Allgemeine Berichte | 07.08.2019, 09:52 Uhr

Inoffizielle Freigabe der Ortsumgehung von Gimmersdorf

Umgehungsstraße als Startschuss für eine zukunftsorientierte Weiterentwicklung

Nach mehr als 50 Jahren wurde die dringend notwendige Umgehung von Gimmersdorf endlich Wirklichkeit – Dorfinnenentwicklungskonzept schon fertig

Nach mehr als 50 Jahren Planungs- und Bauzeit wurde jetzt die Ortsumgehung von Gimmersdorf zumindest inoffiziell in Betrieb genommen. Foto: JOST
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Gimmersdorf. Mehr als 50 Jahre hat es gedauert, bis nach unzähligen Diskussionen, juristischen Auseinandersetzungen, Grundstückskaufproblemen, immer wieder neuen Planungen und Überarbeitungen die Ortsumgehung von Gimmersdorf endlich Wirklichkeit wurde. Vor wenigen Tagen wurde die 1,8 Kilometer lange und knapp 6 Millionen Euro teure neue Kreisstraße 14, die vom Land mit 3,5 Millionen Euro bezuschusst wird, nach fast drei Jahren Bauzeit für den Verkehr freigegeben. Wenn auch zunächst noch inoffiziell, denn der Rhein-Sieg-Kreis als Bauherr muss noch einige Restarbeiten am Ortsausgang in Richtung Ließem erledigen, die bis Ende September im letzten Bauabschnitt fertig sein sollen. Wenn alles nach Plan läuft, könnte am 29. September die offizielle Eröffnung vonstattengehen - 52 Jahre nach den „Untersuchungen des Landkreises Bonn zu einer Umgehung Gimmersdorf“, die 1967 die dringend notwendige Entlastung für die enge Ortsdurchfahrt erstmals thematisierte.

Jahrzehntelang auf das Ereignis gewartet

„Dorfchef“ und Kreistagsabgeordneter Christoph Fiévet (CDU) fasst die Stimmung im Ort so zusammen: „Wir freuen uns riesig, dass die Straße nun genutzt werden kann, denn das ist ein Ereignis, auf das die Gimmersdorfer jahrzehntelang gewartet haben. Die Fertigstellung ist zugleich ein Startschuss für eine zukunftsorientierte Weiterentwicklung des Dorfes.“ Er erinnert daran, dass das 2017 beschlossene Dorfinnenentwicklungskonzept untrennbar mit der Fertigstellung der Ortsumgehung zusammenhängt. Als nächsten großen Schritt wolle man die Sanierung des Dorfsaals in Angriff nehmen und anschließend auch den dazugehörigen Vorplatz neu und verkehrsberuhigt gestalten. Das war bislang wegen der erdrückenden Verkehrssituation mit bis zu 8000 Fahrzeugen täglich nicht möglich. „Hoffen wir, dass die Autofahrer sich schnell an die neue Verkehrsführung gewöhnen und die Umgehungsstraße fleißig nutzen. Das bringt eine enorme Entlastung für unseren Dorfkern“, hofft Fiévet.

Los ging der Bau der Ortsumgehung im September 2016 mit dem Bau der Brücke, auf der mittlerweile die „Berkumer Straße“ die tieferliegende Ortsumgehung überquert. Anschließend wurde das Versickerungsbecken gebaut, das im Osten des „Bonner Pfades“ das Oberflächenwasser von der Ortsumgehung auf dieser Seite der Brücke auffangen soll. Das Regenwasser auf der anderen Seite der Brücke wird von den neu angelegten Böschungen aufgefangen und fließt dann in den vorhandenen Regenwasserkanal an der Dreikönigenstraße. Dieser Kanal wurde allerdings deutlich vergrößert, um das Zusatzvolumen auffangen zu können. Außerdem verlegte man ein dickes Telekommunikations-Kabel auf einer Länge von 400 Metern. Weiter ging es mit den Ausschachtungen für die Einmündung der K 14 neu auf die Landstraße 123. Mit Baggern, die über Satelliten-GPS gesteuert werden, wurde dort bis zu sieben Meter tief gebuddelt und die Böschungen modelliert.

Probleme mit dem Schichtenwasser am Anfang

Der Bau der eigentlichen Straße ging in vier weiteren Bauabschnitten vonstatten. Angefangen hatte man dafür an der Einmündung der Ortsumgehung auf die L 123 (Dreikönigenstraße). Allerdings gab es Probleme mit dem Schichtenwasser, die man in diesem Umfang nicht erwartet hatte und die den Baufortschritt auch verzögerten, weil man den Unterbau der Fahrbahn 70 Zentimeter tiefer als geplant ausschachten und mit grobem Material füllen musste, damit das Wasser schneller versickern kann. Das Wasser kommt von den Feldern in der Nachbarschaft, was für die Planer in dem Umfang nicht zu erwarten war.

Es folgte der Bau eines Kreisverkehrs an der Einmündung des Neuenhofswegs in den Kommunalweg. Der Wirtschaftsweg oberhalb des neuen Sickerbeckens wurde in diesem Zuge auch mit Asphalt ausgebaut, damit die Bauern später mit ihren Traktorreifen nicht so viel Dreck auf die neue Umgehung tragen sollen. Danach folgte der Ausbau der Straße zwischen dem Bonner Pfad und der Ließemer Straße, bevor zum Schluss der „Rüssel“ fertiggestellt wurde, der von der neuen Umgehung auf die Ließemer Straße führt.

Linksabbiegerspur führt auf die Umgehungsstraße

Seit dem vergangenen Montag ist die Umgehungsstraße nun im Großen und Ganzen einsatzbereit. Wer über die Dreikönigenstraße aus Berkum kommt, muss über eine Linksabbiegerspur auf die neue Umgehungsstraße einbiegen, die in einem tiefen Taleinschnitt mit einer deutlichen Steigerung westlich an der Ortslage von Gimmersdorf vorbeiführt. Von Oberbachem aus kommend biegt man rechts ab in Richtung Villip und Autobahn. Aus Richtung Villip führt die K 57 nun im Bogen nördlich an Gimmersdorf vorbei und mündet hinter der Ortslage in die Ließemer Straße (K 14). Dort regelt eine Baustellenampel derzeit noch den einspurigen Verkehr, denn um die Ließemer Straße an die Ortsumgehung anzuschließen, wird sie bis zum Abschluss der Arbeiten an der Einmündung „Am Steinernen Kreuz“ gesperrt.

Mit Fertigstellung der Ortsumgehung ergeben sich für Gimmersdorf auch einige neue Entwicklungsperspektiven. Im Südwesten des Ortes liegt nämlich noch ein mögliches Baugebiet, für das der Wachtberger Gemeinderat bereits im März ein Bebauungsplanverfahren auf den Weg gebracht hat. Mittlerweile liegt ein erster städtebaulicher Entwurf für die etwa 1,5 Hektar große Fläche vor, wonach dort ein Dutzend neue Wohnbaugrundstücke ausgewiesen werden sollen. Die verkehrliche Erschließung soll über den „Berkumer Weg“ sowie die Straßen „Auf dem Berg“ und „Milchstraße“ erfolgen.

JOST

Nach mehr als 50 Jahren Planungs- und Bauzeit wurde jetzt die Ortsumgehung von Gimmersdorf zumindest inoffiziell in Betrieb genommen. Foto: JOST

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