Narrenmesse im Schatten von Krieg und Krisen
„Tränen, die man lacht, kann man nicht weinen“
Remagen. Irgendwie ist es der berühmte Ritt auf der Rasierklinge: Karneval im Schatten von Corona, Krieg, Ahr-Flut und Krise in und um die Kirche. Es war wahrlich nicht leicht für Dechant Frank Klupsch dieses den Gläubigen bei der Narrenmesse in Sankt Peter und Paul näher zu bringen. Nur einer „erlaubten“ Schar, war es vergönnt, das Gotteshaus unter kontrollierten Hygienebedingungen zu betreten. Doch das Verständnis dafür war bei den bunt kostümierten Narren groß. Unter ihnen natürlich Prinz Klaus-Jürgen I. und Prinzessin Bettina I., mit dem gesamten Hofstaat. Endlich mal das Ornat tragen dürfen, diese Freude war den närrischen Herrschern anzusehen. Und, nein, „wir machen keinen Klamauk, Karneval und Kirche gehören zusammen, wir feiern angemessen,“ so beschrieb der Pastor das Stimmungsbarometer. Und, völlig unüblich in der Kirche, an der ein oder anderen Stelle der Narrenmesse brandete Beifall auf. Klupsch begrüßte seinen weltlichen Gegenpart, Bürgermeister Björn Ingendahl, den Kinderprinz Leon-Marcel I., seinen „Messdienerstar“, sowie „alle Narren weit und breit, in dieser wahrlich schweren Zeit“. In seiner in Reimform vorgebrachten Predigt aus der Kanzel, die nun zur „Bütt“ wurde, warb er für den „Weltfrieden“, angesichts des Ukraine-Krieges, er nannte Putin einen Diktator und wünschte sich „mehr Führung“ von Bundeskanzler Olaf Scholz. Kein Karneval wegen Corona? Nein, meinte Klupsch, zumindest die Narrenmesse muss sein, nur beten ginge auch nicht. Und er wünschte sich: „Könnt ich sonntags nur eure Aufmerksamkeit so erringe, wie wenn ich an Karneval ne Predigt in Reimform bringe“. Remagens Pastor verdeutlichte sein Unverständnis für die Impfgegner, er forderte zur Einhaltung der Regeln auf, teilte aber auch seine Meinung mit: „Aber alle, die sagen, Lachen in der Krise gehöre sich nicht, denen sei gesagt, ihr seid nicht ganz dicht.“ Ein Mainzer Karnevalist hatte das auf den Punkt gebracht, mit den Worten: Tränen, die man lacht, kann man nicht weinen. Klupsch packte auch das heiße Eisen der katholischen Kirche an, ein Thema das zahllose Gläubige bewegt. Deutlich sagte er: „Aller Missbrauch, bei uns und überall, ist wahrlich mehr als ein Skandal. Als Priester bin ich beschämt und es tut mir leid, das Missbrauch wenig aufgeklärt und so verbreit“. Er warb aber auch dafür, darauf zu schauen, was die Kirche alles leistet: da gibt es Kindergärten, Sozialstationen, Betreuung und auch Krankenpflege. Sein Fazit: „In Remagen am schönen Rhein, ist es eine Gnade, Pastor zu sein“. Für seine Rede erntete der Pastor Applaus von der Narrenschar.
Dieser wurde auch dem Remagener „Stadtschreiber“, Rolf Plewa, zuteil, der die Freude hatte, die Kanzel als Büttenredner zu betreten. Schmunzeln ging durch den Dom, als er als erstes ausführte, dass man sich nicht mit allen Worten nur beliebt mache. Doch, „als Narr in der Bütt darf man es wagen, zu sagen, was andere nicht zu sagen wagen“. Und so ging er auf den Skandal in der Kirche ein: „Der Pastor weiß, was für ein Mist, da in der Kirche vorgefallen ist. Doch kann es nicht sein, dass Frank Klupsch muss ertragen, was andere weit vor ihm versaubeutelt haben“. Nach der Narrenmesse traf sich die Narrenschar zum Umtrunk am Nikolausbüdchen. Zündstoff für Diskussionen hatten die Reden genug geliefert. AB
„Stadtschreiber“ Rolf Plewa.
Dechant Frank Klupsch.
