Allgemeine Berichte | 01.10.2019, 12:55 Uhr

12. Koblenzer Hospiztag

„Traditionen, Riten und religiöse Bräuche: vom Begegnen am Lebensende“

Die Referenten des Tages lieferten, bezogen auf die verschiedenen Religionen, Einblicke in spirituelle Traditionen, Riten und religiöse Bräuche im Sterbeprozess. Foto: Koblenzer Hospizverein.Foto: Koblenzer Hospizverein
260

Koblenz. Der vom Koblenzer Hospizverein veranstaltete 12. Koblenzer Hospiztag stand unter dem Thema „Traditionen, Riten und religiöse Bräuche: vom Begegnen am Lebensende“. Um in unserer zunehmend von Migration beeinflussten Gesellschaft ein Gespür für kultursensible Sterbebegleitungen zu schaffen, wurde den rund 130 Teilnehmern im Forum Vinzenz Pallotti in Vallendar nahegebracht, wie die großen monotheistischen Weltreligionen mit dem Sterbeprozess und dem Tod umgehen. Die ganztägige Fachtagung fand unter der Schirmherrschaft des Koblenzer Oberbürgermeisters David Langner statt.

Nach der Begrüßung durch den Hausherrn, Pater Christoph Hammer (pallottinischer Leiter des Forum Vinzenz Pallotti), wurde ein sehr besonderes Klangerlebnis geboten. Gemeinsam mit der Vokalistin Ruth Stöcker stimmte der Multiinstrumentalist und Obertonsänger Georg Holtbernd die Zuhörer auf den Tag ein. Mit Gitarre, exotischen Zupf- und Schlaginstrumenten und der Stimme als weiterem tonproduzierendem Instrument gelang es dem Duo, eine beeindruckend mystische Atmosphäre zu schaffen. Die Willkommensworte der Geschäftsführerin des Koblenzer Hospizvereins, Ina Rohlandt, holten die Gäste zurück aus dem tiefenentspannten Zuhören. Als einen Schwerpunkt des Tages nannte sie das Miteinander, die Wurzel der Sterbebegleitung, die den Menschen in seinem momentanen Sein in den Mittelpunkt stellt; die das Verstehen der Sorgen, Ängste und Erfahrungen des Sterbenden braucht. In diesem Lebensabschnitt können religiöse Bräuche und Riten eine wichtige Rolle spielen. Da kann es hilfreich sein, wenn der Sterbebegleiter weiß, wie beispielsweise Juden dem sterbenden Angehörigen begegnen oder mit welchen Worten gläubige Buddhisten Trost spenden. Mit dem vom Koblenzer Hospiztag initiierten interreligiösen Dialog werden Akzente gesetzt, um sensibel auf die spirituellen Ansprüche der Sterbenden reagieren zu können und das richtige Empfinden zu vermitteln, meinte Oberbürgermeister Langner, der schon seit langem ein Wegbegleiter der Hospizbewegung ist. Bereits als Staatssekretär habe ihn das Thema beeindruckt und nachhaltig geprägt, sagte er. Weil die Thematik gerne aus dem alltäglichen Bewusstsein verdrängt wird, gelte es mit Nachdruck darauf hinzuweisen. Die Gesellschaft dürfe sich nicht zurückziehen, sondern müsse die Begleitung von Menschen, die am Ende ihres Lebens stehen als gemeinsame Verantwortung begreifen. Ohne den Koblenzer Hospizverein, der sich mit einer unglaublichen Kraft engagiere, wäre das nicht realisierbar. In dem Zusammenhang bedankte sich Langner insbesondere bei den mehr als einhundert sich ehrenamtlich im Koblenzer Hospiz einbringenden Mitarbeitern. Clemens Rouget, Vorstandsvorsitzender des Koblenzer Hospizvereins, begrüßte Langners Eintreten für den Hospiztag und die Hospizbewegung. Er schaffe damit einen politischen Rahmen und helfe, mit Nachdruck in die Gesellschaft hineinzuwirken. Mit einem, zum Teil interaktiven, von Musik und Bildern begleiteten Vortrag gab Dipl.-Theologin Dr. Carmen Birkholz (Leiterin des Essener Instituts für Lebensbegleitung) unter der Überschrift „Melodien der Seele“ spirituelle Impulse für eine kultursensible Sterbebegleitung, deren Ziel es ist, dem letzten Lebensabschnitt Würdigung und Würde zu geben. Eine kultursensible Sterbebegleitung nehme die Sterbenden und ihre Angehörigen als Menschen wahr, deren Selbstverständnis und Lebensgefühl wesentlich kulturell geprägt ist. In dieser Lebenssituation biete die Religion oftmals Perspektive und Halt. Sie fasse die Ängste und schaffe Brücken vom Diesseits ins Jenseits. Religionen und Spiritualität können als Lebensgefühl das Sterben begleiten. Symbole speisen dieses Lebensgefühl und Musik könne sein Teppich sein. Der Sterbebegleiter brauche ein Gespür dafür, was das Lebensgefühl des Sterbenden ausmache, was für ihn Bedeutung habe. In groben Zügen stellte sie die Haltung der einzelnen Religionen zum Thema Sterben und Tod vor. Im Judentum beispielsweise bedeute Sterbebegleitung die Begleitung der Lebenden, denn dem jüdischen Glauben nach gebe es nur Lebende und Tote. Genau wie für Juden, sei es für Moslems eine moralische Pflicht, Sterbende nicht allein zu lassen. Dem Islam nach sei das Leben nur eine Leihgabe und der Tod bedeute die Erfüllung des Lebens. Glaubenshaltungen wie diese finden sich in jeder Religion und sollten bei der Sterbebegleitung Berücksichtigung finden. Unabhängig von der Religionszugehörigkeit des Sterbenden sei das Hauptziel, ihm Gelassenheit zu bringen. Birkholz empfahl jedem Sterbebegleiter, mit der Kraft des Religiösen am Lebensende zu rechnen und ihm Raum zu geben.

