Fußfall auf dem Altendorfer Friedhof wurde restauriert
Tonnenschwerer Baum zerstörte Kreuzweg-Station
Sturm brach die 150 Jahre alte Eiche ab - Versicherung zahlt für die Restaurierung
Ersdorf-Altendorf. Der tonnenschwere Baum war schon 150 Jahre alt. Als der Sturm im Frühjahr an ihm rüttelte, stürzte er mit riesigem Getöse auf die viel befahrene Ahrstraße. Die Station des Kreuzweges und die historische Ummauerung des Friedhofs wurden von dem Gewicht zerschlagen. „Zum Glück wurde niemand verletzt“, sagte der frühere Ortsvorsteher Hermann-Josef Nöthen zu dem Unglück. Der Stumpf der mächtigen Eiche musste schließlich abgeschnitten werden, der Stamm auf der Landstraße war schnell entfernt. Was blieb, war ein völlig zerborstener Fußfall, auch die alte Backsteinmauer hatte erheblichen Schaden genommen. Was tun, fragte sich auch Hermann-Josef Nöthen, der Geschäftsführer der Kirchengemeinde Sankt Jakobus Ersdorf-Altendorf. Bei einem Sturmschaden ist die Gemeinde versichert, der Schaden betrug etwa drei- bis dreieinhalbtausend Euro. Nun hat Restaurator Roland Gassert aus Wachtberg die Arbeit aufgenommen. Teilweise eine äußerst komplizierte Arbeit, denn der Baum hatte die Kreuzwegstation in zig Teile zerschmettert.
Im Rheinland ist es jahrhundertealter Brauch, an den Fußfällen niederzuknien und zu beten. Wie und was gebetet wird, ist regional unterschiedlich. Hermann-Josef Nöthen hatte sich vor der Auftragsvergabe schlau gemacht und in den alten Kirchenbüchern herausgefunden, dass an den Kreuzwegstationen auf dem Altendorfer Friedhof die Angehörigen vor allem dann ihre Knie beugten, wenn Familienmitglieder krank oder gerade gestorben waren. Er recherchierte auch, dass ältere Frauen sieben Jungfrauen aus dem Ort zusammenholten und an den Fußfällen Gott um Hilfe baten. Bei männlichen Toten wurden Jungen zum Gebet an die Fußfälle beordert. Wenn dieser alte Brauch in dieser Form auch heute nicht mehr üblich ist, so will die Kirchengemeinde Sankt Jakobus dennoch die historischen Kreuzweg-Stationen komplett präsentieren.
Roland Gassert hat mit Spezialharz die geplatzten Steine wieder geklebt. „Das kann man nicht mit einfachen Klebern wiederherstellen. Denn Steine und die Platten der Fußfälle sind schließlich Wind und Wetter ausgesetzt, müssen viel aushalten. Und das Material ist nicht in Baumärkten zu bekommen, schließlich muss die Mauer nach der Restaurierung wieder in ihren vorherigen Zustand gebracht werden. Das sind Feldbrandsteine, da musste ich die zerbrochenen benutzen und zusammenfügen. Die Terrakotta-Platte, auf der Jesus unter dem Kreuz abgebildet ist, habe ich zusammengesetzt und auf der Vorderseite mit Spezialmasse geglättet“, erläuterte Roland Gassert. Das Ergebnis der Arbeit begutachtete Hermann-Josef Nöthen gleich beim Zusammensetzen, hatte er doch selbst mit Hand angelegt. Die Summe von gut 3.000 Euro für die Restauration zahlt ja nun die Versicherung.
Die Altendorf-Ersdorfer kamen schon bei der Arbeit zur „Baustelle“ und überzeugten sich, dass der Fußfall, der in mehr als 30 Teile zersplittert war, nun aussieht, als habe es den Schaden gar nicht gegeben.
