Zehntes Oldtimer-Treckertreffen in Schweighausen
Tuckernde Schätzchen zogen Massen an Besuchern an
Schweighausen. Alle zwei Jahre platzt der kleine Ort Schweighausen in der Verbandsgemeinde Nassau aus allen Nähten. Beim inzwischen zehnten „Oldtimertreffen des Klubs historischer Landmaschinen und Geräte“ wie das Spektakel offiziell heißt, steuerten wieder fast 300, zum allergrößten Teil historische Fahrzeuge, den Taunusort an. Daran konnte auch die schlechte Wetterprognose nichts ändern.
Bereits seit Donnerstag vor dem Veranstaltungswochenende füllte sich das „Fahrerlager“ oberhalb des eigentlichen Veranstaltungsgeländes. Teilweise absolvierten die Teilnehmer bis zu halbtägige Anreisen bei 16, 25 oder im Falle eines „Schnellläufers“ auch mal berauschenden 40 Stundenkilometern. Das Fahrerlager gab einen ersten Eindruck von der Klientel des Treckertreffens – ein ganz besonderer Menschenschlag: technikaffin, keine Angst vor Öl an den Fingern oder Matsch vor dem Wohnwagen. Am Freitag sorgte Hagel und Starkregen für schwierige Bedingungen im Fahrerlager.
Weit über den Rhein-Lahn-Kreis hinaus reicht das Einzugsgebiet der Veranstaltung. Die weiteste Anreise hatte ein Teilnehmer aus Haiger, viele kommen aber auch aus der Region Mainz/Ingelheim, dem Hunsrück, dem Kannebäcker Land und der Eifel. „Die Resonanz ist toll“, schwärmte Sascha Werner, der den Vorsitz der „Schlepperfreunde“ vom Ehrenvorsitzenden und Treckertreffen-Gründer Rudi Rotard geerbt hat. „Das funktioniert auch nur, weil praktisch ganz Schweigese mithilft. Rund 140 Helfer sind im Einsatz, viele stellen Flächen zur Verfügung – und sonntags und montags nehmen alle zugeparkte Einfahrten in Kauf“, erklärte Sascha Werner.
Buntes Rahmenprogramm rundete das Oldtimertreffen ab
Doch es gibt weit mehr als „nur“ alte und liebevoll restaurierte Traktoren zu bewundern: Schmiedefeuer rauchten, ein Motorsägenkünstler war in Aktion, die mobile Schreinerei zeigte die Verarbeitung von Stämmen zu Balken und Brettern, ein Schreiner drechselte und Strohseile wurden geknüpft. Der unbestrittene Höhepunkt war aber der Einsatz der betagten Dreschmaschine. Der inzwischen 81-jährige Rudi Rotard zeigte die mit Transmissionsriemen betriebene Dreschmaschine in Aktion und nicht nur viele Kinder, sondern auch so manches Elternteil fragte sich offensichtlich, wofür dieser aufwendige Arbeitsschritt eigentlich gebraucht wird. „So ist die Idee zum Sammeln entstanden, ich wollte bewahren, was früher ganz normal war, aber zusehends in Vergessenheit zu geraten drohte“, so Rudi Rotard.
Der Legende nach hat er an einem Pfingstwochenende Mitte der neunziger Jahre „einfach mal seine Schätzchen auf die Gasse gestellt“ – so soll das Treckertreffen entstanden sein. Was er und sein Team in den Folgejahren aufgebaut haben und Sascha Werner heute weiterführt, ist eine der tollsten Familienveranstaltung der Region. Für die Kids gab es viel zu erleben. Natürlich gab es reichhaltige Gelegenheit zu Ausfahrten mit den unterschiedlichsten Traktoren, aber auch Ponyreiten, Quadfahren im Gelände, Traktoren bauen aus Holz oder einfach nur ein Lagerfeuer im Fahrerlager produzieren – auch im Playstation-Zeitalter – noch leuchtende Kinderaugen.
So mancher Erwachsene bekam angesichts des Hauptpreises der Verlosung leuchtende Augen: Ein grüner Steyr, Baujahr 1950, konnte für einen Lospreis von einem Euro gewonnen werden. „Natürlich gewinnt man da auch grade wieder ein Stückchen Arbeit, aber das ist genau das, was echte Schlepperfreunde brauchen. Fertig ist man nie, es wartet immer der nächste Traktor, der restauriert werden will“, lachte Sascha Werner. Willi Willig
Bei einer Treckerfahrt hatten auch die Kleinsten ihren Spaß.