Nach Referat und Mittagspause konnten sich die Tagungsteilnehmer knapp zwei Stunden lang einen Überblick über spirituelle Sterbebegleitung verschaffen und sich informieren über die religiös geprägten Rituale im Zusammenhang mit Sterben und Tod im Buddhismus, Christentum, Islam und Judentum. Für jede der vier Religionen beantworteten Referent/innen in sogenannten „Raumbegegnungen“ die Fragen der Teilnehmer. Für den Buddhismus war das die praktizierende Buddhistin Nicola Pfeffer (Palliativ-Krankenschwester), für das Christentum Pastoralreferentin und katholische Krankenhausseelsorgerin Rita Krebsbach (Katholisches Klinikum Koblenz-Montabaur), für den Islam der pakistanisch-stämmige Abdul Waseh (Imam in einer Neuwieder Moschee) und für das Judentum Avadislav Avadiev, Vorsitzender der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz und des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden von Rheinland-Pfalz.

Mit einer Abschlussdiskussion endete am Nachmittag der 12. Koblenzer Hospiztag. BSB

Georg Holtbernd und Ruth Stöcker gaben dem Hospiztag das musikalische Geleit.

Georg Holtbernd und Ruth Stöcker gaben dem Hospiztag das musikalische Geleit.

Dr. Carmen Birkholz referierte über kultursensible Spiritualität am Lebensende.Fotos: BSB

Dr. Carmen Birkholz referierte über kultursensible Spiritualität am Lebensende.Fotos: BSB

Der Koblenzer Oberbürgermeister David Langner richtete als Schirmherr des Hospiztages ein Grußwort an die Teilnehmer.

Der Koblenzer Oberbürgermeister David Langner richtete als Schirmherr des Hospiztages ein Grußwort an die Teilnehmer.

