlesen

Symbolbild.
258

Die zweite Maiwoche bringt spürbar mehr Licht, mildere Abende und eine zunehmende Dynamik im Alltag. Mit dem Übergang in die wärmere Jahreszeit verschieben sich Prioritäten: Außenaktivitäten gewinnen an Bedeutung, Beziehungen werden intensiver beleuchtet und berufliche Entwicklungen nehmen Fahrt auf. Gleichzeitig zeigen sich bei einigen Sternzeichen auch Spannungen zwischen Aufbruchsstimmung und innerer Unruhe.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Von links: ehemalige Tolitäten Josephine Müller und Julia Richter, neue Tolitäten Ann-Kathrin Bretz, Carolin Stieffenhofer und Lilli Karbach, erster Vorsitzender der Heimatfreunde Güls Christoph Müller und Ortsvorsteher Hans-Peter Ackermann. Foto: SCH
51

Carolin Stieffenhofer und ihren Prinzessinnen Ann-Kathrin Bretz und Lilli Karbach übernahmen das Zepter

Feierliche Eröffnung des Blütenfestes Güls mit Proklamation der neuen Blüten- und Weinkönigin

Koblenz-Güls. Wenn die Weinberge an der Mosel nach und nach wieder grün werden und im ganzen Umland auf den Höhen die Kirschbäume die Landschaft in ein weiß blühendes Meer verwandeln, ist es wieder so weit: Im Koblenzer Stadtteil Güls, dem Tor zur Mosel, beginnt endlich wieder das Blütenfest, welches rund um den ersten Mai gefeiert wird!

Weiterlesen

Dauerauftrag
Rund ums Haus
Holz Loth-Entsorgung
Schulze Klima -Image
Werksverkauf Anhausen
Shopping Genuss Abend Ahrweiler / o.B. Sponsoring
10 Jahre NoWi
Vorabrechnung, Nr. AF2025.000354.0, April 2026
10 Jahre NOWI
10 Jahre Nowi
Azubispots Bad Neuenahr 2026
Biergarteneröffnung
First Friday Anzeige Mai
Betriebsferien Mai 2026
Jubiläum
Image
Stellenanzeige Bauingenieur Trinkwasserversorgung/Abwasserbeseitigung