Erfolgreicher Vortragsabend des FAKT e.V. in der Stadthalle Montabaur
Über 200 Zuhörer begeistert vom Thema Resilienz
Montabaur. Wieder fand in der Stadthalle Montabaur eine äußerst erfolgreiche Veranstaltung des gemeinnützigen Vereins FAKT e.V. statt, die weit über 200 begeisterte Zuhörer anzog. Das zentrale Thema des Abends war „Resilienz“, ein hochaktuelles und in unserer hektischen Zeit immer relevanter werdendes Thema. Der Verein, der sich für einen nachhaltigen sozial-ökologischen Wandel der Gesellschaft einsetzt, lud zu diesem Anlass die Therapeutin Heike Schönborn als Hauptrednerin ein.
Eröffnet wurde die Veranstaltung von Afra Schmidt, der Vorsitzenden von FAKT e.V., die in ihrer Einführung den beruflichen und ehrenamtlichen Werdegang von Heike Schönborn skizzierte. Schönborn, seit über 30 Jahren in verschiedenen psychiatrischen Praxisfeldern tätig, führt seit 15 Jahren eine eigene Praxis und gründete vor 20 Jahren das „Atelier Kunst & Therapie“. Ihr Weg ist gekennzeichnet durch zahlreiche innovative Projekte, die insbesondere den Menschen am Rande der Gesellschaft dienen.
Schönborn schaffte es, in ihrem Vortrag einen faszinierenden Bogen von der Entwicklungsgeschichte des Menschen bis hin zu aktuellen Studien der Stress-, Resilienz- und Glücksforschung zu spannen. Sie präsentierte nicht nur theoretisches Wissen, sondern auch praxisnahe, alltagstaugliche Ansätze zur Stressreduktion. Mit lebendigen Fallbeispielen und persönlichen Geschichten gelang es ihr, das komplexe Thema auf verständliche und humorvolle Weise zu vermitteln.
Zentrales Thema ihres Vortrags war die Resilienz – die Fähigkeit, Herausforderungen nicht nur zu bewältigen, sondern daran zu wachsen. Sie erklärte, dass etwa 30 % der Resilienz genetisch und epigenetisch bedingt seien, 30 % durch das Umfeld und die Umwelt geprägt würden, während 40 % auf die eigene Persönlichkeit zurückzuführen sind. Besonders wichtig war ihr die Botschaft, dass Resilienz kein feststehendes Merkmal ist, sondern ein lebenslanger Prozess, den jeder Mensch durch gezielte Maßnahmen stärken kann.
„Die seelische und mentale Entwicklung des Menschen kann mit der rasanten digitalen und wissenschaftlichen Entwicklung nicht Schritt halten“, erklärte Schönborn. Sie führte weiter aus, dass laut WHO (der Weltgesundheitsorganisation), ein erheblicher Teil der weltweit am meisten belastenden Krankheiten auf Stress zurückzuführen sei. Der Mensch sei evolutionär für kurzfristigen Stress bestens gewappnet, nicht jedoch für dauerhaften Druck oder die ständige Informationsflut der modernen Welt. Die permanente Erreichbarkeit und der Drang, alles kontrollieren zu wollen – unterstützt durch technische Hilfsmittel wie Fitness-Apps und ständige Smartphone-Benachrichtigungen – führten zu einer immer höheren Belastung. So vergingen kostbare Momente, ohne dass Menschen präsent seien, so Schönborn.
Besonders beunruhigend sei, so Schönborn, die Zunahme der Diagnose „Anpassungsstörung“ bei Erwachsenen und die Tatsache, dass bei jedem 3. Kind im Vorschulalter bereits Verhaltensauffälligkeiten diagnostiziert würden. Dies sei ein deutliches Zeichen dafür, dass unsere moderne Lebensweise nicht „artgerecht“ sei. „Der Mensch ist evolutionär weder für dauerhafte Glückszustände noch für chronischen Stress ausgestattet“, betonte sie. Der Druck, jeden Tag, 365 Tage im Jahr, perfekt, erfolgreich und dabei noch für Instagram & Co gutaussehend zu sein, sei unrealistisch und ungesund.
Das digitale Zeitalter, die zunehmende Verwendung von KI, biete wunderbare Möglichkeiten, die der Mensch noch lernen darf gesund und maßvoll für sich zu nutzen, ohne sich davon benutzen zu lassen, führte Schönborn aus.
Ein besonders anschauliches Bild bot Schönborn mit der Metapher der Schneekugel. Sie beschrieb, wie in früheren Zeiten nur wenige „Schneeflocken“ – also äußere Reize – unser inneres Gleichgewicht gestört hätten, während heute unzählige Flocken durch die ständige Reizüberflutung durcheinandergeraten. Als Gegenmittel nannte sie bewusste „Räume der Stille“, in denen sich der „Schnee“ wieder legen und innere Klarheit einkehren könne.
Schönborn gab dem Publikum verschiedene Empfehlungen, um die eigene Resilienz zu stärken: Selbstfürsorge und positive Routinen in den Alltag einbauen, regelmäßige Pausen in der Natur einplanen, den Tag in der Stille beginnen und mit einem „Freudetagebuch“ und Dankbarkeit beenden. Auch die bewusste Reduktion der Informationsflut, die dafür wieder gezielt mehr Tiefe und eigenständiges Denken fördern kann, nannte sie als ein wertvolles Beispiel. Sowie der konstruktive Umgang mit allen Gefühlen – ob positiv oder schmerzhaft – seien wichtige Bausteine für ein entspannteres Leben.
Mit einer leicht provokanten Frage wandte sich Schönborn an die Zuhörer: „Möchten Sie länger und gesünder leben? Pflegen Sie Ihre Beziehungen!“ Studien belegten übergreifend und eindeutig, dass soziale Unterstützung ein wesentlicher Faktor für Resilienz sei. Der regelmäßige Kontakt zu Familie, Freunden und der Gemeinschaft stärke das Gefühl der Verbundenheit und helfe dabei, Herausforderungen besser zu bewältigen. Selbst kurze Telefonate könnten Isolation und Einsamkeit verringern und seien nachweislich wirksam gegen Depressionen und Angstzustände. In sozialen Begegnungen werde das Hormon Oxytocin ausgeschüttet, das Schmerzen lindere und die Speicherung positiver Erlebnisse im Gedächtnis unterstütze.
Die Teilnehmer verließen die Veranstaltung inspiriert und mit praktischen Anregungen, die sie direkt in ihren Alltag integrieren können. Heike Schönborns Vortrag war nicht nur lehrreich, sondern auch eine kraftvolle Erinnerung daran, dass Resilienz eine Fähigkeit ist, die jeder entwickeln kann – ein lebenslanger Prozess, der Hoffnung und Zuversicht schenkt. Weitere Veranstaltungen von FAKT e.V. sowie Videoaufzeichnungen der Vortragsreihe finden sie unter www.atelierkunstundtherapie.de