Die Referenten des Tages lieferten, bezogen auf die verschiedenen Religionen, Einblicke in spirituelle Traditionen, Riten und religiöse Bräuche im Sterbeprozess. Foto: Koblenzer Hospizverein.Foto: Koblenzer Hospizverein

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis – inkl. E-Paper
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Dauerauftrag 2026
Dauerauftrag 2026
Schleuter Gebäudetechnik
Lukasmarkt
Media-Auftrag 2026/27
Sonderpreis Gesamtausgabe
Lukasmarkt
Stellenanzeige Fahrer/Begleitperson
Empfohlene Artikel
Von der Neuenahrer Kirmes nicht wegzudenken ist das Festzelt der Freiwilligen Feuerwehr Bad Neuenahr, hier unter anderem mit Ortsvorsteher Richard Lindner (hinten rechts), sowie Löschzugführer Sascha Radermacher (hinten links) und dessen Stellvertreter Robert Helmrich (hinten Mitte). Fotos: DU
315

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Mit dem Fassanstich durch Bürgermeister Pascal Rowald, „assistiert“ von Ortsvorsteher Richard Lindner und dem ersten Beigeordneten Peter Diewald, startete am vergangenen Freitag die traditionelle Kirmes in Bad Neuenahr. Und zwar dort, wo es nicht nur viele Neuenahrer während der fünftägigen Kirmes immer wieder hinzieht: am Festzelt der freiwilligen Feuerwehr. Eine Mischung aus Kult, Stimmung, kühlem vom Fass und leckerem vom Grill.

Weiterlesen

Die Tanzgruppe „Magic Majorettes“ schenkte Dagernova-Ahr-Wein aus.Foto: DU
271

Sinzig. Im Sinziger Veranstaltungs-Jahreskalender hat sich der Weinherbst längst fest etabliert. Bei entspannter Atmosphäre gemütlich durch die Innenstadt schlendern, verweilen, facettenreich genießen und Kultur erleben – das zeichnet den Weinherbst aus. So auch am vergangenen Wochenende, als es drei Tage lang ein Programm für alle Generationen gab. Dass beim Weinherbst – Nomen est Omen – natürlich einige gute Tropfen ausgeschenkt wurden, versteht sich von selbst.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Neue Merchandise-Artikel zum Lukasmarkt sind ab sofort erhältlich
858

Mayen. Es ist Anfang Oktober und der Lukasmarkt steht vor der Tür. Vom 10. bis 18. Oktober erwarten die Besucherinnen und Besucher zahlreiche Fahrgeschäfte, Essens- und Getränkestände sowie viele neue und bekannte Attraktionen. Eine Übersicht über Stände, Programm, Merchandise und vieles mehr ist im Lukasmarkt-Flyer und in dem diesjährigen Festheft ersichtlich.

Von Pressestelle Stadt Mayen aus Mayen

Weiterlesen

Der Schillerpark in Lahnstein verwandelt sich ab dem 20.Oktober wöchentlich in einen Marktplatz.
508

Ab 20. Oktober dienstags von 16 bis 19 Uhr

Neuer Wochenmarkt im Schillerpark Lahnstein

Lahnstein. Frische Produkte einkaufen, regionale Angebote entdecken und dabei vielleicht noch das ein oder andere bekannte Gesicht treffen: Ab Dienstag, 20. Oktober bekommt Lahnstein einen neuen Wochenmarkt. Jeden Dienstag von 16 bis 19 Uhr verwandelt sich der Schillerpark künftig in einen kleinen Marktplatz.

Von Pressestelle Stadt Lahnstein aus Lahnstein

Weiterlesen

: Jede Menge Spaß hatte diese Besuchergruppe aus Euskirchen und Insul.Fotos: DU
344

Perfekter Auftakt für die Mayschoßer Weinwochen

Laura Epstein ist neue Weinkönigin von Mayschoß

Mayschoß. Der Oktober steht in Mayschoß wie eh und je im Zeichen der Weinwochen, die am vergangenen Wochenende einen Auftakt nach Maß verbuchen konnten. Bei Kaiserwetter waren es sicher tausende Besucher, die nicht „nur“ in und um Mayschoß feierten, sondern auch den Weinherbst Mittelahr für Wanderungen, Radtouren oder sonstige Aktivitäten nutzten. Nachdem die neue Weinkönigin Laura Epstein bereits...

Weiterlesen