Vortrag des Leiters des LWL-Römermuseums in Haltern am See, Dr. Rudolf Aßkamp
Triumph ohne Sieg – Germanicus in Germanien
Swisttal-Odendorf. Nero Claudius, genannt Germanicus, feierte am 26. Mai des Jahres 17 n. Chr. „seinen Triumph über die Cherusker, Chatten, und Angrivarier, samt den anderen Volksstämmen, die bis zur Elbe hin wohnen. Man führte Waffenbeute, Gefangene, Abbildungen von Bergen, Flüssen und Schlachten mit.“
Mit diesen Worten berichtete der römische Historiker Tacitus über den prunkvollen Triumphzug, den Kaiser Tiberius seinem Adoptivsohn und Feldherrn Germanicus in Rom ausgerichtet hatte. Zu diesem Ereignis und vor allem auch seinen Hintergründen hielt der Leiter des LWL-Römermuseums in Haltern am See, Dr. Rudolf Aßkamp auf Einladung des Vereins Zehnthaus e.V. im gut besuchten Odendorfer Zehnthaus einen kenntnisreichen Vortrag.
Nach fast dreißig Jahren Krieg in Germanien hatte Rom keinen entscheidenden Sieg über die germanischen Stämme östlich des Rheins erringen können. Zwar hatte Germanicus auch einige Erfolge vorzuweisen. Doch waren die Kriegszüge, die er mit acht Legionen (etwa 60.000 Mann) führte, sehr kostspielig und äußerst verlustreich. Dies warf der Kaiser ihm schließlich auch vor und entzog ihm 16 n. Chr. das Oberkommando.
Er berief ihn mit der Begründung nach Rom zurück, es sei genug für Roms Rache erreicht worden und man könne die aufrührerischen Germanen am besten ihren eigenen Zwistigkeiten überlassen. Nach Aßkamps Auffassung hatte nur Kaiser Tiberius in diesem Konflikt seine politischen Ziele durchsetzen können. Waren für ihn der Rückzug aus den verlustreichen Unternehmungen und die Sicherung der Rheingrenze wesentliche Gesichtspunkte, so hatte er aber noch ein weiteres gewichtiges Argument gegen die Fortsetzung des Krieges, eines das nicht an die Öffentlichkeit gelangen sollte. So musste er befürchten, dass ein über die Germanen siegreicher Germanicus, als ein strahlender Held zur Bedrohung seiner eigenen Stellung in Rom werden konnte.
Durch den Triumph wurde dieser eigentliche Grund für den Verzicht auf Germanien verborgen.
