Vortrag des Vereins Zehnthaus e. V.
„Traditionell modern- 200 Jahre Universität Bonn“
Swisttal-Odendorf. Dr. Thomas Becker, der Leiter des Archivs der Universität Bonn, sowie des Universitätsmuseums, schlug kürzlich im Odendorfer Zehnthaus einen weiten Bogen über die wechselvolle 200-jährige Geschichte der Universität Bonn.
So berichtete er, dass die Gründung dieser Alma Mater fast nicht zustande gekommen wäre. Zwar hatte der preußische König Friedrich Wilhelm III. bereits 1815 auf dem Wiener Kongress seiner neuen Rheinprovinz eine Universität zugesagt, aber die von vielen Professoren und Studenten gegen den preußischen Staat geäußerte Kritik brachten ihn beinahe wieder von diesem Vorhaben ab. Der Überzeugungskraft des preußischen Reformers und Staatsministers Karl August von Hardenberg war es zu verdanken, dass der König sich dann doch noch umstimmen ließ. Am 18. Oktober 1818 unterzeichnete er die in der Nacht zuvor auf einfachem Kanzleipapier erstellte, schmucklose Gründungsurkunde. Von großer Bedeutung für die Ausrichtung der Bonner Neugründung war die Bildungsreform des preußischen Gelehrten und Staatsmanns Wilhelm von Humboldt, der an der Hochschule - im Gegensatz zu den traditionellen Universitäten - die Einheit von Forschung und Lehre verankert sehen wollte. Im 19. Jahrhundert wurde Bonn so zum Standort einer der modernsten Universitäten in Deutschland. Wesentliche Einschnitte brachte die erste Hälfte des 20 Jahrhunderts, mit den beiden verheerenden Weltkriegen und der Unrechtsherrschaft des Nationalsozialismus. Heute ist die Universität Bonn eine international tätige Forschungsuniversität, in der zuletzt vor allem die mathematisch und naturwissenschaftlich ausgerichteten Fächer ihren Aufstieg nahmen. Von den 300 Studenten im Sommersemester 1819 hat sie sich jetzt zu einer Hochschule mit insgesamt 38.000 Studierenden entwickelt. In der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder hofft sie darauf, demnächst neben Köln und Aachen zur dritten Exzellenzuniversität in Nord-Rhein-Westfalen zu werden.
