Vertreterversammlung der Raiffeisenbank Grafschaft-Wachtberg eG
Überwältigende Mehrheit votiert für Zusammenschluss
Rückwirkend zum 1. Januar 2016 soll die neue „Raiffeisenbank Voreifel eG“ mit Sitz in Rheinbach entstehen
Ringen. Mit deutlicher Mehrheit stimmte die Vertreterversammlung der Raiffeisenbank Grafschaft-Wachtberg eG der geplanten Fusion mit der Raiffeisenbank Rheinbach Voreifel eG zu. 87 der anwesenden Vertreter stimmten dafür, nur einer war dagegen bei drei Enthaltungen. Damit ist der Weg frei für die Verschmelzung der beiden Banken zur künftigen „Raiffeisenbank Voreifel eG“ mit Sitz in Rheinbach. Die Verschmelzung soll rückwirkend zum 1. Januar 2016 erfolgen. Beide Partner agierten aus wirtschaftlicher Stärke heraus und seien daher in der Lage, der neu formierten Bank ein solides Fundament zu geben, so der Vorstandsvorsitzende Ernst Bugl.
Vorstandsmitglied Heiko Ulrich erläuterte den Vertretern im vollbesetzten Bürgerhaus Ringen (Kreis Ahrweiler) die Gründe für die geplante Verschmelzung, bei der die Raiffeisenbank Grafschaft-Wachtberg das abgebende und die Raiffeisenbank Rheinbach Voreifel eG das übernehmende Institut sein wird. Angesichts einer anhaltenden Niedrigzinsphase, einer überbordenden Regulierungswut in Brüssel und eines steigenden Kostendrucks wolle man sich gemeinsam der Bewältigung der zusätzlichen Herausforderungen stellen. Durch Nutzung von Synergie- und Skaleneffekten sowie durch eine sinnvollere Arbeitsteilung werde eine höhere Leistungsfähigkeit erreicht, und das schaffe Freiräume für Investitionen. Allerdings, so gab Ulrich auf Nachfrage zu, seien noch keinerlei konkrete Investitionen in Planung.
Keine Kündigungen oder Geschäftsstellen-Schließungen
Es gebe derzeit keine Überlegungen, Geschäftsstellen fusionsbedingt zu schließen, und auch an betriebs- oder fusionsbedingte Kündigungen der derzeit 57 Mitarbeiter sei nicht gedacht. Für die weitere Zukunft könne man allerdings keine Garantie abgeben, „denn wir besitzen auch keine Glaskugel, mit der wir in die Zukunft blicken können“, so Ulrich. Für die nächsten drei Jahre jedenfalls seien solche Kündigungen ausgeschlossen. Mit den Betriebsräten beider Häuser sei ein Sozialplan erarbeitet worden, der den Interessen der Belegschaft Rechnung trage, bestätigt auch der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Dietmar
.
Die beiden genossenschaftlichen Kreditinstitute wollen auch nach dem Zusammenschluss ein attraktiver Arbeitgeber für dann insgesamt 247 Mitarbeiter und 21 Auszubildende bleiben. „Wir stellen qualitativ hochwertige Arbeitsplätze zur Verfügung und fördern die vorhandenen Potenziale“, so Ulrich. In der dann größeren Raiffeisenbank Voreifel eG könnten jungen Talenten mehr und bessere Perspektiven geboten werden. Die künftige Raiffeisenbank Voreifel eG mit dann 31.174 Mitgliedern und einer Bilanzsumme von einer Milliarde Euro werde bisher 20 Geschäftsstellen und 35 Geldautomaten weiterhin betreiben. Ohnehin erforderten mehr zielgruppenspezifische Angebote neben hoher Fachkompetenz auch Berater, die die erforderliche Zeit für ihre Kunden hätten. Mit dem Zusammenschluss verfolge man die stetige Verbesserung des Kundenservice auf allen Kommunikationswegen, von der Filiale über das Telefon bis zu den elektronischen Möglichkeiten.
Große Übereinstimmung in wichtigen Aspekten
Erfreulicherweise bestehe schon im Vorfeld des Zusammenschlusses eine große Übereinstimmung zwischen den beiden Häuser bei den wichtigsten Aspekten. Sowohl bei der Strategie als auch beim Geschäftsmodell und der Unternehmenskultur bis hin zum Aufbau und der Ablauforganisation seien beide Institute sehr nah beieinander. Auch die jahrelange gute Zusammenarbeit als gemeinsame Eigentümer der Raiffeisen Rhein-Ahr-Eifel Handelsgesellschaft mbH machten die beiden Partner sicher, die richtige Wahl getroffen zu haben.
Geleitet werden soll die künftige Raiffeisenbank Voreifel eG von einem dreiköpfigen Vorstand. Vorstandssprecher wird Burkhard Kraus aus Rheinbach, dazu kommen Mathias Lutz (Rheinbach), der den Vertrieb übernimmt, und Heiko Ulrich (Grafschaft), der für die Produktion verantwortlich zeichnet. Der bisherige Vorstandssprecher der Raiffeisenbank Grafschaft-Wachtberg EG, Ernst Bugl, geht mit Eintragung der Fusion in das Genossenschaftsregister – wahrscheinlich im September diesen Jahres – in die passive Phase seiner Altersteilzeit. Im künftig zwölfköpfigen Aufsichtsrat werden neun Mitglieder aus Rheinbach und drei aus Grafschaft-Wachtberg Stimme haben. Die Vertreterversammlung wählte Friedrich Mechtenberg (Wachtberg-Werthhoven), Theo Münch (Grafschaft-Gelsdorf) und Thomas Monreal (Grafschaft-Oeverich) in das Gremium, dem der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Erich Althammer (Grafschaft-Lantershofen) zusätzlich als beratendes Mitglied angehören soll.
Bilanzsumme steigt auf 214,7 Millionen Euro
Angesichts dieser einschneidenden Entscheidung trat der Jahresabschluss für 2015 etwas in den Hintergrund, den die Vertreterversammlung aber dennoch einstimmig genehmigte. Bei einer Bilanzsumme von 214,7 Millionen Euro (Vorjahr 213,0) gab es einen Jahresüberschuss von 872.000 Euro (Vorjahr 860.000). Davon wurden 400.000 Euro in die Ergebnisrücklagen eingestellt, sodass ein Bilanzgewinn von 472.000 Euro übrigblieb (Vorjahr 560.000). Die Bank schüttet eine Dividende von fünf Prozent aus, was etwa 201.000 Euro ausmacht, und stellt weitere 241.000 Euro in die Ergebnisrücklagen ein. Das Eigenkapital betrug somit Ende 2015 etwa 15 Millionen Euro.
JOST
Mit deutlicher Mehrheit stimmten die Vertreter der Raiffeisenbank Grafschaft-Wachtberg eG für den Zusammenschluss mit der Raiffeisenbank Rheinbach Voreifel eG. Foto: Volker Jost
Dieses Trio soll künftig den Vorstand der fusionierten Raiffeisenbank Voreifel eG bilden (v. l.): Heiko Ulrich, Mathias Lutz und Burkhard Kraus. Foto: Volker Jost
