Allgemeine Berichte | 20.10.2020

Waldorfs Antwort auf den „Apfel-Einheitsbrei im Supermarkt“

Traditioneller Obstsortentag fand diesmal da statt, wo das Obst auch wächst

Erwin Plath, Vorsitzender der Naturschutzgemeinschaft, führte die Besucher über den Streuobstlehrpfad.Foto: Jutta Dietz

Waldorf. Die natürliche Artenvielfalt auf den Streuobstwiesen in der Region zu präsentieren, das hat sich die Naturschutzgemeinschaft Vinxtbachtal auf die Fahnen geschrieben. Mit dem Vinxtbachtaler Obstsortentag, der in kleinerem Rahmen bereits vor 17 Jahren in Waldorf Premiere feierte, will die Gemeinschaft eine Bresche für die heimischen Obstwiesen schlagen und ihre ganz individuelle Antwort auf den Apfel-Einheitsbrei im Supermarkt liefern.

Aus gutem Grund: Streuobstwiesen sind ein Kulturgut. Sie verschönern nicht nur das Landschaftsbild, sondern sind auch Lebensraum für eine Fülle von Tier- und Pflanzenarten. Davon konnten sich die Besucher der jüngsten Ausgabe des Obstsortentags nun ein eigenes Bild machen. Denn wegen der Corona-Pandemie hatte die Naturschutzgemeinschaft diesmal nicht wie gewohnt in die Waldorfer Vinxtbachhalle eingeladen, sondern eben dahin, wo Apfel, Birne und Co. auch wachsen: auf die Streuobstwiesen und an den Streuobstlehrpfad des Vereins.

Der Treffpunkt für die informativen Führungen aber war eine Garage am Ende der Schulstraße.

Diese hatte Erwin Plath, der Vorsitzende der Naturschutzgemeinschaft, in eine Apfelsaft-Ausgabestelle verwandelt – sehr zur Freude der Besucher, die sich als kleine Kostprobe gerne ein Glas frischen Apfelsaft abzapften. Bei durchwachsenem Wetter ging es anschließend auf Tour: Der Apfelkundler Christoph Vanberg nahm mit auf die vereinseigene Streuobstwiese „Op Loches“, um allerlei Wissenswertes über heimische Obstsorten zu erzählen – vor allem, wie man sie unterscheiden kann. Erwin Plath führte parallel dazu über den Streuobstlehrpfad. Auch hier gab es ganz verschiedene Obstsorten kennenzulernen und mehr über das Konzept und die Entstehung des Lehrpfades zu erfahren.

Seit 13 Jahren gibt es den Streuobstlehrpfad. Und Gründe, sich für die Streuobstwiesen zu engagieren, gibt es immer noch genug: die Wertschätzung und Zukunftssicherung für ungespritztes, vitaminreiches Obst, die Tatsache, dass in Mitteleuropa Obstwiesen das Kulturbiotop mit der höchsten Artenvielfalt sind, und die Gewissheit, dass man mit dem Erhalt der Obstwiesen eine über Jahrhunderte gewachsene, harmonische Kulturlandschaft schützt. Zudem ist der Streuobst-Lehrpfad auch zu einem Aushängeschild für Waldorf geworden und lockt im Sinne des sanften Tourismus Gäste an. Eben ganz so wie beim Obstsortentag.

Der in jeder Hinsicht umweltfreundliche Anbau von hochwertigem, aber nicht immer makellosem Obst begeistert zum Glück wieder viele Menschen – auch junge Familien. Dementsprechend gemischt präsentierte sich die neugierige Besucherschar beim jüngsten Obstsortentag. Um die Gruppengröße bei den Führungen möglichst klein zu halten, wurden die Führungen in zwei Runden angeboten. Zur ersten Runde am Vormittag waren noch nicht allzu viele da, zur zweiten am frühen Nachmittag waren es dann schon deutlich mehr.

Die Naturschutzgemeinschaft Vinxtbachtal zieht ein positives Fazit: Ihre Open-Air-Alternative für den althergebrachten Obstsortentag kam gut an. Vielleicht lag es ja an dem besonderen Charme, die Obstvielfalt direkt auf den Wiesen und damit an ihrem Ursprungsort zu erleben. „Das ist etwas ganz anderes, als wenn man es in der Halle sieht“, betont Anke Haas, Zweite Vorsitzende der Naturschutzgemeinschaft.

Christoph Vanberg nahm mit auf die vereinseigene Streuobstwiese „Op Loches“. Hier erklärt er, wie sich Apfelsorten unterscheiden lassen und die Besucher konnten die Äpfel direkt vom Baum probieren. Foto: Anke Haas

Christoph Vanberg nahm mit auf die vereinseigene Streuobstwiese „Op Loches“. Hier erklärt er, wie sich Apfelsorten unterscheiden lassen und die Besucher konnten die Äpfel direkt vom Baum probieren. Foto: Anke Haas

Erwin Plath, Vorsitzender der Naturschutzgemeinschaft, führte die Besucher über den Streuobstlehrpfad. Foto: Jutta Dietz

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