Wilhelm-Remy-Gymnasium Bendorf
Tourismus-Experten diskutieren mit Bendorfer Gymnasiasten
Investitionen in den Tourismus rentieren sich für die Region Mittelrhein
Bendorf. Der Tourismus gilt weltweit als wichtiger Wirtschaftsfaktor, der auch am Mittelrhein zu Wachstum und Beschäftigung beiträgt und daher unverzichtbar ist. Dieses Thema und seine Bedeutung für die Region im Kreis Mayen-Koblenz wollten vier Schüler der Oberstufe des Wilhelm-Remy-Gymnasiums Bendorf im Rahmen des Sozialkundeleistungskurses näher untersuchen. Zu diesem Zweck organisierten die Elftklässler Lasse Schloemer, Lena Nink, Annika Vieregge und Phlipp Noll einen Diskussionsabend, zu dem sie hochrangige Experten der Branche gewinnen konnten. Zu dem Reigen der namhaften Teilnehmer gehörten: Beatrice Lerch, Tourismusreferentin des Mainzer Wirtschaftsministeriums, der Kreisbeigeordnete Rudi Zenz, Anja Wendling, die stellvertretende Geschäftsführerin der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH sowie Jeanette Dornbusch, Geschäftsführerin Romantischer Rhein Tourismus GmbH. Das Gastgewerbe war durch das Mitglied im DEHOGA-Präsidium Michael Helling, Hotelier im Berghotel Rheinblick, und den Tourismusreferenten der IHK Koblenz, Christian Dübner, vertreten. Auch die Vorsitzende der UNESCO Welterbestätten Deutschland e.V., Claudia Schwarz nahm an der Expertenrunde teil.
Nach einer kurzen Eröffnungsrede von Klassenlehrer Christian Mohr und einer persönlichen Vorstellung der Teilnehmer der Runde wurde diese zunächst geleitet von den Schülern Lasse Schloemer und Lena Nink. Bei so viel touristischem Sachverstand entwickelte sich schnell eine spannende und informative Diskussion, aufmerksam von dem interessierten Publikum verfolgt, darunter auch die Stadträte Herbert Speyerer und Manfred Bauer sowie der Fachbereichsleiter Wirtschaft der Stadt Bendorf Werner Prümm.
Investitionen in die Infrastruktur
Im Fokus der Schüler standen Fragen nach der wirtschaftlichen Bedeutung und der Notwendigkeit von Investitionen in die touristische Infrastruktur wie Rad- oder Wanderwege. Aber auch die Kultur und das Welterbe als wichtige Faktoren der Attraktivität wurden betrachtet.
Beeindruckende Zahlen waren zu hören, die Schüler und das Publikum erfuhren von Beatrice Lerch zum Beispiel, dass in Rheinland-Pfalz 150.000 Menschen in der Tourismusbranche beschäftigt sind und mit ihrer Arbeitskraft ein jährliches Einkommen an Löhnen und Unternehmensgewinnen von rund 3,2 Milliarden Euro erzielen.
Christian Dübner ergänzte, dass 2015 davon alleine eine Milliarde Euro nur im tatsächlichen Rheintal von Rüdesheim bis an die Landesgrenze erwirtschaftet worden sind. Hieran habe nach einer DWIF-Studie im Auftrag der IHK Koblenz der Tagestourismus den größten Anteil, es ist das mit Abstand größte Teilsegment des Tourismus in Deutschland. Dübner: „Der Tourismus ist am Mittelrhein ein unbedingt notwendiger Wirtschaftsfaktor. Wenn wir uns die Region anschauen, dann haben wir südlich von Koblenz bis nach Bingen ein enges Tal, wo kaum Industrie angesiedelt ist und weiter keine Industriestandorte möglich sind.“
Wie rentieren sich Wanderwege?
Zu Investitionen in die Infrastruktur wollte Lasse Schloemer von Frau Dornbusch wissen, wie wirtschaftlich eigentlich die vielen Premiumwanderwege wie der „Rheinsteig“ seien. Schloemer: „Die Wanderwege kosten doch Geld aber die Nutzung nicht, man kann ja überall kostenlos wandern, wie rechnet sich das?“ Jeanette Dornbusch scherzhaft: „Mit anderen Worten, Deine Empfehlung wäre, Eintritt zu verlangen.“ Wieder ernsthaft fuhr sie fort: „Es ist richtig, die Infrastruktur kostet sehr viel Geld und der Tageswanderer gibt auch wenig oder gar kein Geld aus. Unsere Zielgruppe sind die vielen Wanderer, die mehrere Tage oder gar eine Woche wandern. Sie wollen Qualität und Service, sind dafür aber auch sehr ausgabefreudig. Das rentiert sich dann für die Dienstanbieter rund um die Strecken wie Gaststätten, Hotels oder Fahrdienste. Dieses Geld bleibt in der Region.“ Hotelier Michael Helling und Anja Wendling äußerten sich zu diesem Komplex ähnlich.
Bei der Frage nach Kulturmerkmalen wies Rudi Zenz unter anderem auf den Weinbau hin. Die unzähligen Winzerbetriebe bieten dem Gast beispielsweise Weinproben, bei denen er mir allen Sinnen ein Naturprodukt erleben kann. Dies ist ein entscheidender Vorteil gegenüber dem Internet oder dem Fernsehen. Auch die einmalige Burgenvielfalt entlang des Rheins sei ein weiteres Kulturgut, das die Gäste immer wieder anziehe.
Qualitätstourismus dank UNESCO-Anerkennung
Sehr interessant waren auch die Ausführungen von Claudia Schwarz zur Frage der Schüler nach der Wirtschaftlichkeit des Rheintals als UNESCO Welterbe. Frau Schwaz: „Für das Obere Mittelrheintal war die Anerkennung als UNESCO Welterbe ein Segen.
Die Region hatte bis dahin ein negatives Image durch den Club- und Massentourismus. Schon der Weg zu der Anerkennung war so wichtig für die Region, weil viele Dinge verbessert und möglich wurden. Ich denke, dass ohne die UNESCO weder die Landesgartenschau in Bingen noch die BUGA in Koblenz stattgefunden hätten. Das hat uns den Qualitätstourismus als weiteren Wirtschaftsfaktor gebracht.“
Nach einer kleinen Pause übernahmen die Schüler Annika Vieregge und Philipp Noll die Regie, deren weitere Fragen beantworteten die Experten ebenfalls kompetent und kurzweilig.
Zum Schluss war man sich auf Bendorf bezogen zusammenfassend in der Runde einig, dass durch die vielen attraktiven Angebote in der Stadt, unter anderem der Kulturpark Sayn, die Röstöfen und die Festspiele am Rheinblick, der Tourismus als Wirtschaftsfaktor auf einen guten Weg gebracht worden ist.
Der Kreisbeigeordnete Rudi Zenz und die Vorsitzende der UNESCO Welterbestätten Deutschland e.V., Claudia Schwarz, kamen der Einladung nach.
Jeanette Dornbusch, Christian Dübner, Anja Wendling und Beatrice Lerch standen den Schülern Rede und Antwort. Fotos: -GM-